Sind Hypotheken mit kurzen Laufzeiten immer günstiger?

Dreimonats-Libor-Hypotheken liegen erstmals unter 1 Prozent – nicht immer lässt sich damit aber Geld sparen. Ein Rechenbeispiel.

Historisch tiefe Hypothekarzinsen: Die Finanzierungskosten für eine Eigentumswohnung sind seit mehreren Monaten so tief wie noch nie. (Symbolbild)

Historisch tiefe Hypothekarzinsen: Die Finanzierungskosten für eine Eigentumswohnung sind seit mehreren Monaten so tief wie noch nie. (Symbolbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Hypothekarzinsen in der Schweiz sind erneut einige Basispunkte gesunken. Insgesamt befinden sich die Finanzierungskosten seit mehreren Monaten auf dem historischen Tiefpunkt. Das spricht für Festhypotheken mit langer Laufzeit. Auf diese Weise kann sich ein Hypothekarnehmer die günstigen Finanzierungskosten für lange Zeit sichern und ruhig schlafen.

Aber fährt man nicht doch besser mit einer Libor-Hypothek? Die Frage ist berechtigt. Hypotheken, die an den Geldmarktsatz gebunden sind, kosten weniger. Gemäss der repräsentativen Erhebung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) liegen die günstigsten Abschlüsse von Dreimonats-Libor-Hypotheken erstmals unter 1 Prozent.

Geldmarkthypotheken sind variabel verzinst. Sinkt (steigt) der Marktsatz Libor, dann sinkt (steigt) auch der Hypozins. Er errechnet sich aus dem Marktsatz plus einer Marge von rund 1 Prozentpunkt. Minuszinsen gibt es nicht. Notiert der Libor unter null, dann wird er zur Kalkulation auf 0 Prozent veranschlagt. Angeboten werden meist Kredite auf den Drei- oder den Sechsmonatssatz. Der Hypozins wird je nach Zinsperiode angepasst: alle drei Monate beim Dreimonats- oder halbjährlich beim Sechsmonats-Libor. Es sind auch kürzere oder längere Libor-Laufzeiten möglich.

Unterschied von 5000 Franken

Rechnen wir das ganze einmal durch. Angenommen, im März 2010 wurde eine dreijährige Libor-Hypothek mit dem Dreimonats-Libor als Basissatz abgeschlossen. In dieser Periode sank der Zins von 1,28 auf 1,17 Prozent. Am Ende kostete die Hypothek 7240 Franken. Hätte der Kreditnehmer eine dreijährige Festhypothek abgeschlossen, hätte er viel tiefer in die Tasche greifen müssen: 12'180 Franken Das sind fast 5000 Franken oder 40 Prozent mehr. Es war die Zeit, in der sich der Franken aufwertete und die SNB Mühe bekundete, die Zinsen zu steuern.

Wer eine Libor-Hypothek während des grossen SNB-Zinsschritts unter null 2014/15 abschloss, sparte ebenfalls Geld gegenüber Festhypotheken, allerdings weniger als zuvor.

Rechnen wir das obige Beispiel für zwei Kredite durch, die im März 2014 unterzeichnet wurden. Am Ende der dreijährigen Phase kam die Libor-Hypothek 1475 Franken günstiger. Hier wirkt sich aus, dass das Zinsniveau generell tiefer lag als zuvor. Die dreijährige Festhypothek kostete den Kreditnehmer nur noch 8160 Franken. Trotzdem ist die Libor-Einsparung auch prozentual mit knapp 20 Prozent nur noch halb so gross wie in der vorherigen Periode. Ähnlich fällt das Resultat für die letzten drei Jahre aus: Eine im März 2016 begonnene dreijährige Libor-Hypothek kostete am Ende nur 15 Prozent weniger als eine entsprechende Festhypothek.

Den richtigen Zeitpunkt finden

Die Einsparung mit Libor-Hypotheken ist über die vergangenen zehn Jahre also deutlich geschrumpft. Schuld daran ist die Zinskurve. Sie hat sich stark abgeflacht. Die mittel- und die langfristigen Marktzinsen sind überdurchschnittlich gesunken.

Angewendet auf unser Beispiel bedeutet das: Der Abstand zwischen dem Satz für eine dreijährige Festhypothek und dem Zins einer Dreimonats-Libor-Hypothek hat von 60 auf knapp 10 Basispunkte abgenommen. Beide sind also inzwischen fast gleich günstig.

Fallen die Marktzinsen weiter, lässt sich mit einer Libor-Hypothek zwar immer noch Geld einsparen. Aber was, wenn die Zinsen steigen? Libor-Hypotheken sind nur selten unbefristet, sondern müssen meist auf drei oder fünf Jahre abgeschlossen werden. Häufig besteht die Möglichkeit, in eine Festhypothek zu wechseln, falls der Kreditnehmer das für opportun hält. Hierfür den richtigen Zeitpunkt zu finden, ist aber nicht einfach. Wechselt er zu schnell, wenn die Zinsen nur temporär zulegen, dann verpasst er den Trend. Wartet er hingegen zu lange, steigt er in eine Festhypothek um, die dann vielleicht schon deutlich teurer geworden ist und die bisherigen Zinseinsparungen auffrisst.

Geldmarkthypotheken sind in der heutigen Phase mit einer rekordtiefen, flachen Zinskurve nur wenig attraktiv. Der Preisvorteil wiegt das Risiko, bei einer Zinswende den optimalen Zeitpunkt für den Ausstieg zu verpassen, nicht auf.

Erstellt: 23.05.2019, 18:16 Uhr

Bald kein Libor mehr

Spätestens Ende 2021 wird der Interbankensatz Libor als offizieller Geldmarktsatz verschwinden. Nachfolger wird der Saron, der gegenwärtig auf dem gleichen Niveau notiert wie der Libor. Geldmarkthypotheken wird es auch künftig geben, nur wird es sich dann voraussichtlich um Saron- statt um Libor-Hypotheken handeln. Libor-Hypotheken, die über 2021 hinausreichen, müssen umgestellt werden. Vermutlich wird der Switch in ein Anschlussprodukt mit dem Saron als Basis angeboten werden, sowie die Option, in eine andere Hypothek zu wechseln. Die Umstellung darf aus vertragsrechtlichen Gründen nicht zum Nachteil des Kunden sein.

Artikel zum Thema

«Die Wirkung solcher Massnahmen ist nicht präventiv»

Die Banken wollen sich im Hypothekenmarkt strengere Regeln auferlegen. Doch die Kantonalbanken sträuben sich. Mehr...

Hypotheken sinken auf Rekordtief

Erstmals sind die Richtzinsen für fünfjährige Festhypotheken unter 1 Prozent gerutscht. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare