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Geldblog: Wasserstoff-AktienWas Sie zu diesem Megatrend wissen müssen

Warum der Hype um die Zukunftsenergie für Anleger riskant ist – und alternative Anlagetipps.

Beim Wasserstoff-Hype ist noch nicht absehbar, welche Titel das Rennen machen: Brennstoffzellenzug von Alstom.
Beim Wasserstoff-Hype ist noch nicht absehbar, welche Titel das Rennen machen: Brennstoffzellenzug von Alstom.
Foto: Arne Dedert (Keystone)

In diversen Artikeln wird Wasserstoff als Energie der Zukunft beschrieben. Dabei werden Shell als Wasserstoff-Tankstellenbetreiber, Toyota als Hersteller von mit Wasserstoff betriebenen Gabelstapler und Alstom genannt, welche auf Züge mit dieser Technologie umsteigt. Auch Nikola im Bereich LKW und Nel Hydrogen werden immer wieder genannt. Wie schätzen Sie die Zukunftschancen in diesem Bereich ein? Leserfrage von G.M.

Unter Anlegerinnen und Anlegern ist Wasserstoff momentan ein grosses Thema und ich sehe darin auch einen Megatrend. Allerdings hat das riesige Interesse vieler Investoren dafür gesorgt, dass die Aktienkurse von vielen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Unternehmen bereits sehr stattliche Bewertungen erreicht haben. Bei einigen dürften die Bewertungen völlig übertrieben sein. Schon vor 20 Jahren kam es in diesem Segment nach einem Boom zum Absturz.

Für mich ist aber klar, dass in den nächsten Jahren in diesem Segment ein Markt entsteht. Anwendungsmöglichkeiten gibt es für Wasserstoff als Energieträger und für Brennstoffzellen in der Wirtschaft viele. Im Verkehrssektor dürfte sich der Wasserstoff wahrscheinlich vor allem bei Lastwagen durchsetzen. Hier steht das Unternehmen Nikola im Fokus der Anleger. Wegen der spektakulären Pläne zur Einführung von Lastwagen in den USA sind die Nikola-Aktien zeitweise durch die Decke gegangen. Der Verzicht des US-Autobauers GM auf einen Anteil an Nikola hat die Aktien allerdings korrigieren lassen. Auch sorgt Nikola selbst immer mal wieder für negative Schlagzeilen und nach Betrugsvorwürfen, die das Unternehmen zurückweist, für ein ungutes Gefühl bei manchen Investoren.

Die Nutzung von Wasserstoff für Lastwagen ist aber auch für Hyundai ein grosses Thema. Der südkoreanische Fahrzeughersteller erhofft sich, schon bald 1000 seiner Lastwagen in Europa ausliefern zu können. Nach einer Etablierung von Wasserstoff im Verkehrssektor dürfte die Energie auch in der Industrie auf eine stärkere Nachfrage stossen. Ob sich Wasserstoff für Personenwagen und Lastwagen durchsetzt, hängt davon ab, wie rasch die Betankungsinfrastruktur ausgebaut wird. Es dürfte wohl noch einige Jahre dauern, bis es in grosser Zahl Betankungsmöglichkeiten in ganz Europa gibt. Sobald aber genügend Wasserstoff-Tankstellen vorhanden sind, dürfte der breiten Einführung einer Brennstoffzellen-Fahrzeugflotte wenig im Wege stehen.

Wie bei jedem Megatrend ist es extrem schwierig, die richtigen Aktien auszuwählen.

Bereits wird in einigen Ländern unter Federführung von Royal Dutch Shell, Linde und Nel ASA das Tankstellennetzwerk ausgebaut. Interessant finde ich in diesem Kontext, dass nicht nur grosse Ölfirmen wie Royal Dutch das Wasserstoff-Geschäft forcieren, sondern auch der russische Gasgigant Gazprom. Der Konzern produziert bereits 360´000 Tonnen Wasserstoff jährlich und plant mehrere neue Wasserstoff-Projekte. Chancen sehe ich für Wasserstoff auch im Zugverkehr, zumal es bereits Brennstoffzellenzüge von Alstom gibt.

Wie bei jedem Megatrend ist es extrem schwierig, die richtigen Aktien auszuwählen. Zwar könnten Sie Einzeltitel wie Ballard Power, Nel ASA, Linde, Power Cell, Alstom, Nikola und viele mehr kaufen. Erstens habe Sie keine Garantie, dass Sie langfristig auf die richtigen Titel gesetzt haben und zweitens sind die Risiken bei vielen kleinen Anbietern, die sich in dem Segment tummeln, hoch. Einige werden den Durchbruch nie schaffen, andere zu Stars werden. Wie bei den Anfängen des Internets Ende der 1990er-Jahre sehe ich bei Wasserstofftiteln einen Hype. Da muss sich zuerst noch die Spreu vom Weizen trennen, was für Privatanleger gefährlich ist.

Darum würde ich nicht auf riskante Einzeltitel, sondern auf Fonds oder Exchange Traded Funds ETF setzen, die auf erneuerbare Energien – darunter auch Wasserstoff – setzen. Bei Beispiel dafür ist der iShares Global Clean Energy UCITS ETF, der weltweit in 30 Unternehmen im Sektor der sauberen Energie investiert und damit eine breite Diversifikation ermöglicht. Einzeltitel wie Ballard Power, Nel ASA oder Nikola erachte ich als hochspekulativ und riskant. Eine Alternative wäre auf etablierte Grossfirmen wie Royal Dutch oder Linde zu setzen, die nur zu einen Teil im Bereich Wasserstoff aktiv sind, damit aber ebenfalls eine Diversifikation mit den anderen Unternehmensteilen ermöglichen.

3 Kommentare
    Klara Meier

    In der CH ist die Umstellung bereits im Gang. Mehrere (für CH-Verhältnisse) ganz grosse Player haben sich zusammengeschlossen und packen das Bereitstellen eines vernünftig dichten Tankstellennetzes an. Unter anderen sind Migros, Coop, Agrola, Avia, Fenaco (Landi), Socar und Tamoil mit von der Partie und Mitglied von h2mobilitaet.

    Ihre Marktmacht dürfte genügend gross sein, um die Umstellung auch für weitere Unternehmen interessant zu machen. Ich meine mich zu erinnern, dass Migros und Coop zusammen 3-4k Lastwagen besitzen und sie in den kommenden ~5 Jahren durch H2-Lkw zu ersetzen planen.

    Die ersten Tankstellen wurden letztes Jahr umgestellt (6 in Betrieb) und die ersten H2-Lkw von Hyundai ausgeliefert. So wie ich das Ganze verstehe, wird der H2 jeweils vor Ort bzw. sehr nahe produziert.