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Nach den Unruhen in WashingtonUS-Industrie fordert Absetzung von Trump

Obwohl die Zeit dafür knapp ist, fordern führende Wirtschaftsvertreter die Amtsenthebung des US-Präsidenten. Er sei ein Risiko für das Land, so der Tenor.

Jay Timmons, Präsident des US-Industrieverbands National Association of Manufacturers, mit Donald Trump während eines Treffens in Washington im März 2017.
Jay Timmons, Präsident des US-Industrieverbands National Association of Manufacturers, mit Donald Trump während eines Treffens in Washington im März 2017.
Foto: Olivier Douliery (EPA)

Der grösste Dachverband der amerikanischen Wirtschaft betrachtet Präsident Trump als Risiko für das Land und verlangt dessen sofortige Absetzung. Jay Timmons, Präsident des US-Industrieverbands National Association of Manufacturers, dem mehr als 14’000 Firmen angehören, forderte Vizepräsident Mike Pence auf, gestützt auf die Verfassung die Amtsenthebung des Präsidenten anzugehen, obwohl die Zeit dafür knapp ist.

«Trump hat zur Gewalttätigkeit aufgerufen, um sich an der Macht zu halten. Er will die Anarchie auf Kosten der Demokratie einführen», so Timmons. Trump gefährde auch die Sicherheit von Millionen von Arbeitern, die angesichts der Corona-Pandemie versuchten, das Land wiederaufzubauen. «Doch all dies ist vergebens, wenn unsere Leader sich weigern, die Attacke auf Amerika und unsere Demokratie abzuwenden.» Timmons war der erste Wirtschaftsvertreter, der die Forderung nach einer Amtsenthebung stellte. Ihm schloss sich später Sean McGarvey, Präsident der Gewerkschaft der Bauarbeiter mit über drei Millionen Mitgliedern an.

Auch Rücktritt der Senatoren Cruz und Hawley gefordert

Neben der Entlassung von Trump verlangte er auch den Rücktritt der Senatoren Ted Cruz und Josh Hawley, die den Widerstand gegen den Regierungswechsel im Kongress angeführt hatten. Die Verfassung erlaubt die Absetzung des Präsidenten, wenn er nicht mehr fähig ist, die Befugnisse und Obliegenheiten seines Amtes wahrzunehmen. Konkret geht es darum, dass Trump mit einer Brandrede seine Anhänger zum Sturm aufs Capitol ermuntert hatte und den ordentlichen Machtwechsel unterwandern wollte.

Zusätzlich verurteilten Dutzende von Unternehmenschefs den Präsidenten und seine Anhänger im Kongress, unter ihnen Stephen Schwarzman, Chef der Blackstone-Gruppe und einer der grössten Geldgeber von Trump. Larry Fink, Chef des Vermögensverwalters Blackrock, sprach von «einer Attacke auf unser Land, unsere Demokratie und den Willen des amerikanischen Volkes».

«Ein trauriges und beschämendes Kapitel in der Geschichte des Landes.»

Tim Cook, Apple-Chef

Für Apple-Chef Tim Cook ist der Aufstand «ein trauriges und beschämendes Kapitel in der Geschichte des Landes». Das Chaos in Washington behinderte in zahlreichen Unternehmen den ordentlichen Betriebsgang. Angestellte unterbrachen ihre Arbeit und verfolgten die Ereignisse am Bildschirm. Viele liessen ihrem Unmut freien Lauf, die Trump-Anhänger wegen der Niederlage des Präsidenten und die andere Seite wegen des versuchten Staatsstreichs.

19 Kommentare
    Jan Dubach

    Der US-Industrieverband fordert die Absetzung von Trump. Will dieser Verband bei den Demokraten punkten und verhindern, dass die Unternehmenssteuern erhöht werden. Trump hat doch die Abhängigkeit der USA von China bekämpft zu Gunsten der heimischen Industrie. Zugleich hat er noch die unternehmensfeindliche Bürokratie abgebaut.