Der Handelsstreit eskaliert – die wichtigsten Fragen und Antworten

Für die USA ist klar, China manipuliert die eigene Währung. Was das für die Schweiz bedeutet.

Damals war die Beziehung zwischen den beiden Präsidenten noch nicht so frostig: Donald Trump zu Besuch bei Xi Jinping im November 2017. Foto: Getty Images

Damals war die Beziehung zwischen den beiden Präsidenten noch nicht so frostig: Donald Trump zu Besuch bei Xi Jinping im November 2017. Foto: Getty Images

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Was werfen die USA China genau vor?
Der chinesische Yuan verlor zuletzt gegenüber dem Dollar an Wert. Zum ersten Mal seit mehr als elf Jahren war am Montag ein Dollar mehr als 7 Yuan wert. China soll die eigene Währung systematisch unterbewerten, um so die eigene Wirtschaft zu stärken, schreibt das US-Finanzministerium. Die chinesische Exportwirtschaft erhalte dadurch einen unfairen Vorteil. US-Präsident Trump twitterte: «China hat den Kurs seiner Währung auf ein fast historisches Tief gesenkt.» Das sei ein Fall von Währungsmanipulation. Das US-Finanzministerium verlangt nun von China, dass es die eigene Währung nicht mehr in diesem Ausmass aktiv beeinflusst.

Was bedeutet das?
Die Abschwächung des Yuan ist eine Gegenmassnahme auf die Strafzölle der USA. Gegenüber der «Financial Times» sagte Eswar Prasad, ein Experte für das chinesische Finanzsystem an der Cornell Universität: Dass die USA nun China als Währungsmanipulator bezeichnen, sei ein Signal dafür, dass jetzt zwischen den beiden Staaten ein offen ausgetragener Handelskrieg stattfinde.

Warum trifft die Schwächung des Yuan die USA so sehr?
Ein schwacher Yuan verbessert die Position der chinesischen Firmen auf dem Weltmarkt. Auch werden dadurch die Folgen der US-Strafzölle im Handelskonflikt abgeschwächt. Der Yuan-Kurs bewegt sich nicht frei, er wird von der Notenbank in Peking in einer bestimmten Kursspanne gehalten. Daher auch die Kritik der USA an der Währungspolitik Chinas.

Wie reagiert China darauf?
China habe laut Bloomberg bereits mit Gegenmassnahmen begonnen. Um gegen ein weiteres Abrutschen des Yuan gegenüber dem Dollar vorzugehen, seien in Hongkong bereits Anleihen verkauft worden. Marktbeobachter erwarten, dass die USA weitere Strafzölle auf chinesische Produkte einführen könnten, sollte China die Währung weiter abschwächen.

War nicht auch die Schweiz ein Währungsmanipulator für die USA?
Die Schweiz stand unter Beobachtung der US-Behörden. Sie galt zwischen 2016 und diesem Frühjahr als potenzieller Währungsmanipulator. Dies, weil die Schweiz einen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber den USA hatte und die Schweizerische Nationalbank auf dem Devisenmarkt intervenierte, um den Franken zu schwächen. Zuletzt liessen die USA die Schweiz aber vom Haken. Das Land nehme auf den Franken keinen starken Einfluss mehr, hiess es im entsprechenden Bericht des US-Finanzministeriums.

Was heisst die neuste Entwicklung für die Aktienmärkte?
Die Turbulenzen an den Börsen dürften anhalten. Gestern schlossen die wichtigsten US-Börsenindizes deutlich im Minus. Der S&P 500, der Dow Jones und die Technologie-Börse Nasdaq verloren alle rund 3 Prozent. Diese Abwärtstendenz dürfte sich heute auf den europäischen Händelsplätzen fortsetzen. Marktbeobachter gehen aber davon aus, dass sich die heftige Reaktion von gestern nicht wiederholen wird.

Der Schweizer Leitindex SMI startete heute nur leicht negativ und steht bei rund 9600 Punkten. Die Unsicherheit treibt die Anleger aber in alternative Anlageformen. Das Gold und die Kryptowährung Bitcoin haben unterdessen weiter zugelegt. Der Bitcoin hat die Marke von 12'000 Dollar erreicht, nachdem er am Montag über 11'000 Dollar geklettert war.

Was bedeutet das für die Schweiz?
Die Flucht in sichere Häfen und damit auch in den Franken dürfte anhalten. Gestern fiel der Euro-Franken-Kurs zeitweise unter die Grenze von 1.09. Heute verlor der Franken bislang leicht an Kraft.

Erstellt: 06.08.2019, 10:55 Uhr

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