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Weitere Ausraster des Serben«Wieso werde ich dann nicht suspendiert?», fragte Djokovic 2016

Novak Djokovic wird vom US Open ausgeschlossen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Serbe schon des Öfteren seine Emotionen nicht im Griff hatte.

Von der Vergangenheit eingeholt: Novak Djokovic zeigt sich 2016 uneinsichtig auf die Frage, ob er an seinen Aggressionen arbeite. Heute holen ihn die Worte ein.
Video: Youtube

Kochende Emotionen, die Aufregung über das eigene schlechte Spiel, ein fataler Wutausbruch und ein unbedarfter Schlag – und das US Open war für Novak Djokovic beendet. Der Serbe wurde beim Grand-Slam-Turnier in New York im Achtelfinal disqualifiziert, nachdem er im ersten Satz nach einem Break des Spaniers Pablo Carreño Busta bei einem Wegschlagen des Balles eine Linienrichterin unabsichtlich am Hals getroffen hatte.

Die Weltnummer 1, die der zu Boden gesunkenen Frau sofort zu Hilfe eilte, um sich zu entschuldigen und nach ihrem gesundheitlichen Zustand zu erkundigen, diskutierte noch auf dem Platz mit den Schiedsrichtern, sprach von einem Versehen. Doch letztlich blieb den Referees keine andere Wahl, als Djokovic vom Turnier auszuschliessen. Ein Blick in die letzten Jahre offenbart, dass dieser Schritt früher oder später hatte kommen müssen für den aktuell besten Tennisspieler, der schon immer ein Problem damit hatte, seine Emotionen in den Griff zu bekommen.

2013 – Madrid

Es läuft das Erstrundenspiel gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov. Und Djokovic ist verärgert. Darüber, dass das Publikum seinen Gegner anfeuert und gegen ihn ist.

Nach dem Gewinn des Tiebreaks im zweiten Satz folgt ein Ausflug in die Vulgärsprache, der an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden soll. Doch alles Fluchen nützt nichts. Djokovic verliert nicht nur die Nerven, sondern auch die Partie in drei Sätzen gegen die damalige Nummer 28 der Weltrangliste.

2015 – Wimbledon

Im Viertrundenspiel gegen den Südafrikaner Kevin Anderson läuft es dem Serben nicht nach Wunsch, er liegt schnell mit zwei Sätzen in Rückstand. Aus Wut und Ärger staucht er ein Ballmädchen zusammen. Dieses ist völlig perplex, bekommt vom Spieler nach der Partie immerhin eine Entschuldigung, nach einer Partie, die der Serbe doch noch zu seinen Gunsten drehen kann.

2016 – French Open

Schauplatz Paris, Court Philippe Chatrier, Viertelfinal: Djokovic schrammt das erste Mal äusserst knapp an einer Disqualifikation vorbei. «Ich hatte grosses Glück», sollte er nach dem Halbfinaleinzug gegen den Tschechen Tomas Berdych sagen.

Aus Ärger über einen verpassten Punkt schmeisst der Serbe seinen Schläger unkontrolliert nach hinten. Ein Linienrichter kann gerade noch ausweichen, sonst wäre er vom Racket getroffen worden. Djokovic wird für seinen Fauxpas verwarnt, aber nicht vom Turnier ausgeschlossen. Danach gewinnt er das Sandplatzturnier erstmals, schafft den Karriere-Grand-Slam.

2016 – ATP Finals, London

Im Vorrundenspiel gegen Dominic Thiem beginnt der Favorit alles andere als überzeugend. Nach 69 Minuten sieht es für den 29-jährigen Serben nicht gut aus. Auf dem schnellen Hartbelag hat der Djoker soeben den ersten Satz mit 6:7 gegen den Österreicher abgegeben, und das nachdem er im Tiebreak sechs Satzbälle hat abwehren können. Doch statt seine Emotionen und seine Wut zu zügeln, sie in das erste Game des nächsten Satzes zu stecken, hämmert der Serbe den Ball ins Publikum.

Nach dem Match, den Djokovic schliesslich doch noch 6:7, 6:0, 6:2 gewinnt, muss er sich kritische Fragen eines Journalisten gefallen lassen. Mit Bezug auf seinen Aussetzer will ein Journalist wissen, ob er sich der möglichen Konsequenzen bewusst sei und es ihn hätte teuer zu stehen kommen können, wenn er jemanden getroffen hätte. In seiner Ehre und seinem Stolz angegriffen, entfährt dem Serben mit einem hämischen Lachen: «Ihr seid unglaublich, pickt euch immer solche kleinen Sachen heraus.» Der Journalist bohrt nach, stellt fest, dass Djokovic immer wieder negativ auffalle. Doch der Serbe zeigt sich uneinsichtig, unantastbar: «Ich mache diese Dinger immer wieder? Warum werde ich dann nicht suspendiert?» Er geht sogar so weit, dass er sich über den Journalisten lustig macht: «Klar hätte es heute knapp für mich werden können. Aber es hätte auch in der Halle schneien können.»