Stadtratswahl-Podium

Wer soll die Stadt regieren?

Am Mittwoch fand das grosse Landbote-Podium im Casinotheater statt. Alle elf Kandidierenden der Stadtratswahlen diskutierten die brennendsten politischen Fragen rund um Winterthur. Lesen Sie hier die Zusammenfass des Abends und sehen sie nochmals die ganze Diskussionsrunde in voller Länge.

Das Podiumsgespräch wurde hier per Stream live übertragen. Sehen Sie die Diskussion nochmals in voller Länge.
Video: pd

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Heute Abend war die Gelegenheit, alle Kandidierenden für die Stadtratswahlen vom 4. März 2018 richtig kennen zu lernen. Der Landbote lud die vier Frauen und sieben Männer gemeinsam mit dem SRF Regionaljournal Zürich Schaffhausen zu einem Podium ins Casinotheater ein.

Das Protokoll eines ereignisreichen Abends:

Das Podium beginnt mit einer Vorstellungsrunde. Landbote-Chefredaktor Benjamin Geiger erklärt den 11 Kandidaten die Spielregeln. In alphabetischer Reihenfolge soll jeder Kandidat dem Publikum in einem Satz erklären, weshalb man gerade ihn in den Stadtrat wählen soll:

Jürg Altwegg (Grüne): «Vor einem Jahr wurde mir das Vertrauen entgegengebracht - ich bin somit noch ein Lehrling- es gibt keinen Grund einen Lehrling nicht weiterhin lernen zu lassen und damit nochmals zu wählen.»

Yvonne Beutler (SP): «Ich möchte mich weiterhin unabhängig und mit viel Energie dafür einsetzen, dass die Stadtfinanzen im Lot bleiben.»

Blerim Bunjaku (parteilos): «Es braucht engagierte, mutige Stadträte. Und ich bin einer, der in Vergangenheit diesen Mut gezeigt hat.»

Stefan Fritschi (FDP): «Ich bin seit acht Jahren im Stadtrat und glaube auch für die nächsten vier Jahre der richtige Mann für die technischen Betriebe zu sein.»

Nicolas Galladé (SP): «Ich möchte mich als Sozialvorsteher auch in den nächsten vier Jahren dafür einsetzen dass alle einen guten Platz in dieser Stadt haben - auch jene, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.»

Barbara Günthard-Maier (FDP): «Man darf mich gerne wählen, weil ich die Stadt Winterthur von Herzen gern habe und diese Stadt engagiert und mit Herzblut in die Zukunft führen möchte.»

Michael Künzle (CVP): «Ich bin von allen Kandidaten derjenige mit der grössten Erfahrung und denke damit in den letzten Jahren bewiesen zu haben, dass ich mich mit Herzblut für diese Stadt einsetze. »

Josef Lisibach (SVP): «Ich habe als Bauvorsteher wichtige Projekte, die ich gerne weiterführen möchte und denke auch in den letzten Jahren mit Sachpolitik wichtige, parteiübergreifende Kompromisse gefunden zu haben.»

Christa Meier (SP): «Mich sollte man wählen, weil ich unabhige, nachhaltige Politik betreibe - auf gesellschaftlicher, umweltpolitischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene.»

Annetta Steiner (GLP): «Ich fühle mich wie in den Aufstiegsspielen. Und nach 7 Jahren im Gemeinderat sehe ich mich deshalb befähigt sozusagen in den Stadtrat aufzusteigen. Mit ihrer Hilfe kann ich dies schaffen.»

Marc Wäckerlin (Piraten): «Mich sollte man wählen, weil ich im Gemeinderat viele politischen Erfahrungen sammeln konnte und auch bewiesen habe, dass ich mich anpassen kann. Ausserdem braucht es im Stadtrat einen Querdenker.»

Von Oscars, Medaillen und dem FCW als Super-Ligisten

Stehgreif-Rede: Bevor es in die harte politische Auseinandersetzung geht, folgt eine kleine Spielerei. Jeder Kandidat hat 60 Sekunden Zeit sich auf eine Rede über ein fiktives Winterthurer Thema vorzubereiten. Es geht lustig zu und her.

Die Kandidaten freuen sich über Winterthurer Oscar-Gewinne, Olympia-Medaillen, Bruderhaus-Bären, eine autofreie Stadthausstrasse, den Aufstieg des FCW in die Super League und andere hypothetische Winterthurer Ereignisse. Stadtpräsident Mike Künzle kriegt in mehreren Reden durch mehr oder weniger subtile Hinweise auf seinen Körperumfang im wahrsten Sinne des Wortes sein Fett weg.

Winterthur und Zürich

Als nächstes steht eine Diskussions-Runde mit den 3 Stadtpräsidentschaftskandidaten an. Annetta Steiner, Christa Meier und Mike Künzle erklären, weshalb sie die richtigen sind, um Winterthur in die Zukunft zu führen. Zuerst wird der Vergleich mit dem grossen Nachbar, der Stadt Zürich gezogen. Was hat Zürich Winterthur voraus? Weshalb sind wir nicht die Nummer eins im Kanton?

Für Michael Künzle hat Zürich nur einen Vorteil – den See. Christa Meier findet, dass Winterthur wieder grössen denken und sich von der rigorosen Sparpolitik verabschieden sollte. Annetta Steiner hingegen, will nicht zu fest auf den grossen Nachbarn schauen. Winterthur sollte seinen eigenen Weg gehen, findet die Grünliberale.

Visionen für die Zukunft?

Die Kandidierenden werden nach ihren Visionen für das Winterthur der Zukunft befragt. Winterthur habe bereits sehr gute Voraussetzungen findet Annetta Steiner. Damit dieses Potenzial ausgeschöpft werde, brauche es jedoch neues Denken und auch den Mut neues zu wagen. «Eine Spur kultiger», müsse Winterthur dafür noch werden, meint die Grünliberale.

Der amtierende Stadtpräsident Michael Künzle will den langfristigen Blick nicht aus den Augen verlieren und sich von kurzfristigen Gegebenheiten nicht zu fest beeinflussen lassen. Die Finanzen gelte es im Auge zu behalten und die Standortattraktivität hoch zu halten. Auch moderne Technologien sind für den Stadtpräsidenten ein wichtiges Stichwort.

Damit Winterthur vorankomme, müsse man attraktiv sein als Arbeits- und Wohnstadt, findet Christa Meier schliesslich. Die Leute müssten gerne hierher kommen und hier bleiben. Um dies zu erreichen, braucht vor allem es ein gutes Bildungs- und Kulturangebot, sagt die Kandidatin der SP. Es dürfe nicht am falschen Ort gespart werden.

Finanzen, Schule und Energie

Nun übernimmt Marc Leutenegger, der Leiter der Landbote-Stadtredaktion die Gesprächsleitung. Mit Stefan Fritschi, Blerim Bunjaku, Yvonne Beutler und Jürg Altwegg diskutiert er die Themen Finanzen, Schulen und Energie. Bunjaku beginnt gleich mit einer Breitseite in Richtung Fritschi. An gewissen Winterthurer Schulen herrschten Zustände wie in einem Drittweltland, meint er in Richtung des ehemaligen Schulvorstehers. Dieser verteidigt seine Pavillon-Politik der vergangenen Jahre und meint, das wichtigste sei ohnehin die Schüler/Lehrer Beziehung und nicht die Infrastrukur.

Sein Nachfolger im Schuldepartement Jürg Altwegg räumt derweil ein, mit der angekündigten Tierpräparate-Entfernung etwas forsch gehandelt zu haben in seinen ersten Amtstagen. Man dürfe jedoch Fehler begehen, solange man diese wieder korrigiere.

Danach wird das gestoppte Wärmeverbund Aquifer-Projekt thematisiert. Es sei richtig gewesen, dort die Notbremse zu ziehen, meint Fritschi. Der grüne Jürg Altwegg, lässt sich keine Kritik an seinem Kollegen entlocken. Klar sei jedoch, dass auf irgendeinem Weg der CO2-Ausstoss massiv eingedämmt werden müsse. Yvonne Beutler plädiert vor allem für einen sparsamen Umgang mit den vorhandenen Energien. Sie selber gehe mit gutem Beispiel voran und friere in ihrem Büro permanant, witzelt die Finanzvorsteherin.

Sicherheit, Sozialhilfe und der Verkehr

Nadine Markwalder vom SRF übernimmt die Leitung der nächsten Diskussionsrunde. Zusammen mit Nicolas Galladé, Barbara Günthard-Maier, Josef Lisibach und Marc Wäckerlin thematisiert sie die Themen Sicherheit, Sozialhilfe und Verkehr.

Sozialvorsteher Galladé sieht seine Stadt auf dem richtigen Weg beim Winterthurer Jihadismus-Problem und glaubt sogar, dass Winterthur in Sache Prävention eine schweizweite Vorreiter-Rolle einnimmt.

Polizeivorsteherin Günthard-Maier, lobt ihre Beamten und sieht Winterthur als sicherste Stadt der Schweiz. Derweil streiten Josef Lisibach und Marc Wäckerlin über den Einsatz von Überwachungskameras. Wäckerlin will nicht, dass sich Teenies bei ihrem ersten Kuss filmen lassen müssen, während Lisibach doch lieber saubere Unterführungen ohne Graffitis haben möchte.

Beim Thema Verkehr sind sich eigentlich alle darüber einig, dass der öffentliche Verkehr ausgebaut werden sollte - wie man gleichzeitig beim Individualverkehr vorgeht, darüber scheiden sich jedoch die Geister. Lisibach verteidigt seine Pläne zur leichten Erhöhung der Gewerbeparkplätze. Das brauche es um den Arbeitsplatzstandort Winterthur für Arbeitgeber attraktiv zu halten.

Abschlussrunde

In der Abschlussrunde bleibt es den Zuschauern vorbehalten, den Kandidaten die letzten pointierten Fragen zu stellen. Auf Bierdeckeln wurden diese während des Podiums notiert und werden nun von Benjamin Geiger vorgelesen. Exemplarisch zwei Beispiele:

Jürg Altwegg - wie lange wollen Sie denn im Stadtrat Lehrling bleiben?

«Ich gebe mir ein Jahr um mich richtig einzuarbeiten. Ich denke, es ist besser sich erst alles anzusehen und Missstände aufzudecken, bevor man in Aktionismus verfällt. Deshalb: Im Jahr eins - Zusehen. Im Jahr zwei: Dreinschlagen.»

Yvonne Beutler - welches Buch, hat Sie zuletzt inspieriert?

«Da kann ich mit einer eher ungewöhnlichen Antwort aufwarten. Ich lese momentan ein Buch über Strickmuster. Unglaublich, was es alles gibt und wie kompliziert manches ist. Das ist wirklich inspirierend.»

Schlussplädoyers

Schlussendlich darf jeder Kandidat seine Wahlbotschaft nochmals kurz und prägnant zusammenfassen, bevor ein ereignisreicher, informativer Anlass sein Ende findet. Lesen Sie weitere Hintergründe über das Podium morgen auf www.landbote.ch oder in unserer Printausgabe.

HIER geht es zur kompletten Wahlbeilage zu den Stadtrats-und Gemeinderatswahlen vom 4. März.

Online-Videos, Porträts und Kommentare finden Sie zudem unter stadtratswahl.landbote.ch

(huy)

Erstellt: 01.02.2018, 07:54 Uhr

Winterthurer Stadtratswahlen 2018

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