Bezirksgericht

Wegen möglichem Stalker gerast

Auf der Umfahrungsstrasse bei Neftenbach drückte eine Autolenkerin derart auf Gaspedal, dass sie 74 Stundenkilometer zu schnell fuhr. Das Gericht bestrafte sie mit 15 Monaten Gefängnis bedingt.

Ort der Geschwindigkeitsübertretung.


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80 Stundenkilometer hätte sie fahren dürfen, mit fast der doppelten Geschwindigkeit war sie unterwegs. Die 32-jährige Italienerin aus der Region Winterthur musste sich deshalb gestern vor dem Bezirksgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihr eine «qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln» vor. Der Gerichtspräsident deutschte die juristischen Fachbegriffe aus: «Es handelt sich um ein ganz schweres Vergehen.»Passiert ist es am vergangenen 18. März, abends um etwa 17.30 Uhr. Die Beschuldigte fuhr ausserorts mit 159 Stundenkilometern auf der Schaffhauserstrasse bei Neftenbach in Richtung Andelfingen. Die Strasse war nass, es regnete leicht. Beim Parkplatz der Mosaik-Kirche der Chrischona-Gemeinde wurde sie von der Kantonspolizei geblitzt.

Ob sie im Zeitdruck gewesen sei, wollte der Gerichtspräsident wissen. Die Beschuldigte verneinte. Sie habe bei der Rosenberg-Tankstelle Geld abheben wollen und nicht realisiert, wie schnell sie fuhr. Erst nach dem Anruf der Polizei sei es ihr klar geworden. Ein Grund könnte ein Stalker gewesen sein, der sie vor ein paar Wochen verfolgt hatte. «Ich dachte, es ist wieder so weit, er verfolgt mich», sagte sie vor Gericht. Auf Nachfrage gab sie an, die Person nicht gekannt zu haben.

Der Gerichtspräsident machte deutlich, dass der Bremsweg bei einer derart überhöhten Geschwindigkeit überproportional anwächst. Bei 154 Stundenkilometern verlängert er sich auf 170 Meter, währenddem er bei den erlaubten 80 Stundenkilometern 57 Meter lang ist. «Sie hätten jederzeit jemanden verletzen oder sogar töten können», sagte er. Sie habe in jenem Moment «null Gefahr» gesehen, erwiderte sie. Auch sei sie in keiner Weise abgelenkt gewesen.

Abgekürztes Verfahren

Weil die Beschuldigte geständig ist und sich mit der Staatsanwaltschaft auf ein Strafmass einigen konnte, kam das sogenannte abgekürzte Verfahren zur Anwendung. Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Gefängnisstrafe von 15 Monaten mit einer Probzeit von zwei Jahren gefordert. Diesem Antrag ist das Gericht auch gefolgt.

Man könne ihr zugutehalten, dass sie von Anfang an geständig gewesen sei, sagte der Richter. Und dass keine konkrete Gefahr für andere bestanden habe. Es sei auch das erste Mal, dass sie mit den Strafverfolgungsbehörden in Kontakt gekommen sei. «Ich gehe davon aus, dass Ihnen das als Lehre genügt», sagte er. «Ganz sicher», antwortete die Beschuldigte, die ihren Fahrausweis bereits für zwei Jahre abgegeben hatte. Das kostete sie kurze Zeit später die Stelle. Welche Zukunftspläne sie denn jetzt habe, wollte der Richter wissen. «Einen Job finden und zwei Jahre durchbeissen.» (Landbote)

Erstellt: 30.08.2017, 16:50 Uhr

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