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Heute vor 80 JahrenVon einer umstrittenen Lehrerin und verkürzten Sommerferien

Ein Blick ins Zeitungsarchiv: Was heute vor 80 Jahren in der Region für Schlagzeilen sorgte.

Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Illustration: Olivier Samter

Das Schulwesen verursacht immer wieder Meinungsverschiedenheiten, Streit, Konflikte. Aktuell werden beispielsweise in Horgen und Oetwil Diskussionen geführt, auch Adliswil stand im letzten Jahr in den Schlagzeilen. Neu ist das heisse Eisen Schule allerdings nicht, wie ein Blick ins Archiv des «Allgemeinen Anzeigers vom Zürichsee» zeigt. So sorgte im Juni 1940 in Hütten die damalige Wiederwahl einer Lehrerin für Gesprächsstoff. Eine neutrale Besuchskommission sowie die Bezirksschulpflege sprachen in einem Artikel ausdrücklich ihr Lob aus «über die Schulführung von Fräulein Ruth Hauser, Lehrerin in Hütten. Es herrsche ein «lebendiger, vorbildlicher Betrieb in der Schule. Wenn in den vier gleichzeitig zu unterrichtenden Klassen die Leistungen der Schüler voll befriedigen, so ist das der straffen, zielbewussten und ausserordentlich gut vorbereiteten Arbeit der Lehrerin zu verdanken», heisst es. Und weiter: «Wir können deshalb nicht verstehen, dass trotz der Not der Zeit menschliche Kleinigkeiten den Frieden in dem kleinen Bergdörfchen haben trüben können. Wir alle glauben an unsere Heimat, die dort oben besonders schön ist und dem aus dem Industriedorf Kommenden ein Eiland des Friedens scheint.» Die Besuchskommission hofft denn auch, dass die Stimmberechtigten von Hütten an der Urne «vergessen, was sie trennt, und ihrer Lehrerin mit einem Ja eine ehrenvolle Wahl sichern». Welcher Art diese menschlichen Kleinigkeiten waren, welche den Frieden trübten, geht aus dem Artikel nicht hervor – ebenfalls nicht, ob Fräulein Hauser ehrenvoll wiedergewählt wurde.

Die rechtsufrige «Zürichsee-Zeitung» vermeldete derweil – abgesehen von täglichen Neuigkeiten zur Kriegslage –, dass die Schulpflege in Zollikon die Sommerferien um eine Woche kürze, «um den Schülern zur Zeit der vermehrten Herbstarbeiten die Möglichkeit zur Mithilfe in Landwirtschaft und Gärtnereibetrieben zu geben». Die Dauer und der Zeitpunkt der Herbstferien würden entsprechend dem Stand der landwirtschaftlichen Arbeiten später festgelegt. Auf die Durchführung von Schulreisen sei während der Zeit der Generalmobilmachung zu verzichten. Und auch das an der Landesausstellung ausgestellte «Relief der Jungfrau von Blank», das der Schulpflege zum Kaufe angeboten worden sei, wurde «im Hinblick auf die Zeitumstände» nicht erworben.