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Tipps für BerggängerWie das Wandern zum Kinderspiel wird

Mehr als die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer wandert – das sind so viele wie noch nie. Einfach losmarschieren ist aber eine schlechte Idee. Die wichtigsten Tipps.

Wandern ist bei den Schweizern immer beliebter.
Wandern ist bei den Schweizern immer beliebter.
KEYSTONE/Ludwig Weh

56,9 Prozent der Schweizer Bevölkerung wandern – mehr als die Hälfte, das ist Rekord. «Sport Schweiz 2020», die gross angelegte Studie des Bundesamts für Sport, hat dies ergeben. Durchschnittlich verbringen Herr und Frau Schweizer jährlich 15 Tage wandernd – und das war noch vor Corona. Mit den letzten ­Wochen dürfte sich diese Zahl markant erhöht haben. Darin sind sich die Tourismusverantwortlichen der Bergregionen einig.

Wandern ist grundsätzlich ein Kinderspiel – und das ist sicherlich einer der Gründe, weshalb diese Sportart derart zulegt. Ganz unvorbereitet sollten Sie sich aber nicht auf die Wanderwege wagen. Die wichtigsten Tipps.

Turnschuhe oder Wanderschuhe?

Ein Muss für jeden Wanderer: Das gute Schuhwerk.
Ein Muss für jeden Wanderer: Das gute Schuhwerk.
KEYSTONE/Alessandro della Bella

Das Bild ist jedem Alpinisten ein Dorn im Auge: Wanderer, die sich in modischen Sneakers auf den Weg in die Berge machen. Zu Recht! Denn: Die meisten dieser Freizeitschuhe haben glatte Sohlen. Sie geben dem Wanderer keinerlei Halt. Zwar muss es für die ersten Ausflüge in die Natur nicht gleich ein Wanderschuh sein, der über die Fussknöchel hinausragt. Die Treter müssen aber unbedingt eine Sohle mit Profil haben.

Grundsätzlich gilt: Sobald die Route über steinige und unwegsame Abschnitte führt, sind hohe Schuhe empfehlenswert – sie sorgen für eine seitliche Stabilisierung der Knöchel. Und je unsportlicher und unerfahrener ein Berggänger ist, desto unterstützender sollte sein Schuhwerk sein. Denn: Nur trainierte Bein- und Fussmuskeln und ein gutes Gleichgewicht sorgen für den unabdingbaren sicheren Tritt.

Mit oder ohne Rucksack?

Er muss auf Touren von mehr als einer Stunde mit: Der Wanderrucksack.
Er muss auf Touren von mehr als einer Stunde mit: Der Wanderrucksack.
KEYSTONE/Gaetan Bally

Ein Wanderer muss nicht zwingend auf jeder Tour schwerbepackt und für sämtliche Eventualitäten gewappnet sein. Führt der Ausflug zum Bergrestaurant, das nach einem 30-minütigen Marsch auf einem breiten Feldweg erreicht ist, kann der Rucksack getrost zu Hause bleiben.

Die Faustregel lautet: Der Rucksack muss mit, wenn der Wanderer länger als anderthalb Stunden und abseits von grossen Wegen unterwegs ist. Rein gehören dann etwas zu trinken, ein Snack – etwa ein Getreideriegel oder Nüsse – eine Jacke oder ein Pullover, Sonnenschutz sowie eine kleine Apotheke.

Planen oder spontan?

Eine der Tour angepasste Planung muss sein: Dafür stehen digitale und analoge Hilfsmittel zur Verfügung.
Eine der Tour angepasste Planung muss sein: Dafür stehen digitale und analoge Hilfsmittel zur Verfügung.
KEYSTONE/Christin Klose

Eine minimale Planung muss sein. Sonst kann auch eine einfache Tour auf breiten Wegen ungemütlich werden. Der Wanderer muss mindestens in etwa wissen, welches Wetter ihn erwartet und wie lange er unterwegs sein wird. Das spielt bei der Frage nach der richtigen Ausrüstung eine Rolle.

Zur Pflichtlektüre jedes Wanderers gehört deshalb der Wetterbericht. Die meteorologischen Bedingungen in höheren Lagen können von jenen in den Niederungen abweichen, und das Wetter kann in den Bergen rasch umschlagen.

Um vor bösen Überraschungen gefeit zu sein, empfiehlt sich auch ein Blick in den Fahrplan der Bergbahnen, die auf dem Programm stehen – nicht alle fahren jeden Tag.

GPS-Gerät oder Papierkarte?

In der digitalen Welt können nicht mehr alle Karten lesen: Beim Wandern hilft diese Fähigkeit.
In der digitalen Welt können nicht mehr alle Karten lesen: Beim Wandern hilft diese Fähigkeit.
KEYSTONE

Die Regel vorab: Wer ohne Karte unterwegs ist, sollte die ausgeschilderten Wege nie verlassen. Im Übrigen gilt das Motto «sicher ist sicher». Demnach empfiehlt sich bei längeren Touren sowohl digitales als auch analoges Kartenmaterial. Schliesslich haben Handys & Co. nicht in allen Tälern und auf allen Berggipfeln genügend Empfang, um Karten anzuzeigen, und sind deshalb nur mässig zuverlässige Begleiter.

Das sind sie auch, wenn der vorausschauende Wanderer sein digitales Kartenmaterial bereits vor dem Start runtergeladen hat. Der Handy-Akku leert sich bei regem Gebrauch schneller, als der Wanderer den Berg hochkommt.

Eine Karte aus Papier wiegt quasi nichts und versagt ihren Dienst auch dann nicht, wenn sie dem Wanderer mal aus der Hand rutscht. Sie hat hingegen einen Nachteil – und dieser lässt sich nicht in wenigen Minuten aus der Welt schaffen: Immer weniger Leute können sie lesen. Wer regelmässig in die Höhe will, sollte sich diese Fähigkeit also unbedingt aneignen.

Rot-weiss oder gelb?

Die verschiedenen Farben der Wegweiser geben Auskunft über die Schwierigkeitsgrade der Routen und die zu erwartende Wanderzeit.
Die verschiedenen Farben der Wegweiser geben Auskunft über die Schwierigkeitsgrade der Routen und die zu erwartende Wanderzeit.
KEYSTONE/Ludwig Weh

Die Wegweiser sind in der Schweiz zuverlässige Informationslieferanten für jeden Wanderer. Sie geben weit mehr an als nur die Richtung. In den meisten Fällen bezeichnen sie auch die geschätzte Gehzeit bis zum Ziel. Sie verraten dem Wanderer aber auch in etwa, was ihn erwartet, und zwar mit ihrer Farbe:

Gelb bezeichnet die Kategorie «Wanderweg», deren Schwierigkeitsgrad wird mit T1 angegeben: Dabei handelt es sich meist um breite Wege, die zuweilen schmal und uneben sein können, aber keine besonderen Anforderungen stellen. Wer darauf unterwegs ist, muss aufmerksam sein und sollte Schuhe mit griffiger Sohle tragen.

Rot-weiss kennzeichnet «Bergwanderwege» (T2–T3): Sie sind oft steil, schmal und manchmal exponiert. Das erfordert eine gute körperliche Verfassung, einen sicheren Tritt und dass man schwindelfrei ist. Wer keinerlei Bergerfahrung hat, sollte diese Wege vorerst meiden. Empfohlen sind auf diesen Pfaden nicht nur griffige Sohlen, sondern wegen der Steine auch feste Schuhe.

Blau-weiss sind die Farben der «alpinen Wanderwege» (ab T4). Sie sollten von Wandernovizen unbedingt gemieden werden, den sie können über Gletscher, steiles Gras- und Schrofengelände oder Geröllhalden führen. Sie bedingen ein gutes Orientierungsvermögen.

Solo oder begleitet?

Wer kein sehr routinierter Berggänger ist, sollte mindestens zu zweit unterwegs sein.
Wer kein sehr routinierter Berggänger ist, sollte mindestens zu zweit unterwegs sein.
KEYSTONE/Anthony Anex

Allein auf den Weg machen sollten sich ausschliesslich versierte und sehr erfahrene Berggänger. Für die anderen gilt: in jedem Fall in Begleitung wandern.

Ein Kompagnon kann nicht nur im Notfall Hilfe anfordern und betreuen. Nach dem Motto «geteiltes Leid ist halbes Leid» kann sich ein Wanderer in herausfordernden Situationen auch mit ihm austauschen – das dient der Sicherheit.

Egal, ob man in einer grösseren Gruppe oder zu zweit unterwegs ist: Der Wanderer muss seine eigenen – physischen, aber auch psychischen – Grenzen kennen und sich jederzeit im Gelände wohlfühlen, in dem er sich bewegt. Ist er überfordert, steigt das Unfallrisiko sofort. Müdigkeit oder Angst sind in den Bergen Gefahren. Sind diese augenfällig – etwa durch zunehmendes Stolpern oder Schweissausbrüche – und thematisiert sie der Betroffene nicht selbst, sollten seine Begleiter ihn unbedingt darauf ansprechen. Denn Experten stellen fest, dass wegen des Gruppendrucks ein Unwohlsein oft unausgesprochen bleibt – was besonders in den Bergen gefährlich ist.

Mit oder ohne Stöcke?

Stöcke können dem Wanderer eine wertvolle Stütze sein.
Stöcke können dem Wanderer eine wertvolle Stütze sein.
KEYSTONE/Gaetan Bally

Wanderstöcke entlasten im abschüssigen Gelände die Gelenke und die Oberschenkelmuskulatur. Bergauf kann der Wanderer damit seinen Oberkörper als zusätzlichen Schublieferanten einsetzen. Mit Stöcken kann der Berggänger zudem einfacher Balance halten.

Doch genau darin liegt auch der Nachteil dieser Gehhilfen. Setzt sie der Wanderer dauernd ein, verliert er sein natürliches Gleichgewichtsgefühl und belastet die Schultern sehr stark. Stöcke sollten also dosiert eingesetzt werden. Aus diesem Grund eignen sich vor allem sogenannte Teleskop-Stöcke, die sich zusammenschieben und am Rucksack festzurren lassen.

2 Kommentare
    Andreas Gisler

    Nichts gegen Papierkarten, aber ein Handy braucht keinen Empfang, um Karten anzuzeigen. Karten lassen sich auch herunterladen und können so auch im Flugmodus angezeigt werden. Mit Ortsangabe per GPS. Sehr praktisch, und das sage ich als jemand, der mit Kartenlesen aufgewachsen bin.