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Erst Werner, jetzt HavertzWird Chelsea zum grossen Profiteur der Corona-Pandemie?

Beim Premier-League-Club macht Abramowitsch Millionen locker für Transfers, trotz schwieriger Zeiten. Dabei spielt das junge Team gerade richtig guten Fussball.

Er soll bald zu Chelsea wechseln: Kai Havertz, noch bei Bayer 05 Leverkusen unter Vertrag.
Er soll bald zu Chelsea wechseln: Kai Havertz, noch bei Bayer 05 Leverkusen unter Vertrag.
Foto: Getty Images
Er ist schon zu Leipzig gewechselt: Timo Werner, deutscher Nationalspieler.
Er ist schon zu Leipzig gewechselt: Timo Werner, deutscher Nationalspieler.
Foto: Getty Images
Trainiert schon mit Chelsea: Hakim Ziyech, von Ajax Amsterdam für 40 Millionen Euro verpflichtet.
Trainiert schon mit Chelsea: Hakim Ziyech, von Ajax Amsterdam für 40 Millionen Euro verpflichtet.
Foto: Getty Images
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53 Millionen Euro haben sie bereits nach Leipzig überwiesen, 40 Millionen nach Amsterdam, 100 Millionen sollen gerüchteweise dieser Tage nach Leverkusen fliessen. Während andere Clubs in Zeiten der Corona-Krise mit ihren finanziellen Mitteln haushalten müssen, leistet sich Chelsea einen Transfer nach dem anderen: Timo Werner, Hakim Ziyech und nun wohl auch Kai Havertz. Bei Roman Abramowitsch, russisch-israelischer Öl-Oligarch und Besitzer des Londoner Clubs an der Stamford Bridge, sprudelt das Geld momentan geradezu.

Wie ist es möglich, dass Chelsea gerade zum grössten Profiteur der Pandemie wird?

Rückblick: Im Februar 2019 sanktioniert die Fifa den Verein aus der Premier League mit einer drastischen Massnahme. Transfersperre bis Sommer 2020. Dies, weil der Club in 29 Fällen gegen die Regeln zur Verpflichtung Minderjähriger verstossen haben soll.

Der Champions-League-Sieger von 2012 ist gezwungen, zu sparen. Und obwohl vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Berufung eingelegt und die Transfersperre reduziert wurde, verzichtete man freiwillig auf Neuzugänge im vergangenen Winter.

Jugend forscht

Verantwortlich dafür ist auch der Coach an der Seitenlinie: Frank Lampard, früher selbst Spieler und Ikone an der Stamford Bridge. Als er auf die Spielzeit 2019/20 den frei gewordenen Trainerposten übernahm, forcierte der 41-Jährige einen Kurswechsel in der Clubphilosophie. Aufgrund der Transfersperre sah sich Lampard dazu gezwungen, vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen und das Kader so erheblich zu verjüngen. Während in den offensiven Reihen Tammy Abraham (22), Mason Mount (21) sowie Callum Hudson-Odoi (19) mit Glanzmomenten auf dem Rasen auffallen, zählen in der Defensive Fikayo Tomori (22) und Reece James (20) zu den Überraschungen.

Den jungen Spielern stellt Lampard erfahrene Profis zur Seite: Antonio Rüdiger (27), César Azpilicueta (30), Jorginho (28), N'Golo Kanté (29), Mateo Kovacic (26) und Olivier Giroud (33) sorgen für einen optimalen Mix im Team. Und der Erfolg gibt dem ehemaligen englischen Nationalspieler recht. Gegen Manchester United erreichte Lampards Team mit einem 3:1-Sieg zum dritten Mal in den vergangenen vier Jahren den FA-Cup-Final, in der Liga steht man zwei Runden vor Schluss auf einem Champions-League-Platz.

Chelsea, das in den vergangenen Jahren den Anschluss an die Spitze in der Premier League immer mehr verlor, könnte in Zukunft wieder ganz weit oben mitspielen. Und das, ironischerweise, auch dank der Transfersperre. Praktisch keinen Ausgaben stehen die 200 Millionen Euro aus Einnahmen der Verkäufe von Eden Hazard (Real Madrid), Angreifer Álvaro Morata (Atlético Madrid) und Abwehrchef David Luiz (FC Arsenal) gegenüber. Damit wäre auch der Transfer von Havertz finanziert.