Musikfestwochen

Stark engagiert, aber FCW-Spiele sind ihr heilig

Laura Bösiger wechselt vom Salzhaus in die Geschäftsleitung der Musikfestwochen. Sie freut sich, dass sie dazu beitragen kann, das kulturelle Leben in der Stadt zu bereichern.

Während der Musikfestwochen blieb Laura Bösiger nur wenig Zeit für Pausen. Sie organisierte die Anlässe zum 40-Jahr-Jubiläum.

Während der Musikfestwochen blieb Laura Bösiger nur wenig Zeit für Pausen. Sie organisierte die Anlässe zum 40-Jahr-Jubiläum. Bild: Moritz Hager

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Es reicht gerade für einen Kaffee zwischen zwei Terminen. Die letzten Wochen waren für Laura Bösiger anstrengend. Zwar hat sie ihre Stelle bei den Musikfestwochen noch nicht angetreten, trotzdem war sie bereits stark engagiert. Sie zeichnete für die Jubiläumsanlässe der Musikfestwochen mitverantwortlich, organisierte unter anderem mit zwei Freunden das Kultur-Café. Aber auch sonst ist Langweile für Laura Bösiger ein Fremdwort: Sie ist aktuell Geschäftsführerin des Salzhauses, im Vorstand des Vereins Onthur, eines Zusammenschlusses der Musikclubs Albani, Gaswerk, Kraftfeld und Salzhaus, ist Medienverantwortliche der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Winterthur (GWG), engagiert sich bei den Kurzfilmtagen und hat mit Kollegen eine eigene GmbH gegründet, in der sie für Texte zuständig ist.

Lassen sich all diese Aufgaben überhaupt unter einen Hut bringen? «Ja, ich brauche diese Vielfalt sogar», sagt Laura Bösiger. Die Arbeit im Kulturbereich sei oft sehr vereinnahmend. «Deshalb suche ich daneben einen Ausgleich.» Der Vorteil ihrer Jobs: Fast alle lassen sich frei einteilen. «Ich kann mich gut organisieren, dar­um sind die vielen Engagements möglich.» Dazu kommt, dass die 28-Jährige sehr belastbar scheint. Weggefährten attestieren ihr eine fast unerschöpfliche Ener­gie­. Laura Bösiger relativiert: «Ich kann gut einschätzen, was drinliegt. Ich spüre genau, wann ich Schlaf brauche. Und dann bin ich so konsequent, mir den Schlaf auch zu gönnen.»

Kultur nimmt in Laura Bösigers Leben einen wichtigen Stellenwert ein. Sie sei zwar weder Musikerin noch Künstlerin, «aber eine Grundaffinität zur Kultur im weiteren Sinn habe ich schon im Elternhaus mitbekommen.» Bösiger ist in Hagenbuch aufgewachsen, als zweite von drei Schwestern. «Meine Eltern waren sehr engagiert.» Zudem habe sie als Teenager im selbstverwalteten Jugendclub in Elgg, dem Club 81, mitgearbeitet. «Wir haben beispielsweise ein Open Air auf die Beine gestellt. Ich verspürte schon dort den Wunsch, etwas für andere zu machen.»

Nach der obligatorischen Schulzeit ging sie ans Gymi und studierte danach an der ZHAW Journalismus und Organisationskommunikation. Im Rahmen dieser Ausbildung absolvierte sie ein Praktikum im Salzhaus. Und blieb hängen. Zuerst übernahm sie die Verantwortung für den Gastrobereich, später wurde sie zur Co-Geschäftsleiterin. «Ich liebe meine Arbeit, aber es ist auch ein bisschen ein Verschleissjob. Dem Salzhaus ging es finanziell nicht gut und wir mussten das Ruder herumreissen. Das ist uns gemeinsam gelungen und dar­auf bin ich stolz. Doch die Ener­gie­ lässt irgendwann nach.» Bösiger beschloss deshalb, Platz für Neues zu machen.

Die Möglichkeit, bei den Musikfestwochen einzusteigen, kam gerade zur rechten Zeit. Auf Ende 2015 übernimmt sie zusammen mit Grégoire Guisolan die Geschäftsleitung von Jane Wakefield. Bösiger wird unter anderem für die Kommunikation verantwortlich sein. In ihrer Bewerbung für den Job schrieb sie, sie sei «wohl die schlechteste Musikfestwochen-Besucherin überhaupt», da sie kaum ein Bier selber bezahlt habe. «Schon vor zehn Jahren stand ich hinter einer Bar an den Musikfestwochen», erklärt sie. Später übernahm sie mit Onthur die Bar auf dem Kirchplatz und schliesslich das Mandat für das Jubiläum. «Ich kenne also das Festival. Trotzdem werde ich bei null anfangen und viel lernen müssen», sagt sie. Dass sie sich die Geschäftsleitung teilt, kommt ihr entgegen. «Ich arbeite sehr gerne im Team. Ich habe in den letzten Jahren viel zustande gebracht, aber nichts alleine.» Bösiger übernimmt ein 60-Prozent-Pensum. Ihre Aufgaben im Salzhaus und bei Onthur gibt sie ab, alle übrigen Engagements nimmt sie weiter wahr.

Über die Zukunft der Musikfestwochen hat sich Laura Bösiger noch kaum Gedanken gemacht. Sie wolle sich zuerst einen vertieften Einblick verschaffen. Sie ist aber der Meinung, dass die Musikfestwochen jetzt eine gute Grösse haben. «Die wichtigsten Professionalisierungsschritte sind vollzogen. Die Besucher wollen, dass alles funktioniert, aber es darf auch Raum für Improvisation haben.»

Die Arbeit im Kulturbereich sieht Bösiger als Traumjob. «Man wird zwar nicht reich dabei und macht oft Überstunden, aber ich finde es schön, dass ich zu etwas Sinnstiftendem beitragen kann.» Das Prädikat Kulturstadt nimmt sie sehr ernst. «Kultur soll auf der Strasse spürbar sein, sie soll in der Luft liegen.» Dafür müsse man zusammenstehen und sich gegenseitig den Rücken stärken. Onthur sei ein gutes Beispiel dafür.

Viel Zeit für Hobbys bleibt neben den Engagements nicht. Eine grosse Leidenschaft hat Laura Bösiger aber – und in dieser ist sie kompromisslos. «Ich verpasse kein Heimspiel des FC Winterthur.» Und sie gehe auch nicht nur an die Matchs, um Leute zu treffen. Früher war sie selber aktive Fussballerin, inzwischen spielt sie nur noch in einer Frauenplauschgruppe.
Fragt man Bekannte, wie sie Laura Bösiger erleben, hört man nur Gutes. Sie sei voller Ideen, begeisterungs- und teamfähig und habe für alle ein nettes Wort. Hat sie keine Schwächen? «Viele Eigenschaften sind je nach Kontext mal eine Stärke, mal eine Schwäche», sagt sie selber. «Ich bin manchmal ungeduldig. Und ich habe von Dingen oft eine klare Vorstellung. Wenn etwas anders kommt, muss ich aktiv dar­auf achten, dass ich nicht unflexibel werde. Und ich bin manchmal stur.» Doch es waren wohl diese Eigenschaften, die dazu beigetragen haben, dass in ihrem Leben «immer im richtigen Moment wieder eine Türe aufging».

Erstellt: 23.08.2015, 17:12 Uhr

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