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Mercedes Marco PoloWagyu-Filet statt Spaghetti bolognese

Camping ist in. Wer es mobil und luxuriös mag, für den ist der überarbeitete Mercedes Marco Polo mit neuem Motor und digitaler Aufwertung noch attraktiver.

Die grössten Veränderungen beim renovierten, 5,14 Meter langen Marco Polo betreffen die Motorisierung und das MBUX-System.
Die grössten Veränderungen beim renovierten, 5,14 Meter langen Marco Polo betreffen die Motorisierung und das MBUX-System.
Foto: Daimler

70 Jahre auf dem Buckel wie der grosse Rivale VW California mit all seinen Vorgängern hat der Marco Polo noch nicht. Eine feste Grösse bei den Campingbussen ist das Mercedes-Pendant aber sehr wohl. Und nach dem letztjährigen Facelift für die V-Klasse, von dem der Marco Polo in vollem Umfang profitiert, übertrumpft die zum Campen umgebaute Grossraumlimousine den dominierenden Bestseller der VW-Nutzfahrzeugsparte zumindest in ein paar Punkten. Im erschreckend hohen Preisniveau – unser Testwagen Marco Polo Edition 300d gibts mit Hinterradantrieb ab brutto 67’500 Franken – liegen beide weitgehend gleichauf.

Die grössten Veränderungen beim 5,14 Meter langen Marco Polo, der mit 1,98 Metern Höhe nahezu in jede Tiefgarage passt, betreffen das Basis-Fahrzeug. Dabei ist weniger die modifizierte Frontpartie mit den breiteren Lufteinlässen gemeint als vielmehr der Einsatz des 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesels, der in der stärksten Ausbaustufe mit 176 kW/239 PS und 500 Nm Drehmoment den Camper zum Eiltransporter verwandelt. Wie sinnvoll das ist, mag jeder für sich entscheiden. Fakt ist, dass die Kavallerie unter der Motorhaube aus dem Schwaben-Van noch lange keinen Sportler macht, dass aber deren geballte Power mit dem schweren Sternenkreuzer in bemerkenswerter Leichtigkeit fertig wird.

Hochwertige Materialien, perfekte Verarbeitung

Fast automatisch stellt sich eine entspannte Fahrweise ein, bei der sich der 300d mit serienmässiger 9-Gang-Automatik und Hinterradantrieb zudem mit einem achtbaren Verbrauch zwischen 9 und 10 Litern (Diesel) auf 100 Kilometern je nach Zuladung begnügt. Dezente Zurückhaltung übt der topmotorisierte Marco Polo auch bei der Geräuschkulisse. Und natürlich unterstützen auf Wunsch viele elektronische Helferlein inklusive Verkehrszeichenerkennung und 360-Grad-Kamera den Fahrer beim Spurwechsel, Bremsen und Parken.

Das Cockpit empfängt uns in schönem Design mit hochwertigen Materialien und perfekter Verarbeitung. Ein grosses Ablagefach, USB-Buchsen, ein Multifunktionslenkrad wie im Pkw, auch hier jetzt Lüftungsdüsen in Turbinen-Optik – alles ist sehr stimmig. Und das Beste: Das vielfältige, per Sprachbedienung hervorragend funktionierende Multimediasystem MBUX ist nun auch im Marco Polo verfügbar und kann sogar mit dem speziell für Reisemobile entwickelten Schnittstellenmodul MBAC (Mercedes Benz Advanced Control) verbunden werden.

Als vorrangige Schlafstätte empfiehlt sich das Doppelbett im Aufstelldach des Marco Polo.
Als vorrangige Schlafstätte empfiehlt sich das Doppelbett im Aufstelldach des Marco Polo.
Foto: Daimler
Der Innenraum ist edel ausgestattet – statt Spaghetti oder Antipasti dürfen hier auch Filetspitzen vom Wagyu-Rind serviert werden.
Der Innenraum ist edel ausgestattet – statt Spaghetti oder Antipasti dürfen hier auch Filetspitzen vom Wagyu-Rind serviert werden.
Daimler AG
Die Funktionen des Camping-Ausbaus lassen sich aber auch per App über das Smartphone steuern.
Die Funktionen des Camping-Ausbaus lassen sich aber auch per App über das Smartphone steuern.
Daimler
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Das heisst: Über den MBUX-Bildschirm auf dem Armaturenbrett oder über das zentrale Display im Wohnraum lassen sich fast alle Funktionen des Camping-Ausbaus kontrollieren und regeln. Das reicht vom Abrufen der Füllstände für die Frisch- und Abwassertanks und die Regulierung von Kühlbox und Heizung bis zur Steuerung von Sound- und Lichtanlage. Ebenso zur zeitlichen Programmierung der Heizung in der kalten Jahreszeit. Das alles funktioniert auch über das Smartphone.

Womit wir bei den Wohneigenschaften des Marco Polo in der voll ausgestatteten Reisemobilvariante angelangt wären. Ein erster Rundumblick: Hier ist alles oberedel. Der Küchenblock mit den drei dunkel verglasten Abdeckungen für Spüle, Zwei-Flammenkocher und 40-Liter-Kompressor-Kühlbox, Alu-Leisten, in die filigran die Öffnungsknöpfe für Deckel, Schubladen und Schiebetüren integriert sind, alles passgenau und leichtgängig, dazu das elegante Zwei-Farben-Design – das sieht ganz nach Gourmet-Küche aus. So, als müssten statt Spaghetti bolognese als simples Camper-Menü wenigstens Filetspitzen vom Wagyu-Rind auf dem Speiseplan stehen.

Elektrische Funktionen, aber langsam

Die Zweiersitzbank mit Isofix-Befestigungen für Kindersitze ist mit Leder bezogen, und die Rücklehnen lassen sich für den Umbau zum Bett elektrisch umlegen. Das ist für unseren Geschmack einfach des Guten zu viel, denn statt diesem Schauspiel im Zeitlupentempo zuzuschauen, wäre die Aktion mit einem einzigen Handgriff ruckzuck erledigt. Sitzfläche, Rückenlehnen und die hintere Ablage ergeben eine relativ plane Liegefläche, die aber erst mit der optionalen Matratzen-Auflage wirklich komfortabel wird.

Als vorrangige Schlafstätte empfiehlt sich daher ohne grossen Umbau das Doppelbett im Aufstelldach, das sich natürlich elektrisch öffnen und schliessen lässt. Dank eingenähter Fiberglasstäbe funktioniert das in beiden Richtungen ganz vorzüglich und auf der tellergefederten Kaltschaummatratze schläft es sich auch himmlisch, wenn auch bei knapp 1,10 Metern Breite etwas eng. Allerdings gönnt Mercedes den Dachschläfern offensichtlich nicht die Aussicht aus erhabener Position. Zwei kleine Fliegengitterfenster, auf jeder Seite eins, erfüllen diesen Zweck jedenfalls nicht.

Vollbepackt und stilvoll

In der Tagkonfiguration ist die untere Zweierbank, die sich kinderleicht auf den Schienen im eleganten Schiffsboden hin und her bewegen lässt, natürlich Teil der Viersitzgruppe. Der Tisch, der während der Fahrt zwischen Bank und Küchenblock seine Ruheposition findet, wird nach vorn geschoben und hochgeklappt. Simpel. Das Drehen des Frontgestühls erfordert dagegen etwas Rangiertätigkeit. Dank der elektronischen Parkbremse ist aber wenigstens kein Handbremshebel mehr im Weg.

Ein kleines Manko ist sicher der Stauraum, vor allem wenn mehr als zwei Personen mit auf die Fahrt gehen. Zwar ist hinter einer weit nach vorn geschobenen Mittelbank noch ordentlich Platz im hinteren Bereich, der wird aber leider durch Campingtisch und -stühle, die in einer unter der Heckablage angebrachten Tasche verstaut werden, beeinträchtigt. Das hat der Konkurrent aus dem Norden mit den in die Heckklappe integrierten Sitzmöbeln perfekter organisiert.

Ansonsten steht auch vollbepackt einer stilvollen Camping-Tour nichts mehr im Weg. Vorausgesetzt, man findet irgendwo einen Stellplatz. (SP-X)

2 Kommentare
    Michael Sengers

    Ist zu hoffen dass Mercedes den Marco Polo auch bald in der Elektro EQV Version lanciert