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TribüneWas und wie esse ich

Eine Kolumne von Berthold W. Haerter, Pfarrer in Oberrieden.

Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Die Woche aus Sicht von bekannten Persönlichkeiten.
Illustration: Olivier Samter

Am Beginn der Bibel wird eine Geschichte erzählt, wie das Leben früher einmal gewesen sein könnte. Sie wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. in Babylon aufgeschrieben und ist ein «Dialog zwischen religiöser Tradition und naturwissenschaftlichen Kenntnissen.» (K. Schmid)

Man staunt, wie viel Ahnung über die Entstehung des Lebens schon damals vorhanden war. Die Wissenschaftler hatten aber ein denkerisches Problem: Gott als Auslöser der Schöpfung musste eine gute und friedliche Welt gewollt haben. (Für uns Christen wird das später durch Jesus Christus bestätigt.) Also kann Gott nicht gewollt haben, dass man Lebewesen tötet. Die Israeliten selbst töteten und assen Tiere. Aber das konnte nicht Gottes Absicht gewesen sein.

Sie schlussfolgerten, dass Gott dem Menschen zunächst nur vegetarische Nahrung zugedacht hatte: «Seht, ich gebe euch alles Kraut auf der ganzen Erde, das Samen trägt, und alle Bäume, an denen samentragende Früchte sind. Das wird eure Nahrung sein.» Im Kurzschlussverfahren könnten wir daraus schlussfolgern, dass Menschen eigentlich Vegetarier sein müssen. Aber wir wissen, dass dem Menschen ohne Fleisch etwas fehlt. Wir reden zum Beispiel vom Mangel an Vitamin B12.

Beim Nachdenken komme ich zu zwei Erkenntnissen. Zum einen verzichten Vegetarier auf Gewalt. Die Tiere sind unsere Schwestern und Brüder, zu denen wir emotional eine besonders enge Verbindung haben. Wenn ich kein Fleisch esse, muss man für mich keine Tiere töten.

«Was machen wir dann mit den männlichen Kühen, die es ja auch gibt? Können wir es uns leisten, alle ein Leben lang durchzufüttern, ohne sie zu nutzen?», fragt aber ein Tierethiker. Also, meine zweite Überlegung: Ich muss und darf wohl Fleisch essen, aber nicht in Massen, sondern in Ma(a)ssen, nicht billig produziert, sondern mit dem Wissen, dass die Tiere wesensgemäss leben konnten. Dies lässt mich aufmerksamer einkaufen und dankbarer für mein tägliches Essen sein, gegenüber Gott und gegenüber denen, die es erzeugen.

Berthold W. Haerter, Pfarrer, Oberrieden.
Berthold W. Haerter, Pfarrer, Oberrieden.
Foto: PD