Brexit-Chaos treibt Schweizer Anleger in die Flucht

Der SMI fiel um 2,17 Prozent. Der Dow hat sich nach anfänglichen Verlusten erholt.

Die britische Premierministerin Theresa May gibt zu, dass sie das Abkommen im Parlament nicht durchgebracht hätte. Video: AP

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An der Schweizer Börse haben zu Wochenbeginn wieder die Pessimisten das Zepter übernommen. Die Unsicherheit rund um den Brexit, der ungelöste Handelsstreit zwischen den USA und China und Befürchtungen, die US-Konjunktur könnte an Dynamik verlieren, vergraulten die Anleger. Der Leitindex SMI fiel um 2,17 Prozent auf 8'551,02 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Anfang Juli, wobei der Abstand zum Jahrestief nur noch rund 180 Punkte beträgt. «Die Stimmung ist halt angeschlagen», sagte ein Aktienstratege. »Im Moment geht es ungebremst nach unten.»

Ein weiterer Kursrückgang wird nicht ausgeschlossen. Wichtige Börsenbarometer wie beispielsweise der amerikanische S&P 500 seien noch ein gutes Stück von ihren Jahrestiefs entfernt. Die Verunsicherung der Anleger spiegelte sich auch im Volatilitätsindex wider. Das «Angstbarometer» schoss zehn Prozent hoch.

Für Nervosität sorgte insbesondere die andauernde Ungewissheit über die Rahmenbedingungen für das geplante Ausscheiden Grossbritanniens aus der Europäischen Union (EU). Premierministerin Theresa May verschob die für Dienstag geplante Abstimmung im Unterhaus über das Brexit-Abkommen mit der EU.

Zudem befürchten die Anleger, dass die Inhaftierung einer Spitzenmanagerin des chinesischen Technologiekonzerns Huawei in Kanada den amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt wieder anheizen könnte. Einige Investoren befürchten darüber hinaus, dass sich die US-Wirtschaft abschwächen könnte. Beide Faktoren hatten die Aktienmärkte bereits in der vergangenen Woche belastet, und am Montag ging die Leitbörse Wallstreet erneut auf Talfahrt.

Hohe Verluste bei Novartis und Roche

Im Gegenzug hat der Schweizer Franken in den vergangenen Tagen wieder an Wert gewonnen. Die Währung ist bei Investoren in unsicheren Zeiten stets gefragt. Ein Euro kostete zuletzt 1,1245 Franken. Mitte November waren es 1,1430 Franken.

Auf dem Markt lasteten vor allem die Schwergewichte. Die an sich als vergleichsweise krisensicher geltenden Pharmakonzerne Novartis und Roche verloren 2,4 beziehungsweise 1,4 Prozent an Wert. Bei Roche tritt der Chef der Pharmasparte, Daniel O'Day, zurück und wechselt auf den Chefposten des Pharmakonzerns Gilead. Sein Nachfolger wird der derzeitige Chef der US-Tochter Genentech, William Anderson. Für Novartis hat Barclays hat die Empfehlung auf "Underweight" von "Equal-Weight" gesenkt.

Die Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestle sanken um zwei Prozent. Marktteilnehmer erklärten die Schwäche der SMI-Riesen unter anderem mit technischen Faktoren. «Das kommt über die Futures-Märkte», erklärte der Aktienstratege.

Bär fasst die rote Laterne

Unter die Räder kamen insbesondere Banken und konjunktursensible Werte. Die rote Laterne unter den Standardwerten hielt die Privatbank Julius Bär mit einem Kursabschlag von 4,2 Prozent. Drei Prozent und mehr an Wert verloren die Luxusgüter-Hersteller Richemont und Swatch, der Personaldienstleister Adecco, der Zementproduzent LafargeHolcim und die Grossbank UBS. Die Aktien der Credit Suisse sanken vorübergehend auf ein Jahrestief und schlossen dann um 2,5 Prozent schwächer. Laut einem Bericht der "SonntagsZeitung" will die zweitgrösste Schweizer Bank bei einem Investorentag am Mittwoch ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm und eine Dividendenerhöhung ankündigen.

Am breiten Markt stürzten die Aktien von Meyer Burger 18 Prozent ab. Credit Suisse hat die Empfehlung für den Solarindustrie-Zulieferer auf "Underperform" von «Neutral» gesenkt. Unter Druck standen auch die AMS-Titel mit einem Minus von 7,4 Prozent. Sorgen um eine schwächere Nachfrage nach Chips für Smartphones belasteten auch Aktien von anderen europäischen Halbleiterherstellern.

Auch im Ausland gehts abwärts

In Europa büssten der DAX in Frankfurt und der CAC 40 in Paris je 1,5 Prozent ein. Der FTSE an der London Stock Exchange hielt sich mit -0,8 Prozent vergleichsweise gut, das Britische Pfund fiel jedoch zum Euro und Dollar um 1,5 Prozent. Die Wall Street zeigt am Montagabend ebenfalls abwärts. Der Dow lag kurz nach 18 Uhr bei 23'937.98 Punkten – ein Verlust von 1,85 Prozent. Um 21 Uhr war er aber wieder bei 24.400.67 und damit knapp im Plusbereich (nlu/Reuters)

Erstellt: 10.12.2018, 18:16 Uhr

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