Winterthur

«Meh Dräck» ist heute noch beliebt

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) übernimmt die Kür des Schweizer Wortes und Unwortes des Jahres. Die gewählten Schlagwörter gaben in der Vergangenheit oft zu reden.

Das Departement für angewandte Linguistik übernimmt die Kür von Wörtern und Unwörtern.

Das Departement für angewandte Linguistik übernimmt die Kür von Wörtern und Unwörtern. Bild: Marc Dahinden

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Asylchaos, Dichtestress und Ventilklausel haben etwas gemeinsam: Alle Ausdrücke wurden schon zum Unwort des Jahres gekürt. Seit 2003 bestimmt das «Büro Wort des Jahres» in Vaduz in Zusammenarbeit mit Radio SRF 3 jedes Jahr ein Wort und ein Unwort.

Wie kam es dazu? Der Unternehmer Daniel Quaderer beschloss 2002, keine Weihnachtsgeschenke mehr im Namen seiner PR- und Beratungs-Firma zu verschicken. «Stattdessen wollte ich eine spezielle Aktion ins Leben rufen.» Er orientierte sich dabei an Deutschland. Dort wird das Wort des Jahres schon seit 1977 von der Gesellschaft für deutsche Sprache ermittelt.

Die Wortkür etablierte sich dank der Medien rasch — und brachte immer mehr Arbeit mit sich. Deshalb beschloss Quaderer, die Trägerschaft der Institution «Wort des Jahres» per 1. Juli dem ZHAW-Departement für Angewandte Linguistik in Winterthur zu übergeben. Ziel ist es, dass die Wort-Ernennung wissenschaftlich fundierter wird.

Jury traf bisher die Wahl

Heute können Interessierte Wörter vorschlagen und eine immer wieder anders zusammengestellt Jury wählt dann ein Wort aus. Zu den Jurymitgliedern gehörten in den letzten Jahren der Autor Peter Stamm, die Slampoetin Hazel Brugger oder der Kolumnist Bänz Friedli. «Vorgeschlagen wurden jeweils über 1000 Wörter, in die engere Wahl kamen jedoch nur rund 50 Wörter», so Quaderer. Künftig will sich die ZHAW auf das neue Datenkorpus «swiss-AL» stützen, mit dem der öffentliche Diskurs in der Schweiz gemessen wird. Sprachinteressierte können über eine Internetplattform weiter Ideen einreichen.

Die gewählten Unwörter stammten in der Vergangenheit häufig «aus der rechten Ecke».

Die gewählten Schlagwörter gaben oft zu reden. Besonders heftige Diskussionen habe es 2004 um den Ausspruch von Chris von Rohr, «meh Dräck» gegeben, erinnert sich Quaderer. «Es handelt sich dabei ja nicht eigentlich um ein Wort, aber der Ausspruch zeigt den Zeitgeist.» Die gewählten Unwörter stammten laut Quaderer häufig «aus der rechten Ecke». Insbesondere in Wahljahren seien jeweils solche Wortschöpfungen entstanden.

Shitstorm bleibt aktuell

Die meisten Worte blieben gemäss Quaderer auch Jahre nach ihrer Wahl noch relevant. Eine Suche in der Mediendatenbank bestätigt den Befund. Viele Schlagworte finden sich noch in zahlreichen journalistischen Texten. Shitstorm, das Wort des Jahres 2012, kam im letzten Jahr in über 1000 Berichten vor, Ausschaffung, Wort des Jahres 2010, gar in über 2000 Artikeln. Und auch die Fifa-Ethikkommission, Unwort des Jahres 2010, bleibt im Gespräch.

Doch es gibt Ausnahmen. Europhorie, das Unwort 2008, wird heute kaum noch verwendet, ebenso wie Klimakompensation, das Unwort 2007. Auch an Aldi hat man sich inzwischen gewöhnt. Von der Aldisierung, dem Wort des Jahres 2005, redet kaum mehr jemand.

(Der Landbote)

Erstellt: 26.01.2017, 16:14 Uhr

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