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Coronavirus und SchutzmaskenWelche Maske bietet wie viel Schutz?

Eine neue Studie untersucht, wie gut verschiedene Maskentypen die Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen zurückhalten. Eine Übersicht zu den wichtigsten Fragen beim Maskentragen.

Eine Frau trägt in einem italienischen Club eine Maske.
Eine Frau trägt in einem italienischen Club eine Maske.
Foto: Getty Images

Einmal kräftig niesen, und man versprüht eine Wolke von Tröpfchen unterschiedlichster Grösse. Diese Wolke kann sich in geschlossenen Räumen, je nach Lüftungsverhältnissen, bis zu 7 Meter weit verbreiten. Bei einer Hustenattacke können es bis zu 4 Meter sein. Das zeigt eine neue Studie von US-Forschern, die am Dienstag erschienen ist.

Im Labor visualisierten die Ingenieure der Florida University, wie sich die Tröpfchenwolke ohne Maske und mit verschiedenen Maskentypen in der Umgebungsluft verbreitet. Dabei untersuchten sie auch selbst gemachte Masken. Den Test führten sie mit einem Bandana, einem gefalteten Taschentuch, einer mehrlagigen Stoffmaske und einer konisch geformten Hygienemaske durch – also alles Masken, die der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Alle Masken boten Schutz, aber in unterschiedlichem Mass. Weil all diese Maskentypen nicht luftdicht verschliessen, traten im Nasen- und Kinnbereich und an der Seite noch Tröpfchen aus. Je nach Maskentyp drangen auch noch feinste Tröpfchen durch die Maske nach aussen. Alle Masken reduzierten die Menge der ausgestossenen Tröpfchen aber deutlich und verringerten – unterschiedlich stark – die Verteilung der Tröpfchen nach einem kräftigen Husten im Raum.

Auch lautes Sprechen oder Singen fördert den Ausstoss von Tröpfchen.

Die Science-Taskforce des Bundes hat in einem Bericht vor kurzem analysiert, wie sich die Tröpfchen unterschiedlichster Grösse im Raum verbreiten. Lange Zeit unterschied man zwischen Tröpfchen und Aerosolen. Als Aerosole gelten Tröpfchen, die kleiner sind als 0,005 Millimeter Durchmesser. Die grösseren Tröpfchen fallen nach 1,5 bis 2 Metern zu Boden. Die leichteren Aerosole können sich weiter verbreiten.

Diese in Studien häufig gemachte Unterscheidung sei so heute aber nicht mehr haltbar, schreibt die Taskforce. Man habe vernachlässigt, dass der gesamte Ausstoss beim Niesen oder Husten eine Wolke forme, in der sich Tröpfchen unterschiedlicher Grösse in geschlossenen Räumen verteilen könnten, weil die Wolke die Feuchtigkeit besser zusammenhalte. Nicht nur Husten und Niesen produzieren diesen Tröpfchenschwall, auch lautes Sprechen oder Singen fördert den Ausstoss. Weil die Menge der Viren bei einer möglichen Ansteckungssituation ebenfalls eine Rolle spielt, helfen alle Massnahmen, die die herausgeschleuderte Tröpfchenmenge verringern.

Nach einem Hustenstoss kann sich die Tröpfchenwolke innerhalb von 50 Sekunden auf bis zu 4 Meter ausdehnen, wie die Visualisierungen der US-Forscher demonstrierten. Die Wolke blieb dann in unbewegter Luft rund drei Minuten am Ort stehen.

So verbreitet sich die Tröpfchenwolke ohne Maske beim Husten, 3 feet enstprechen 1 Meter.
So verbreitet sich die Tröpfchenwolke ohne Maske beim Husten, 3 feet enstprechen 1 Meter.
Foto: Universität Florida

Am schlechtesten halten die Bandanas die Tröpfchenlawine zurück. Bandanas sind schlauchartige Halstücher, die man bis zur Nase ziehen kann. Das ist wenig erstaunlich, da sie nur eine dünne Schicht Stoff haben und meist sehr locker sitzen. Die Bandanas konnten nur einen Teil des Ausstosses aus Mund und Nase überhaupt zurückhalten. Allerdings bremsten sie den Tröpfchenschwall stark ab, er kam nur noch ungefähr 18 Zentimeter weit.

Eine selbst gemachte Maske aus einem grossen gefalteten Stofftaschentuch konnte den Tröpfchenschwall beim Husten ebenfalls und noch etwas besser abbremsen. Zwar gelangten noch immer Tröpfchen durch die Maske, aber sie verbreiteten sich nur noch wenige Zentimeter vor dem Maskenträger, weil ihnen die Wucht des Ausstosses fehlte. Die Taschentuchmaske liess auch auf den Seiten und oben relativ viele Aerosole hinaus.

Eine ziemlich gute Schutzwirkung bewies eine doppellagige, genähte Stoffmaske. Kaum noch Tröpfchen drangen vorne durch den Stoff. Im Nasenbereich traten jedoch Aerosole aus. Ähnliche Resultate zeigte die konisch geformte Hygienemaske. Die ausgetretenen Aerosole blieben mehr oder weniger direkt vor dem Gesicht stehen.

Der Test mit einer Stoffmaske: Auf dem Bild ganz links sieht man, dass der abgebildete Bereich vor der Maske nur 5 Zentimeter misst. Die Tröpfchen werden stark abgebremst und der grösste Teil zurückgehalten.
Der Test mit einer Stoffmaske: Auf dem Bild ganz links sieht man, dass der abgebildete Bereich vor der Maske nur 5 Zentimeter misst. Die Tröpfchen werden stark abgebremst und der grösste Teil zurückgehalten.
Fotos: PD

Die Masken bieten alle keinen vollständigen Schutz vor einer Ansteckung. Aber sie helfen gegen die Ausbreitung des Virus in Kombination mit den weiteren Massnahmen wie Abstandhalten und Hygiene.

Welche Maskentypen gibt es?

- Die FFP2- und FFP3-Masken verwendet das Gesundheitspersonal. Sie filtern die Luft beim Einatmen und schützen am besten vor einer möglichen Ansteckung. Für die Allgemeinbevölkerung sind die Masken nicht geeignet.

- Hygienemasken oder chirurgische Masken (Typ II und IIR) sind Masken aus Vlies, die das Gesundheitspersonal auch nutzt, wenn die Ansteckungsgefahr in Situationen nicht akut ist. Jeder und jede kann sie im Alltag in Situationen tragen, wo das Abstandhalten nicht möglich ist. Sie bilden auch eine schützende Barriere vor grösseren Tröpfchen, die andere beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstossen.

- Stoffmasken gibt es inzwischen auch in unterschiedlichen Varianten und Farben zu kaufen. Die Empa hat im April zusammen mit der Schweizer Textilbranche mehrlagige Stoffmasken entwickelt, die das Label Testex tragen. Sie bieten ähnlichen Schutz wie die Hygienemasken.

- Aus einem gefalteten grossen Taschentuch kann man mithilfe von zwei Gummibändern eine provisorische Stoffmaske herstellen. Sie schneidet in Tests allerdings schlechter ab als genähte Stoffmasken.

Wie trägt man die Maske am besten?

Wichtig ist, dass die Maske immer Mund, Nase und Kinn bedeckt. Sie sollte eng am Gesicht anliegen. Viele Masken haben an der oberen Kante einen dünnen Metallstreifen. Den sollte man beim Anziehen über dem Nasenrücken so anpassen, dass die Maske gut sitzt. Eine Anleitung findet man hier.

Worauf sollte man beim Anziehen achten?

Vor dem Anziehen möglichst die Hände waschen. Die Maske immer nur an den Bändern und der oberen Kante über der Nase berühren. Wichtig ist dies vor allem, wenn man die Maske bereits trägt oder ausziehen möchte. Beim Ausziehen darauf achten, dass man die Oberfläche der Maske nicht berührt. Will man die Maske wiederverwenden, sollte man sie so zusammenfalten, dass sich Innen- und Aussenseiten nicht berühren.

Kann man Masken wiederverwenden?

Stoffmasken sollte man bei mindestens 60 Grad in der Waschmaschine waschen. Dann kann man sie mehrfach verwenden. Hygienemasken sind nur für die einmalige Verwendung gedacht, vor allem wenn man sie mehrere Stunden getragen hat. Ist die Maske durchgefeuchtet, sollte man sie ersetzen. Mit Desinfektionsmitteln darf man die Maske nicht reinigen oder besprühen, weil das die Maske schädigt.

Wo bekomme ich Masken?

In der Schweiz herrscht kein Mangel an Masken mehr. Die Grossverteiler verkaufen Schachteln mit Hygienemasken oder auch einzelne Stoffmasken.