Munteres Wort-Pingpong zwischen Jungpolitikern

Vier Jungpolitiker vertraten gestern vor Kantonsschülern ihre politischen Standpunkte - vor viel Publikum.

Rund 200 Jugendliche verfolgten die Diskussion der Jungpolitiker – nicht alle ganz freiwillig.

Rund 200 Jugendliche verfolgten die Diskussion der Jungpolitiker – nicht alle ganz freiwillig. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wohl kaum ein Kantonsratspodium in letzter Zeit fand vor so viel Publikum statt wie jenes in der Aula der Kantonsschule Büelrain. Rund 200 Jugendliche hörten zu, wie junge Kantonsratskandidierende über aktuelle Themen diskutierten. Allerdings waren nicht alle Zuhörer freiwillig da.

Die Schule erklärte das Podium für die Schülerinnen und Schüler ab der 2. Klasse für obligatorisch. Nicht alle waren mit gleicher Begeisterung dabei. So war die drängendste Frage einiger Mädchen, ob der Moderator und Journalismusstudent Jonas Gabrieli wohl noch Single sei.

Daneben gab es aber auch viele, welche die Diskussionen interessiert verfolgten. Zur Sprache kamen die Ener­gie­wende, die Frankenstärke und die Masseneinwanderungsinitiative, wobei Letz­tere am stärksten bewegte. Anna Serra (Jahrgang 1994) von der ­Juso forderte eine zusätzliche ­Abstimmung: «Das Volk sagte sowohl Ja zu den Bilateralen als auch zur Masseneinwanderungsinitiative. Ein klarer Widerspruch, dar­um muss das Volk sich entscheiden.»

Noemi Duroe (1995) von den Jungfreisinnigen sprach sich dafür aus, das Personenfreizügigkeitsabkommen zu belassen, aber zu reagieren, wenn die Einwanderung nicht mehr tragbar sei. «Dann liesse sich ein Deckel obenauf setzen.»

Volkswillen interpretieren

Benjamin Fischer (1991) von der Jungen SVP dagegen forderte, man müsse die bilateralen Verträge neu verhandeln: «Die EU hat kein Interesse, diese Verträge zu verlieren.» Duroe sagte weiter, es sei wichtig, den Volkswillen zu ­respektieren, sonst werde die Demokratie über den Haufen geworfen.

Der Grüne Martin Neukom (1986), der als Einziger bereits im Kantonsrat sitzt, fand dieses Argument scheinheilig: «Die Zweit­wohnungsin­itia­ti­ve wurde auch völlig verwässert, aber dort interessiert sich niemand für den Volkswillen.» Zudem ärgerte sich Neukom über «das Gejammer über zu wenig Platz in der Schweiz». Das sei verkappter Rassismus: «Der fehlende Platz scheint nur ein Problem zu sein, wenn es um Ausländer geht.»

Vor allem zwischen den jungen Männern auf dem Podium herrschte munteres Pingpong, die Frauen hatten klar weniger Redezeit. In der anschliessenden Fragerunde wollte eine Schülerin wissen, weshalb sich die Linken im Vorfeld der Abstimmung zur In­itia­ti­ve nicht besser organisiert hätten.

Serra räumte ein, man habe die In­itia­ti­ve unterschätzt und «nicht wirklich daran geglaubt, dass die Schweiz so was annimmt». Ein Schüler wollte von Fischer wissen, weshalb er sicher sei, dass die EU weiter mit der Schweiz verhandeln werde. Seine Antwort: «Wenn die EU die Verträge kündigt, lade ich alle zu einem Bier ein.»

Erstellt: 25.03.2015, 17:24 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!