Migros überholt Coop bei Kleinstläden

Migrolino macht erstmals mehr Umsatz als Coop Pronto. Doch der erste Platz könnte bald wieder weg sein.

Convenience-Shops haben sich zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickelt: Migrolino-Filiale in Effretikon, aufgenommen im Herbst 2013.  Foto: Nathalie Guinand

Convenience-Shops haben sich zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickelt: Migrolino-Filiale in Effretikon, aufgenommen im Herbst 2013. Foto: Nathalie Guinand

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Am Sonntag oder am Abend noch schnell was Kleines einkaufen? In Tankstellen und sogenannten Convenience-Shops ist das möglich. Was für Kunden praktisch ist, ist für die Detailhändler ein einträgliches Geschäft. Die beiden Grossen – Coop und Migros – teilen auch in diesem Segment einen grossen Teil des Umsatzes unter sich auf.

Die Migros gab nun erstmals detaillierte Umsatzzahlen bekannt, wie das Marktforschungsinstitut GFK in seinem neusten Detailhandelsbericht schreibt, der am Dienstag veröffentlicht wird. Damit seien die Zahlen von Coop und Migros erstmals vergleichbar. Es zeigt sich: die Migros macht mit ihren Migrolino-Läden mehr Umsatz als Coop.

Coop erwirtschaftete gemäss GFK im vergangenen Jahr mit Coop-Pronto-Läden 819 Millionen Franken, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Migros ist dynamischer unterwegs. Sie konnte ihren Umsatz um 6,3 Prozent auf 823 Millionen Franken steigern. Unter den Markennamen Migrolino und Coop Pronto werden jeweils über 300 Läden betrieben. Dazu kommen Migrol-Shops und Coop-to-go-Filialen, die ebenfalls im Convenience-Bereich angesiedelt sind.

Zum allgemeinen Wachstum kommen neue Konzepte hinzu.

Der Prestigesieg bei den Convenience-Shops könnte aber schon bald wieder Coop gehören. Denn die Migros muss 10 Niederlassungen an Bahnhöfen aufgeben. Die SBB haben diese Ladenflächen im Zuge einer Ausschreibung neu vergeben. Pro­fitieren konnte davon Valora.

Das Geschäft mit Convenience- und Tankstellenshops boomte in den vergangenen Jahren. Reihum wurden neue Läden hochgezogen, da die Kunden die längeren Öffnungszeiten und die Lage an Strassen oder in Bahnhöfen offenbar zu schätzen wissen. Weil der Detailhandel ansonsten ein hartes Pflaster mit wenig Wachstum ist, stürzten sich verschiedene Anbieter auf den Convenience-Markt. 2010 gab es noch 1548 solcher Geschäfte, heute sind es mehr als 1800. Neu betreibt zum Beispiel auch Aldi einen kleinen Laden im Bahnhof Lausanne.

Allein die Tankstellenshops machen mittlerweile 3,25 Milliarden Franken Umsatz, die restlichen Convenience-Shops rund 1,2 Milliarden. Insgesamt ist das komplette Segment, mitsamt Bäckereien, die Take-away anbieten, und dem kleinflächigen Detailhandel auf 9 Milliarden Franken Umsatz angewachsen. Das sind rund 10 Prozent des gesamten Detailhandelsvolumens. Ein Ende des Wachstums im Convenience-Bereich ist nicht absehbar. So baut Valora in der nächsten Zeit Kioske an Bahnhöfen in Convenience-Stores um.

Wachstum auf dem Land

Das Wachstum zeigt sich auch abseits der grossen Zentren. Dort hat sich die Agrargenossenschaft Fenaco mit ihren Top-Shops breitgemacht. Mittlerweile machen die Läden 270 Millionen Franken Umsatz. Das ist fast so viel, wie Valora mit ihren Convenience-Shops an den Bahnhöfen erzielt. Eine Fenaco-Sprecherin sagt: «Das Bedürfnis der Kunden nach einer schnellen Verpflegung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend auch künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird.» Fenaco plant deswegen, drei bis vier Läden pro Jahr neu zu eröffnen.

Coop will sich zur künftigen Strategie bei Coop Pronto nicht äussern. Auch bei Migrolino gibt man sich wortkarg. Fest steht: Der Markt wird sich weiter entwickeln. Zum allgemeinen Wachstum kommen neue Konzepte hinzu. So testete Valora am Zürcher Hauptbahnhof einen Laden ohne Personal, dasselbe plant auch Migrolino. Und Coop präsentiert regelmässig neue Geschäftsideen in diesem Segment wie etwa Sapori d’Italia oder Coop to go.

Erstellt: 17.06.2019, 20:50 Uhr

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