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Südsee und Corona«Wer negativ ist, kann ruhig reisen»

Hansjörg Hinrichs, Gründer der Pacific Society, über leere Hotels und Bora-Bora zu Corona-Zeiten.

Blick aus dem Flugzeug auf Bora-Bora: Das zu Französisch-Polynesien gehörende Atoll ist Corona-frei und derzeit für Touristen bereisbar.
Blick aus dem Flugzeug auf Bora-Bora: Das zu Französisch-Polynesien gehörende Atoll ist Corona-frei und derzeit für Touristen bereisbar.
Foto: Getty

Der Gründer des Südsee-Spezialisten Pacific Society kehrte mit guten Erfahrungen aus Französisch-Polynesien nach Appenzell zurück. Doch Hansjörg Hinrichs sorgt sich um seine Geschäftspartner, die wegen Covid-19 vor dem Nichts stehen.

Weshalb reisten Sie im Herbst trotz weltweiter Pandemie nach Französisch-Polynesien?

Ich wollte ein Zeichen setzen und in einem Selbsttest erfahren, wie sich das Reisen unter den neuen Gegebenheiten anfühlt. Und ich wollte Erfahrungen gewinnen, um die Kundschaft kompetent zu beraten.

Wie ist die Südsee aktuell bereisbar?

Momentan ist nur Französisch-Polynesien offen. Dort sind Schutzmassnahmen in Kraft, wie wir sie kennen: Maskenpflicht, Abstand.

Und wie fielen die Reiseerfahrungen aus?

Unerwartet positiv, die Hürden waren kleiner als prognostiziert. Ich reiste mit einem aktuellen negativen Covid-19-Test ein, wurde nochmals getestet und musste die Koordinaten meiner Stationen angeben, konnte mich aber frei bewegen. Ich flog alle wichtigen Inseln an wie das komplett Corona-freie Marquesas und Bora-Bora.

Wie ist die Stimmung auf der andern Seite der Weltkugel?

Die Leute freuen sich über die wenigen Touristen. Ich empfand das Reisen als sehr entspannt und wohltuend langsam.

Hansjörg Hinrichs, Gründer des Südsee-Spezialisten Pacific Society.
Hansjörg Hinrichs, Gründer des Südsee-Spezialisten Pacific Society.
Foto: PD

Wie überstehen die Menschen, die vom Tourismus leben, die Krise?

Viele kleine Firmen mussten bereits schliessen. Auf den abgelegenen Inseln gehen Einzelunternehmer wie etwa Vermieter von Booten oder Pferden zurück zur Landwirtschaft oder Fischerei. Ein Touristiker sagte mir, es fühle sich an wie tiefe Nebensaison, dabei wäre jetzt der Beginn der Hauptsaison.

Wie wichtig ist der Tourismus für Französisch-Polynesien?

Auf den grossen Inseln wie Bora-Bora, Tahiti oder Moorea stellt er die Haupteinnahmequelle dar. Dort sind die meisten Hotels aktuell geschlossen, man wähnt sich manchenorts wie in einer Geisterstadt.

Spüren Sie noch Interesse für die Südsee?

Wir haben Gäste, die im Dezember abreisen, und Buchungen für das nächste Jahr. Aber generell warten die Leute ab. Für Mai haben wir eine Gruppenreise nach Tahiti ausgeschrieben, da besteht reges Interesse. Ich rechne damit, dass sich die Situation ab der zweiten Hälfte 2021 normalisiert aufgrund der Impfungen und weil man lernt, mit dem Virus zu leben und zu reisen.

Wie flogen Sie nach Tahiti?

Mit Air Tahiti Nui von Paris über Vancouver. So entfiel das komplizierte Einreiseprozedere in den USA. Ab Paris dauerte die Reise zweimal achteinhalb Stunden.

Sollte man in der Pandemie überhaupt Fernreisen unternehmen?

Wer negativ ist, kann ruhig reisen. Das Risiko, sich im Ausland anzustecken, ist kleiner als jenes in der Schweiz. Am Schluss hängt alles vom persönlichen Verhalten ab. Ich verstehe Reisen auch als Akt der Solidarität. Wir können Leute unterstützen, denen es schlechter geht als uns und die auf den Tourismus angewiesen sind.

Wird Ihr Unternehmen die Pandemie überstehen?

Ich bin überzeugt von unserem Geschäftsmodell: Reisen in kleinen Gruppen unter Einhaltung hoher Hygiene-Standards, weitab der Massen.

www.pacificsociety.ch