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Statement mit MaskeSchaut her!

Als wäre sie giftig, oder Macht mindernd: Lange «weigerten» sich Politiker, die Maske zu tragen. Nun hat der Wind gedreht. Wie das?

Angela Merkels Schutzmaske trägt das Logo der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.
Angela Merkels Schutzmaske trägt das Logo der deutschen EU-Ratspräsidentschaft.
Foto: Reuters

Es war eine Premiere, die im üblichen Trubel der Ereignisse kurz vor Beginn der parlamentarischen Sommerferien in Deutschland ein wenig untergegangen ist. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum ersten Mal, seitdem das Robert-Koch-Institut dringend dazu rät, eine «Mund-Nasen-Bedeckung (textile Barriere im Sinne eines MNS) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum» anzulegen, tatsächlich eine solche getragen. Zumindest liess sie sich das erste Mal damit fotografieren. Bei einer Sitzung ein paar Tage später erschien sie mit nachtblauer Maske, auf der das Logo der deutschen EU-Präsidentschaft zu sehen war.

Merkel weiss natürlich um die Macht der Symbole in der Politik – obwohl ihr Symbolpolitik zuwider ist. Doch dann kam ihr Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (ein fleissiger Maskenträger, gern in dunklem Blau mit einer Trikolore am Rand). Da wurde sie gefragt, warum sie denn nie mit Maske zu sehen sei. Zwei Tage später betrieb sie dann doch ihre kleine Symbolpolitik.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist ein fleissiger Maskenträger.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist ein fleissiger Maskenträger.
Foto: Reuters

Merkel ist nicht die einzige unter Europas Regierungschefs, die gezögert hat, sich das Gesicht jedenfalls zum Teil zu bedecken. Britanniens Premier Boris Johnson hat erst vor wenigen Tagen seine Landsleute wieder aufgefordert, Masken anzulegen, wenn sie in einer Schlange stehen. Er selbst lässt sich offenbar nicht gern mit Gesichtstuch fotografieren.

Britanniens Premier Boris Johnson trägt angeblich Maske, lässt sich aber nicht damit fotografieren.
Britanniens Premier Boris Johnson trägt angeblich Maske, lässt sich aber nicht damit fotografieren.
Foto: Reuters

Jedenfalls gab er, danach gefragt, seinem Hang nach, den ersten Clown der Nation zu spielen, und sagte, dass auch er eine Maske trage. Allerdings «sieht es ziemlich furchterregend aus, wenn ich sie anlege». So wie er hielt sich auch die königliche Familie bisher vornehm zurück. Als sich Prinz William vergangene Woche erstmals öffentlich mit Maske zeigte, wurde das ausführlich in den britischen Medien gewürdigt. Damit habe er bewiesen, dass er endgültig «fit» sei, König zu werden, jubelte der «Daily Express».

Wenn der Mundschutz in der Öffentlichkeit tatsächlich ein Tauglichkeitskriterium für politische Führung in Corona-Zeiten sein sollte, dann versagen manche kläglich und täglich. Brasiliens rechter Präsident Jair Bolsonaro tut noch immer so, als sei Covid-19 nicht schlimmer als eine kleine Grippe. Masken sind da überflüssig.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hält nichts von Masken, aber wenn er eine trägt, dann mit seinem Bild.
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hält nichts von Masken, aber wenn er eine trägt, dann mit seinem Bild.
Foto: Reuters

Bolsonaro schützt sich und andere ebenso wenig wie US-Präsident Donald Trump, der Maskentragen offenkundig für unmännlich oder hasenfüssig hält. Bei Trumps jüngsten Auftritten in der Öffentlichkeit trug kaum einer seiner Anhänger Mundschutz, in seinem persönlichen Umfeld waren sie lange verpönt. Erst seitdem das Virus auch im (konservativen) Herzland Amerikas wütet, legt Vizepräsident Mike Pence immer öfter eine Maske an. Trump weigert sich noch immer.

US-Vizepräsident Mike Pence trägt immer öfter eine Maske, sein Chef Donald Trump weigert sich noch immer.
US-Vizepräsident Mike Pence trägt immer öfter eine Maske, sein Chef Donald Trump weigert sich noch immer.
Foto: Reuters

In Asien, wo Gesichtsmasken zum Alltag gehören, gibt es den Streit um Sinn und Unsinn nicht. Schon gar nicht taugen sie zum politischen Symbol. Japans Premier Shinzo Abe trägt sie ebenso wie Chinas starker Mann Xi Jinping.

So selbstverständlich ist das in Europa noch lange nicht. Und dürfte es so schnell auch nicht werden. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz jedenfalls, der früh strikte Mundschutzdisziplin in der Öffentlichkeit zelebrierte, liess die Maske rasch wieder fallen, als die Touristensaison nahte.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz zieht die Maske so schnell wie möglich wieder aus.
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz zieht die Maske so schnell wie möglich wieder aus.
Foto: Reuters

In der Schweiz waren die Masken nicht nur bei der Bevölkerung lange verpönt. Auch Politiker zierten sich lange. Ende Juni zeigte sich Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga mit Maske und rief die Bürger auf, es ihr gleichzutun. Zuvor war bereits Aussenminister Ignazio Cassis öffentlich mit Maske aufgetreten.

Und mit der Einführung der Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr geht auch Gesundheitsminister Alain Berset mit dem guten Beispiel voran und zeigt sich erstmals mit Maske. Über die sozialen Medien ruft er Schweizerinnen und Schweizer auf, sich und andere zu schützen.

Doch nicht alle Bundesräte haben die eigenen Weisungen verinnerlicht. In der Sendung «Samstagsrundschau» von Radio SRF sagte Bundesrat Ueli Maurer, dass er die Covid-App nicht installiert habe. Er komme bei solchen Sachen nicht draus. Auch bei den Masken ist Maurer zurückhaltend, wie er sagt. Auf seinem Arbeitsweg im Zug von Zürich nach Bern habe er bisher darauf verzichtet. Er sei zu früh und zu spät unterwegs, als dass der Wagen mit Menschen gefüllt sei.