Germania beantragt Insolvenz – Schweizer Airline fliegt weiter

Die Berliner Fluggesellschaft hat ihren Betrieb umgehend eingestellt. Die Schweizer Germania Flug will davon unbeirrt weiter fliegen.

Der Flughafen Zürich bestätigt, dass alle Germania-Flüge von Dienstagmorgen plangemäss durchgeführt wurden. (Archiv)

Der Flughafen Zürich bestätigt, dass alle Germania-Flüge von Dienstagmorgen plangemäss durchgeführt wurden. (Archiv) Bild: PPR/Germania Flug AG/Gerry Ebner/Keystone

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In der Nacht auf Dienstag teilte die deutsche Fluggesellschaft Germania mit, beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz beantragt zu haben. Geschäftsführer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. «Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb», erklärte Balke laut Mitteilung.

Das Grounding der Fluggesellschaft kommt nicht ganz überraschend. Unlängst war bekanntgeworden, dass Germania mit mehr als 30 Mittelstrecken-Jets in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr.

Flüge ab Zürich plangemäss

Von der Insolvenz vorerst nicht betroffen ist die Schweizer Gesellschaft Germania Flug AG, die nur zu 40 Prozent dem deutschen Unternehmen gehört und weitgehend eigenständig agiert. «Bei uns läuft der Betrieb wie gewohnt weiter», schrieb das Unternehmen am Dienstagmorgen in einer Pressemitteilung. Der laufende Winterflugplan sowie der Sommerflugplan 2019 würden wie geplant aufrechterhalten und die Planung für den Winter 2019/20 laufe bereits.

Von Zürich aus bedient die Airline rund 20 Destinationen, hauptsächlich im Mittelmeerraum. Der Flughafen Zürich bestätigte, dass alle Germania-Flüge von Dienstagmorgen plangemäss durchgeführt wurden.

Überlebensfähigkeit «schwierig abzuschätzen»

Inwiefern die Durchhalteparolen der Schweizer Germania gerechtfertigt sind, wird sich zeigen. «Es ist für uns schwierig abzuschätzen, ob die Schweizer Gesellschaft auf eigenen Beinen überlebensfähig ist», sagte Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands. Aus Konkurrenzgründen habe die Branche aber ein grosses Interesse am Überleben von Germania. Den dem Verband angeschlossenen Reisebüros werde in solchen Situationen jeweils geraten, ihre Kunden transparent über die entsprechenden Risiken aufzuklären.

Bereits vor drei Wochen hatte der Reisevermittler Hotelplan Suisse einen Stopp von Einzelplatz-Buchungen für Germania verfügt. Dagegen verkauft DER Touristik Suisse, dem unter anderem Kuoni und Helvetic Tours angehören, auf Anfrage weiterhin Flüge von Germania ab Zürich, wie Mediensprecher Markus Flick gegenüber der Nachrichtenagentur AWP bestätigte.

Friedrichshafen stark betroffen

Vom Grounding unmittelbar betroffen sind in der Schweiz Kunden, die einen grenznahen Flughafen als Abflugsort gewählt haben. «Wir haben Kunden, die bei uns Flüge mit der deutschen Germania vorzugsweise ab Friedrichshafen gebucht haben», so Flick weiter. Pauschalreisegäste seien durch die Bestimmungen in solchen Fällen aber auf der sicheren Seite. Diesen würde eine Ersatzbeförderung ohne Mehrkosten angeboten, falls Kapazitäten bei anderen Fluggesellschaften verfügbar seien.

Für den Bodensee-Airport Friedrichshafen ist die Insolvenz ein harter Schlag. Im vergangenen Jahr seien etwa ein Drittel aller 540'000 Passagiere am Bodensee mit Germania geflogen, schrieb der Flughafen in einer Mitteilung vom Dienstag. Man sei in Kontakt mit allen grossen Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften, um die Lücke im Flugplan umgehend zu schliessen. Massiv betroffen von der Germania-Pleite sind auch ostdeutsche Flughäfen wie Rostock-Laage oder Dresden.

Den Passagieren in Deutschland, die Germania gebucht haben und nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter unterwegs sind, wird von verschiedenen Seiten bereits Unterstützung zugesichert. So haben der Lufthansa-Konzern und der Ferienflieger Condor angekündigt, den Betroffenen verbilligte Tickets anzubieten. (sep/sda)

Erstellt: 05.02.2019, 13:46 Uhr

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Deutschland plant keine Rettung

Die Bundesregierung plant derzeit keine Rettung der insolventen Fluggesellschaft Germania und auch kein Eingreifen zugunsten der betroffenen Passagiere. Es handele sich bei der Pleite um «einen Anwendungsfall von Marktwirtschaft», sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Dienstag in Berlin.

Zu dieser gehörten unternehmerischer Erfolg und Misserfolg gleichermassen. Wenn der Staat «willkürlich» Firmen rette, komme es zu «Fehlallokationen» und hohen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten, mahnte der Minister.

Nach der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin im Sommer 2017 hatte die Bundesregierung dem Unternehmen einen Überbrückungskredit gewährt, um den Flugbetrieb zunächst noch aufrechtzuerhalten. Damals sassen zahlreiche Air-Berlin-Kunden an Flughäfen ausserhalb Deutschlands fest.

Bei Germania sei dieses Problem offenbar von «viel begrenzterer Dimension» sagte Altmaier am Dienstag. «Die allermeisten» Passagiere hätten wohl die Chance, sich das Geld für einen Rückflug vom Reiseveranstalter erstatten zu lassen.

Eine «interministerielle Runde» beobachte für die Bundesregierung die Situation bei Germania, sagte Altmaier. Vertreten seien neben seinem Ressort das federführende Bundesverkehrsministerium und das Bundesfinanzministerium. Die Lage werde «genau» im Blick behalten, konkrete Pläne habe die Regierung derzeit aber nicht. (afp)

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