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Ende nach 20 JahrenWarum Raiffeisen Helvetia den Laufpass gibt

Die drittgrösste Bankengruppe des Landes will die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft lösen und das Versicherungsgeschäft mit eigenen Produkten ausbauen. Dafür sucht Raiffeisen einen neuen Partner.

Raiffeisen verkaufte in seinen Geschäftsstellen wie hier am Zürcher Limmatquai bisher primär Lebensversicherungen von Helvetia. Damit ist Ende des Jahres Schluss.
Raiffeisen verkaufte in seinen Geschäftsstellen wie hier am Zürcher Limmatquai bisher primär Lebensversicherungen von Helvetia. Damit ist Ende des Jahres Schluss.
Foto: Samuel Schalch/Tamedia

Die Raiffeisen-Gruppe trennt sich nach rund 20 Jahren von ihrem Versicherungspartner Helvetia auf Ende Jahr. Hintergrund der Entscheidung ist, dass die neue Raiffeisen-Führung aus Präsident Guy Lachappelle und Gruppen-Chef Heinz Huber der drittgrössten Bankengruppe eine neue Strategie verpassen will. Die Idee dabei ist unter anderem, den Allfinanzgedanken – also die kombinierte Beratung und Verkauf von Bank- und Versicherungsprodukten – wieder zu beleben.

Im ersten Halbjahr 2019 hatte Raiffeisen daher seine Versicherungspartnerschaft neu ausgeschrieben. Wer der neue Partner wird, ist noch nicht bekannt. Die Mobiliar wäre ein naheliegender Kandidat, weil der Versicherer ebenfalls genossenschaftliche Strukturen hat.

Bisher vermittelte Raiffeisen Policen von Helvetia und bekam dafür eine Provision. Die neue Partnerschaft soll laut Insidern umfassender sein. «Wir wollen mit einem neuen Partner neue gemeinsame Produkte entwickeln», hatte ein Bank-Insider im Frühjahr erklärt. Gedacht wird zum Beispiel an eine gemeinsame Hausrat- oder Erdbebenversicherung, die dann unter den Markennamen beider Partner vermarktet wird.

Abhängigkeit vom Hypothekargeschäft lösen

Andere Banken haben ähnliche Ideen: Die UBS zum Beispiel hat kürzlich gemeinsam mit der Zurich ein Produktpaket aus Bank- und Versicherungsprodukten für Jungunternehmer namens UBS Start Business geschnürt. «Wir sind kein First Mover», räumt ein Raiffeisen-Banker ein.

Mit mehr Verkäufen von Versicherungsprodukten will die Raiffeisenführung die Abhängigkeit vom Hypothekargeschäft lösen. Die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz erzielt immer noch über 70 Prozent ihrer Einnahmen mit dem Zinsgeschäft. Bei Hypotheken ist Raiffeisen mit einem Marktanteil von rund 17 Prozent die Nummer eins.

Mittlerweile steigen auch Versicherer und Pensionskassen verstärkt in das Hypogeschäft ein und drücken die Margen. Helvetia hat ferner den Online-Hypothekenvermittler Moneypark aufgebaut. Solche Vergleichs- und Vermittlungsportale helfen Konsumenten, die günstigste Hypothek zu finden.

Ende der Ära Vincenz

Das Ende der Partnerschaft mit Helvetia ist ferner ein weiterer Bruch mit der Ära des früheren Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz. Die Justiz bereitet eine Anklage gegen ihn vor, Vincenz wird vorgeworfen, bei Beteiligungskäufen von Raiffeisen privat mitverdient zu haben.

Vincenz sass als Raiffeisen-Chef lange im Verwaltungsrat von Helvetia, nach seinem Abgang als operativer Bank-Chef übernahm er dort 2015 den Posten des Verwaltungsratspräsidenten. Raiffeisen war lange auch Aktionär bei Helvetia, unter Vincenz war ein grosses Netz an Beteiligungen aufgebaut worden. Dies wurde nach seinem Abgang zum grossen Teil verkauft; so trennte sich Raiffeisen 2017 von seinem vierprozentigen Anteil an Helvetia.

Für Helvetia ist das Ende der Partnerschaft verschmerzbar. Nach eigenen Angaben nahm der Versicherer über den Verkauf von Lebensversicherungen über Raiffeisen einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ein, das entspricht knapp 10 Prozent des Neugeschäfts. Für die Kundinnen und Kunden ändert sich nichts, sie werden weiterhin von Helvetia betreut.

4 Kommentare
    Marc O Polo

    Völlig unverständliche Mobiliar. Einst grundsolide, schmeisst sie heute wild mit Geld um sich, auf dass die Mobiliar-Obersten weitere VR-Aemtli erhalten. Wie vor 50 Jahren.