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BookmarkWenn selbst der Papst dieses Buch empfiehlt

Ein Virus krempelt die Ordnung um. Der Staat, vielerorts als Bürokratiemonster verschrien, das auch noch Steuern dafür verlangt, wird zum Retter in der Not. Da kommt ein Buch gerade zur richtigen Zeit.

Für das Nachdenken über die wirtschaftliche Zukunft empfiehlt Papst Franziskus das Buch «Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern» der italienisch-amerikanischen Ökonomin Mariana Mazzucato.
Für das Nachdenken über die wirtschaftliche Zukunft empfiehlt Papst Franziskus das Buch «Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern» der italienisch-amerikanischen Ökonomin Mariana Mazzucato.
Keystone

So viel Ehre ist der Ökonomenzunft wohl noch kaum vom Heiligen Stuhl zuteil geworden. In einem Brief, der letzte Woche vom Vatikan bekannt gegeben wurde, stellt sich Papst Franziskus hinter die Massnahmen, die Regierungen in aller Welt zur Eindämmung des Corona-Virus verhängt haben. Sie dienten dem Gemeinwohl, so Franziskus, auch wenn sie ein wirtschaftliches Desaster bedeuteten. Der Papst betont in dem Schreiben aber auch, dass es schon jetzt wichtig sei, «über das Hinterher nachzudenken». Für dieses Nachdenken über die wirtschaftliche Zukunft empfiehlt er das Buch «Wie kommt der Wert in die Welt? Von Schöpfern und Abschöpfern» der italienisch-amerikanischen Ökonomin Mariana Mazzucato. «Ich glaube, das hilft, um sich die Zukunft vorzustellen.»

Mazzucatos Buch erschien 2018 auf Englisch, die deutsche Ausgabe kam im Frühjahr 2019 auf den Markt und wurde auch in diesem Medium besprochen.

Die Professorin für Innovationsökonomie und Public Value am University College London sieht das Übel darin, dass der Staat kleingeredet wird durch eine Wirtschaft, die die Wertschöpfung nur noch über die Preise von Dienstleistungen und Produkten definiert.

Wie kommt es, dass in den USA das reale Bruttosozialprodukt sich in den letzten vierzig Jahren um 60 Prozent erhöhte, der reale Stundenlohn der Mehrzahl der Amerikaner aber stagnierte? Seit fast vier Jahrzehnten «streicht eine winzige Elite nahezu alle Gewinne aus dieser expandierenden Wirtschaft ein. Sollte das etwa daran liegen, dass diese Elite aus besonders produktiven Mitgliedern besteht?».

Mazzucato stochert in allen Bereichen nach der wahren oder eben falschen Wertschöpfung. Warum verlangt die Hightechindustrie im Namen der Innovation weniger Staat und weniger Steuern, obwohl vor allem in den USA ein Grossteil der smarten Technologie von öffentlichen Einrichtungen finanziert wurde? Warum gelten die Banken und ihre exzessiv bezahlten Topmanager als Wertschöpfer, obwohl sie die Welt 2008 beinahe in den Abgrund geritten haben?

Und heute, zwei Jahre nach Erscheinen des Buches: Die Staaten in Europa und in den USA pumpen im Kampf gegen die Pandemie extrem viel Geld in die Wirtschaft, um sie am Leben zu erhalten. Kaum ein Wirtschaftssektor schreit nicht nach staatlicher Hilfe. Es sind just diese Staaten, die zuvor von den falschen Wertschöpfern systematisch mit exotischen Steuerkonstrukten ausgetrickst worden sind.