Zum Hauptinhalt springen

Wegen neuer ReservationspflichtVeloaktivisten fluten SBB mit Protestmails

In Hunderten Mails wehren sich Velofahrerinnen und Velofahrer gegen die Pläne der SBB, die Reservationspflicht für Velos auszuweiten. Ob der Protest Erfolg hat, ist offen.

Gerade während Corona sind mehr Leute mit dem Velo im Zug unterwegs. Das bringt die Infrastruktur an den Anschlag.
Gerade während Corona sind mehr Leute mit dem Velo im Zug unterwegs. Das bringt die Infrastruktur an den Anschlag.
Foto: Yvain Genevay (Le Matin Dimanche)

Dieser Ärger rollte auf die SBB mit Ansage zu: Die Bahn will ab nächstem Jahr auf den IC-Verbindungen eine Reservationspflicht für den Veloselbstverlad einführen. Sie soll ab dem 21. März bis Ende Oktober gelten, um des Velobooms in den Zügen Herr zu werden. Das hat nun zu einem Proteststurm geführt – angetrieben durch den Aufruf von Veloaktivistinnen und -aktivisten.

Seit Montagmorgen wird das Contact-Center der SBB mit praktisch gleichlautenden Mails zugedeckt. Ursprung ist eine Website, von der aus innert Kürze eine vorformulierte Mail verschickt werden kann. Aktivistinnen und Aktivisten vom Verein Vélorution aus Zürich zeichnen dafür verantwortlich. Der Inhalt der Mails: Bereits bisher sei die Reise mit dem Velo im Zug kompliziert gewesen. Mit der neuen Regelung werde sie noch schwieriger und teurer, heisst es in den Mails.

Und weiter: Viele würden den Zug täglich mit Velo benutzen, auch weil sie am Zielort auf ihr Velo angewiesen seien. «Etliche würden mit der Reservationspflicht auf das Auto umsteigen, erst recht, wenn jede Fahrt nebst dem Velobillett fünf Franken zusätzlich kostet.» Zudem wünsche man sich, dass die SBB mit den Velofahrerinnen und Velofahrern an einen Tisch sitzen.

Weiterverbreitet wird der Aufruf, Mails an die SBB zu schicken, in der Velocommunity, beispielsweise auch auf der Facebookseite von Critical Mass Zürich, St. Gallen oder in Telegramchats. Bis Dienstagnachmittag wurden auf diesem Weg mindestens 600 solcher Nachrichten verschickt. Unter den Absendern befinden sich Veloaktivistinnen und allgemein Sympathisanten der Sache. Selbst SBB-Mitarbeitende verschickten das Mail an ihren Arbeitgeber.

Die SBB nehmen auf Anfrage nicht konkret Stellung zu den Protestmails. Ein Sprecher sagt allgemein: Die SBB hätten sich Anfang November mit verschiedenen Interessenvertretern zu einem Austausch zu Themen rund um die Mobilität mit Velos getroffen. Man sei «daran, die Modalitäten der Umsetzung auszuarbeiten. Diese werden dann selbstverständlich rechtzeitig kommuniziert», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Noch ist also unklar, ob allenfalls neue Gebühren zum Tragen kommen und wie hoch diese sein werden. Heute kostet eine Reservierung 5 Franken.

Forderung: Tickets sollen günstiger werden

Eine Idee bringt der VCS ein: So sollen die Ticketpreise fürs Velo nach unten angepasst werden, damit mit der obligatorischen Reservierung die Velomitnahme nicht teurer wird. «Um die Wende hin zu einem klimafreundlichen Verkehr zu schaffen, ist es zwingend notwendig, dass der ÖV im Freizeitbereich attraktiver wird. Mit einer Reservationspflicht für Velos schlagen die SBB die gegenteilige Richtung ein», heisst es von der Organisation. Der VCS verlange, dass prioritär Züge umgebaut und mehr Platz für Velos und andere Sportgeräte in Multifunktionsabteilen geschaffen werde. «Die generelle Reservationspflicht darf höchstens befristet gelten, bis die Anpassungen am Rollmaterial vollzogen wurden», heisst es.

Die SBB sagen, dass sie auf den wichtigsten Verbindungen zusätzliche Veloplätze schaffen wird. «An Spitzentagen sollen die Velokapazitäten teilweise verdreifacht werden», sagt ein Sprecher. Das soll voraussichtlich ab nächstem Frühling der Fall sein.

120 Kommentare
    Balthasar Renz

    ..und wie sieht es mit denRollstühlen,und Rollatoren, den Plätzen für Behinderte aus?

    Rücksicht sollte aber auch vonBehinderten den Anderen Fahrgästen gegenüber ; und der Ton macht die Musik (Nicht nur im Händy!😶)