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Wiederverwertung im Handel Wie gut die Recycling-Pläne der Migros wirklich sind

Die Detailhändlerin will Plastik konsequent wiederverwerten. Was das die Kunden kostet – und wie der Branchenleader im Konkurrenzvergleich dasteht.

Ab Ende Juni soll in den neuen Sammelsack der Migros auch Plastiksäcke, Folien oder Plastiverpackungen für Joghurt oder Shampoo.
Ab Ende Juni soll in den neuen Sammelsack der Migros auch Plastiksäcke, Folien oder Plastiverpackungen für Joghurt oder Shampoo.
Foto: Migros

Ein zweites Leben für den Joghurtbecher. Das ist das Ziel der Migros. Dafür führt die Detailhändlerin einen eigenen Plastiksammelsack ein. Gefüllt werden soll er mit jeglichen Plastikverpackungen und -flaschen. Den Sack kauft der Kunde in der Filiale, füllt ihn zu Hause und bringt ihn wieder in die Filiale zurück. Das Plastik wird rezykliert, um dann wieder als Verpackung in einer Migros-Filiale zu landen.

Was die Migros nun in Angriff nimmt, macht das Unternehmen Mr. Green schon seit zehn Jahren: Plastikverpackungen wie PET-Getränke- oder Milchflaschen, die Plastikfolie der Gurke, aber auch Batterien und andere Abfallprodukte werden recycelt. Ein Vergleich.

Was wird rezykliert?

Bisher nimmt die Migros, wie auch andere Lebensmitteldetailhändler, PET-Getränkeflaschen sowie Plastikflaschen jeglicher Art an Sammelstellen in ihren Filialen zurück. Nun will sie ihr Angebot ausbauen. Neu kümmert sich die Detailhändlerin auch darum, dass Material aus Plastik wie zum Beispiel Käse- oder Fleischverpackungen oder Fruchbehälter rezykliert werden. Diese dürfen auch aus Gestellen anderer Lebensmitteldetailhändler wie Coop oder Aldi stammen. Einzige Ausnahme: PET-Getränkeflaschen dürfen nicht in den Sack, sie werden weiterhin gesondert wiederverwertet. Das Verfahren habe sich bewährt, heisst es bei der Migros.

Das Unternehmen Mr. Green geht noch einen Schritt weiter. Neben Plastik werden auch Produkte wie Elektroschrott, Stahlblech, Tonermodule oder Korkzapfen zurückgenommen und rezykliert.

Was kostet uns das?

Gratis sind die Sammelsäcke weder bei Mr. Green noch bei der Migros. Die Konzepte unterscheiden sich aber in einem entscheidenden Punkt: Kunden lösen bei Mr. Green ein Abo über drei Monate, bei der Migros kauft der Kunde die Säcke im Zehnerpack in der Filiale. In beiden Fällen füllt der Kunde sie mit seinen Abfällen selber. Doch anstatt sie, wie bei der Migros, eigenhändig zu retournieren, holt Mr. Green die Säcke vor der Haustür ab. Was auch die Differenz im Preis erklären könnte: Je nach Abo kosten 10 Sammelsäcke à 35 Liter
bei Mr. Green zwischen 18 und 35 Franken – Abholung inklusive. Die Migros-Säcke kommen in drei verschiedenen Grössen zwischen 17 bis 60 Liter. Für 10 Säcke zahlen die Kundinnen und Kunden zwischen 9 und 25 Franken.

Wie und wo wird gesammelt?

Die Migros verkauft die Säcke in ihren Filialen. Am 29. Juni macht die Migros-Genossenschaft Luzern den Anfang, danach folgen schrittweise die anderen neun Genossenschaften. 40 Standorte für die Sammelstellen wird es in Luzern für den Anfang geben, man wolle sehen, wie das Projekt angenommen werde, sagt Genossenschaftsleiter Guido Rast. Ende August starten dann die Genossenschaften Genf, Neuenburg-Freiburg, Waadt und Wallis. Bis Anfang 2021 werden sämtliche regionalen Migros-Genossenschaften der Schweiz die neuen Plastiksammelstellen anbieten.

Bei Mr. Green werden die Säcke ins Milchfach geliefert und wieder nachgefüllt, sobald sie aufgebraucht sind. In der Schweiz ist das Unternehmen in den Städten und Agglomerationen von Bern, Basel, Zürich und Winterthur aktiv. An rund 10’000 Orten holt Mr. Green die Säcke derzeit ab. Zu den Kundinnen und Kunden zählen neben Privathaushalten auch Unternehmen. Die Sammelstellen befinden sich jeweils in der Nähe des Abholortes. Im Basel-Land liegt diese zum Beispiel in Liestal.

Was geschieht damit?

Bei der Migros wie auch bei Mr. Green werden das gesammelte Plastik sowie die anderen Abfallprodukte durch die Firmen Innorecycling und Innoplastics sortiert und rezykliert. Nicht alles ist wiederverwertbar: Lediglich zwei Drittel werden rezykliert. Doch bevor es so weit ist, muss der Abfall vorsortiert werden. Bei Mr. Green wird diese Arbeit unter anderem von Langzeitarbeitslosen von Hand durchgeführt. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Konkurrenten: Nachdem die Plastikverpackungen wiederverwertet sind, werden Regranulate daraus erstellt, die in der Migros-Industrie neue Verpackungen für Migros-Produkte werden sollen.