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DorfgeflüsterVelos stehlen in Adliswil

Der Veloabstellplatz am Bahnhof Adliswil ist ein unsicherer Ort. Das musste auch unser Redaktor erfahren, wie er in dieser Kolumne erzählt.

Darüber spricht das Dorf.
Darüber spricht das Dorf.
Illustration: Olivier Samter

Mein liebes Bahnhofsvelo,
du warst mein Ein und Alles. Vor fünf Jahren lernten wir uns an der Velobörse kennen. Seither waren wir gemeinsam unterwegs: von zu Hause an den Bahnhof Adliswil – und wieder zurück. Nicht täglich zwar, aber doch häufig. Ich mochte dich, trotz deines längst lädierten Sattels und obwohl du nicht mehr richtig in die Gänge kamst.

Du warst mir treuer Freund und Begleiter. Die vielen rasanten Fahrten mit dir runter ins Zentrum, vorbei an den stehenden Autokolonnen, werde ich nicht vergessen. Am Bahnhof wartetest du stets geduldig auf mich. Dabei ertrugst du fast Unerträgliches, denn dieser eine offizielle Veloabstellplatz zwischen Mülltonnen und Bahnhofparking ist beileibe nichts Schönes: ein Unort, um nicht Schandfleck zu sagen. Abfall sammelt sich da an, Velos werden zerstört oder gleich ganz entwendet.

Kein einladender Ort: die Velostation am Bahnhof Adliswil.
Kein einladender Ort: die Velostation am Bahnhof Adliswil.
Foto: Markus Hausmann

Und jetzt? Jetzt hat es dich getroffen! Du bist weg, gestohlen haben sie dich. Das dicke Zahlenschloss wurde mit roher Gewalt und wahrscheinlich mithilfe professioneller Werkzeuge aufgebrochen. Wie ärgerlich! Ich hätte es wissen müssen, dass ich dich nicht über Nacht am Bahnhof stehen lassen darf. Es tut mir von Herzen leid.

Wo bist du jetzt? Haben sie dich schon ins Ausland verkauft? Oder kurvt dein neuer Benutzer ganz in der Nähe herum? Ich hoffe auf Letzteres. So wäre es wahrscheinlich, dass wir uns wieder begegnen. So wie es damals einem Verwandten von mir, einem Polizisten, erging, dessen Bahnhofsvelo ebenfalls geklaut wurde: In der Freizeit begegnete er in Oberrieden dem mutmasslichen Dieb und fuhr ihm bis zu dessen Wohnhaus nach. Nur Tage später führte er an jener Adresse eine Kontrolle durch – und nahm sein geliebtes Velo wieder mit nach Hause.