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DorfgeflüsterWie die Spinne in die Offensive ging

Der Feind meines Feindes ist mein Freund – oder so ähnlich. Das gilt auch auf dem Balkon.

Darüber spricht das Dorf.
Darüber spricht das Dorf.
Illustration: Olivier Samter

Es gibt Menschen, die finden Spinnen eklig. Und ja, ich gebe ihnen teilweise recht. Die Viecher gewinnen im Tierreich keine Schönheitspreise. Allerdings sind sie extrem nützlich – wie nützlich, das konnte ich diesen Herbst auf unserem Balkon feststellen.

Dort hatte sich nämlich eine grosse (eigentlich war sie sogar ziemlich fett) Kreuzspinne installiert. Ihr Netz hatte dieses Tier zwischen einer Chili-Pflanze und dem Erdbeerstrauch gesponnen. Diese Platzwahl erwies sich – aus Sicht der Spinne – als absolut genial. Jedenfalls füllte sich das Netz täglich mit Insekten, die dann im Magen der Kreuzspinne endeten.

Innerhalb unserer Familie war die Anwesenheit der Kreuzspinne allerdings umstritten. So verlangte eine meiner Töchter nach einer gewissen Zeit ultimativ einen Platztausch am Balkontisch: Sie wollte so weit weg wie möglich von diesem achtbeinigen «Haustier». Meine beiden anderen Töchter sahen das völlig anders: Sie waren fasziniert und zeigten sich empört bei dem Gedanken daran, dass die Sommerpflanzen im Herbst irgendwann weggeräumt werden müssen. Dann würde die Spinne nämlich ihren Netzplatz verlieren. Ich selber war hin- und hergerissen, genauso wie meine Frau.

Die Spinne schien diese Uneinigkeit zu spüren. Sie ging in die Offensive. Eines Tages betrat ich den Balkon und staunte. Säuberlich eingesponnen hingen dort nicht weniger als drei «Stinkkäfer» (auch bekannt als marmorierte Baumwanzen). Und wenn es etwas gibt, was bei uns noch unpopulärer ist als Spinnen, dann sind es die «Stinkkäfer», weil diese sich jeweils an unseren Paprikas und Chilis gütlich tun.

Gegen diese positive PR seitens der Kreuzspinne gab es nichts mehr zu argumentieren. Sie hängt – Stand heute – noch immer in ihrem Netz.