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Miniaturen des AlltagsVon wegen daheim ist es ruhiger

ZSZ-Reporter Christian Dietz über die Realität von Home Office.

Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Illustration: Olivier Samter

Homeoffice ist genial. Ungestört von Bürogeschnatter, Telefonanrufen und quer durch die Redaktion gerufenen «Weiss öpper…?»-Fragen lassen sich daheim die Artikel aus einem Gehirnguss schmieden. Zu Hause, eingebettet in vertrauter Umgebung, Teekrug und Kühlschrank in Reichweite, in salopper Bekleidung, dazu eigener Radiosound, ist die Arbeitswelt gemütlicher.

So idealisiert stellte ich mir das Homeoffice vor, als es vor einem halben Jahr im Zuge der Corona-Krise zur Routine wurde. Bei Schönwetter nehme ich den Laptop in den Garten und schreibe dort im Schatten der Bäume, geistig beflügelt vom Gesang der Vögel.

Die Realität hört sich anders an. In diesen Monaten habe ich die gesamte Lärmpalette in der Nachbarschaft kennen gelernt. Leben wir mitten in Wimbledon? So viel Rasen gibt es hier doch gar nicht, als dass jeden Tag irgendeiner stundenlang eine Wiese mähen müsste. Dabei ist das nur das Vorspiel, denn zum Schlussbouquet surrt noch mit grässlichen Hochfrequenztönen der Trimmer.

In der Umgebung rattert eine Kettensäge los, als ob der Amazonasurwald vor unserer Haustür abgeholzt würde. Die Baustelle liegt zwar gut 100 Meter entfernt, aber der Wind bläst mir das grelle Prasseln von Schottersteinen, die von einem Lastwagen gekippt werden, genau ins Ohr. Als ob man nur darauf warten würde, wann ich wieder Homeoffice habe, legen sie los: Presslufthammer, Bohrmaschinen, Pfosten in den Boden rammen, mit dem Hochdruckreiniger das Auto waschen. Zur Krönung kam jüngst der Vorplatz von unserem Daheim dran: Nichts übertrifft eine Steinsäge mit ihrem kreischenden Inferno.

Wie gut, zieht der Herbst ein, es wird ruhiger. Wenn jetzt nur nicht die Saison der Laubbläser begänne… Eigentlich ist das Geschnatter in der Redaktion ganz angenehm.

3 Kommentare
    F.R.

    Sich darüber aufzuregen ist in etwa ähnlich wie wenn man sich über spielende Kinder beschwert. Wenn man absolut seine Ruhe will, dann sollte man eben einfach nicht in urbane Gegenden ziehen? Irgendwo ein abgelegenes Alpental mit 2 Häusern auf 5km, das wäre doch ideal. Ich weiss nicht warum jeder den Anspruch hegt in absoluter Ruhe zu wohnen, aber die S-Bahn soll doch bitte nicht weiter als 5 Minuten zu Fuss sein und möglichst alle 5 Minuten kommen. Aber nur wenn ich sie brauche! Das gleiche gilt auch für die Fliegerei bzw. Fluglärm.