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Testbetrieb geglücktWädenswil möchte Beiz auf dem Seeplatz behalten

Der Versuch der Stadt Wädenswil, den Seeplatz mit einer Beiz mehr zu beleben, war erfolgreich. Die Seebeiz soll nun fix installiert werden.

Auch im nächsten Sommer will die Stadt auf dem Seeplatz eine Beiz ermöglichen. Ob diese wieder vom GMT-Partyservice betrieben wird, ist noch offen.
Auch im nächsten Sommer will die Stadt auf dem Seeplatz eine Beiz ermöglichen. Ob diese wieder vom GMT-Partyservice betrieben wird, ist noch offen.
Archivfoto: Dorothea Uckelmann

Die Seebeiz auf dem Seeplatz Wädenswil war ein Erfolg. Sie ist Teil eines Nutzungskonzepts für den Seeplatz, das die Stadt Wädenswil erstellt hat. Nach der Testphase während des Sommers hat die Stadt Bilanz gezogen. Eine positive, wie Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) mitteilt: «Die Beiz wurde geschätzt und belebte den Seeplatz. Dies, obwohl sie sich nicht direkt am Wasser befand, sondern hinten an der Wand zum Bahnhof.» Die Seebeiz und das bestehende See-Restaurant des Hotels Engel hätten sich zudem gut ergänzt.

Die Stadt Wädenswil werde daher die Idee eines zweiten kleinen Gastroangebots auf dem Seeplatz weiterverfolgen. Als nächstes sollen die baurechtlichen Fragen geklärt werden. «Im neuen Jahr werden wir ein entsprechendes Baugesuch einreichen», sagt Philipp Kutter. Dieses wird das gesamte Nutzungskonzept inklusive Gastronomiebetrieb und Verschiebung des Spielplatzes enthalten.

Mit Provisorium überbrücken

«Das Verfahren dauert seine Zeit», sagt Kutter, denn der Seeplatz sei baurechtlich ein komplexer Ort. Nicht nur die Baubehörde von Wädenswil, sondern auch verschiedene kantonale Ämter werden in diesen Prozess involviert sein. Anschliessend brauche die Stadt Zeit für die Umsetzung. Zudem müssten finanzielle Mittel gesprochen und ein Betreiber für die Seebeiz gefunden werden. «Mit Blick auf unsere Finanzlage werden wir die Pläne wohl erst in einigen Jahren umsetzen können», sagt Kutter. Denkbar sei auch eine Etappierung.

Um die Wartezeit zu verkürzen, will die Stadt parallel ein zweites Baugesuch einreichen. In diesem beantragt sie die Bewilligung für ein befristetes Gastro-Provisorium, sodass der Seeplatz auch während der Übergangszeit – im besten Fall ab nächsten Sommer – belebt werden kann.

«Auf die Bewilligung zu verzichten, war der besonderen Situation geschuldet.»

Philipp Kutter, Stadtpräsident Wädenswil

Für den vergangenen Sommer hat die Stadt aus zeitlichen Gründen auf eine Bewilligung verzichtet. «Das war der besonderen Situation geschuldet», gibt Kutter zu. Die Stadt wollte erst testen, ob eine Beiz an diesem Ort überhaupt funktioniert. Zudem wollte sie der Bevölkerung nach dem Lockdown einen alternativen Treffpunkt bieten zum MS Glärnisch, dem einzigen schwimmenden Restaurant am Zürichsee, das seit März 2019 geschlossen ist.

Klare Regeln nötig

Trotz der guten Bilanz lief der Testbetrieb nicht ganz reibungslos ab, wie Kutter einräumt: «Den Versuch haben wir nicht bis ins kleinste Detail durchgeplant. Daher kamen die unterschiedlichen Nutzergruppen am Seeplatz während des Sommers und im Oktober logistisch nicht immer einwandfrei aneinander vorbei.» Die Stadt werde für die Zukunft klare Regeln definieren kommenden Sommer, sofern eine Beiz möglich ist, ein Reglement ausarbeiten, damit sich Seebeiz und Veranstalter wie Chilbi oder Eisbahn nicht in die Quere kommen.

Bis auf die paar logistischen Engpässe auf dem Seeplatz ist auch das Team des GMT-Partyservices zufrieden mit dem unverhofften Sommerbetrieb auf dem Seeplatz. Die Leiterin des Teams, Christine Muser, konnte so ihre Mitarbeiter beschäftigen, und auch von den Gästen, sei die Bar geschätzt worden. «Aufgrund der Pandemie blieben viele Leute in der Region, wodurch die Seebeiz gut besucht war», sagt sie. Mit den anderen Seeplatznutzern habe sich das GMT-Party-Team gut verstanden. Ausser eines Einbruchs am Ende der Saison sei der Sommer friedlich verlaufen.

Ob das GMT-Party Team auch im nächsten Sommer wieder die Seebeiz führen wird, ist noch nicht klar. «Die Lage ist derzeit zu unsicher, sodass wir uns noch nicht festlegen möchten», sagt Muser. Sie gibt zu bedenken: «Diesen Sommer herrschte eine Ausnahmesituation.» Wenn nächstes Jahr das Theaterspektakel wieder stattfindet, stehe dem Team die Infrastruktur nur bis Ende Juni zur Verfügung.

Fraglich sei auch, ob erneut so viele Gäste auf dem Seeplatz zu erwarten sind, wenn Kulturanlässe wieder vollumfänglich möglich sind. «Rund 30 Prozent der Besucher wären vermutlich zu Open-Air-Kinos, zum Theaterspektakel oder anderen Events gegangen, wenn diese stattgefunden hätten», sagt Muser.

Restaurant-Schiff sucht Betreiber

Um die Wiedereröffnung des MS Glärnisch kämpft derzeit dessen Eigentümer, Alexander Meszaros. «Das Betriebskonzept ist fertig, doch uns fehlt ein Gastronom, der das Schiff betreibt», sagt er. Zwei namhafte Gastronomen sind Meszaros nach vielversprechenden Gesprächen abgesprungen. Zu unsicher sei ihnen die momentane Lage mit Corona. Daher konnte Meszaros nicht, wie von der Stadt verlangt, das Betriebskonzept Ende Oktober vorlegen.

«Wir sind dennoch positiv, offen für neue Bewerber und hoffen, der Stadt im Frühjahr das Konzept zusammen mit einem erfahrenen Betreiber präsentieren zu können», sagt der Eigentümer. Er hält weiter an einem umfassenden Umbau der MS Glärnisch fest, möchte diesen aber mit dem neuen Betreiber absprechen. «Ich hoffe auf das Wohlwollen der Stadt, denn die Situation ist derzeit nicht leicht», sagt er. Die Konzession der MS Glärnisch läuft 2023 aus.

Erst wenn der Eigentümer einen erfahrenen Gastronomen gefunden hat, wird der Umbau des schwimmenden Restaurants MS Glärnisch beendet.
Erst wenn der Eigentümer einen erfahrenen Gastronomen gefunden hat, wird der Umbau des schwimmenden Restaurants MS Glärnisch beendet.
Archivfoto: Moritz Hager