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Facebook unter DruckWerbeboykott soll Facebook Beine machen

Über neunzig Unternehmen wollen im Juli auf Facebook-Werbung verzichten. Die Plattform tue zu wenig gegen Hass-Posts und Rassismus.

Mark Zuckerberg sieht sich als CEO von Facebook immer wieder der Kritik ausgesetzt, er würde zu wenig Verantwortung übernehmen für das, was auf seiner Plattform geschieht.
Mark Zuckerberg sieht sich als CEO von Facebook immer wieder der Kritik ausgesetzt, er würde zu wenig Verantwortung übernehmen für das, was auf seiner Plattform geschieht.
Keystone

Kann man einen Giganten wie Facebook dazu bewegen, seine Spielregeln zu ändern, indem man ihm die Einnahmen abgräbt? Das versucht derzeit eine mächtige Allianz von Bürgerrechtsbewegungen. Sie ruft im Juli zum Werbeboykott auf – und immer mehr Unternehmen machen mit.

Der Grund für den Boykottaufruf: Facebook stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik, zu wenig gegen die Verbreitung von Hass auf seinen Plattformen zu tun, trotz aller Beteuerungen, sich zu bessern. Nun scheint in Folge der Tötung von George Floyd und den darauf folgenden Protesten der «Black Lives Matter»-Bewegung das Klima günstig, das Unternehmen unter Druck zu setzen.

Ein Ausfall bei Werbeeinnahmen soll Facebook beeindrucken

Zu den Initianten von #StopHateForProfit gehören traditions- und einflussreiche Bürgerrechtsgruppen aus den USA, allen voran die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) und die Anti Defamation League (ADL). Darüber hinaus engagiert sich mit der Mozilla Foundation (die unter anderem den Firefox-Webbrowser verantworten) ein Tech-Riese und mit Sleeping Giant eine Organisation, die es sich ursprünglich mal zur Aufgabe gemacht hat, das rechte Newsportal «Breitbart» in die Knie zu zwingen.

Der Ansatz ist denkbar simpel: Facebook machte 2019 knapp 70,7 Milliarden Dollar (rund 67 Milliarden Franken) Umsatz, der allergrösste Anteil, nämlich 98,5% davon, entfiel auf Werbeeinnahmen. Wenn nun genug Unternehmen keine Werbung mehr auf Facebooks Plattformen (Whatsapp und Instagram gehören ebenfalls zum Konzern) schalteten, würde dies den CEO Mark Zuckerberg vielleicht beeindrucken.

Der Boykottaufruf wurde am 17. Juni lanciert und hat mittlerweile ein grosses Echo hervorgerufen. Über neunzig Firmen schliessen sich bislang dem Protest an, darunter namhafte Unternehmen wie die Outdoor-Bekleider Arc’teryx, The North Face und Patagonia, die Messaging-App Viber, der Glacehersteller Ben & Jerrys sowie der Telecom-Riese Verizon.

Ist die Teilnahme am Boykott mehr als ein Feigenblatt?

Einige dieser Unternehmen wie Patagonia oder Ben & Jerry’s setzten bereits vorher auf gesellschaftliche und soziale Werte als Verkaufsargument. Und zumindest Arc’teryx und Patagonia deuten an, dass der Boykott auch länger dauern könnte als nur den Juli über.

Natürlich wirft eine derartige Aktion auch Fragen auf: Wird das Sistieren von Werbung von einigen Dutzend Unternehmen Facebook wirklich schmerzen? Wie wichtig ist Facebook diesen Firmen als Werbeplattform? Ist die Beteiligung an #StopHateForProfit mehr als nur ein opportunes Feigenblatt? Das werden die kommenden Tage und Wochen zeigen. Vielleicht ist es aber auch ein Signal an Facebook, das immer wieder mit unrühmlichen Schlagzeilen in der Öffentlichkeit steht (auch zuletzt wieder), dass es endlich mehr tun muss, um Hass und Anstachelung auf seinen Plattformen Einhalt zu gebieten.