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Miniaturen des AlltagsWeniger Plastik dank Corona

Was sonst taugt, hilft jetzt nicht weiter im Kampf mit einem kleinen Säckchen.

Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Illustration: Olivier Samter

Es geht erneut um Corona und die Gesichtsmasken. Lesen Sie trotzdem weiter, es wird tollpatschig. Vielleicht finden Sie sich auch in dieser Episode wieder, weil das Folgende in diesen Zeiten wirklich alltäglich ist. Einkauf im Supermarkt, das übliche Prozedere am Eingang: Hände und Griff des Poschtikorbs desinfizieren. Sollen nur alle sehen, wie gewissenhaft ich das mache. Bei dem, was nachher passiert, wünsche ich mir das eher nicht. Die Hände sind vom vielen Einsprayen mit den scharfen Mitteln schon völlig ausgetrocknet. Sie haben in diesem Jahr mehr Alkohol verarbeiten müssen als meine Leber.

Dann beginnt mein ungeschickter Lauf am Obststand. In die Plastiktüte sollen vier Mandarinen. Mit Daumen und Zeigefinger versuche ich eine Öffnung ins Säckchen zu rubbeln. Vergeblich, zu trocken sind die Kuppen, sie rutschen hilf- und erfolglos am glatten Material ab. Instinktiv führe ich die Hand zum Mund, um die Finger zu benetzen. Sie stossen an die Gesichtsmaske. Ich fluche leise. Höre ich Lachen? Beobachtet mich jemand? Nein, also dann der nächste, ebenso routinierte Schritt. Ich will mit Blasen die hauchdünne Folie teilen, bis sich der Sack aufbläht. Fehlanzeige, einzig das Papier vor dem Mund wölbt sich.

Das Runde muss ins widerspenstige Hauchdünne.
Das Runde muss ins widerspenstige Hauchdünne.
Foto: Christian Dietz-Saluz

Nun ziehe ich mit beiden Händen am Säckchen. Zunächst sanft, dann mit steigendem Kraftaufwand – bis es reisst. Nächster Sack, gleiches Resultat. Nach dem dritten Versuch sehe ich schon den von mir verursachten Plastikteppich im Ozean treiben. Bevor auch Nummer vier zerstört wird, besinne ich mich einer besseren Lösung. Die Früchte kommen halt ohne Sack auf die Waage, die Preisetikette klebe ich auf die Schale. Na also, geht doch! Wozu Plastiksäcke? Wieder was für die Umwelt gemacht – trotz, oder besser gesagt, wegen Corona. Nächstes Mal von Anfang an ohne Säckchen.