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Richard GrenellUS-Botschafter in Deutschland zurückgetreten

Stets belehrend, oft aggressiv und häufig beleidigt – Grenell verkörperte das pure Gegenteil dessen, was man sonst so für Diplomatie hält. Nach gut zwei Jahren im Amt hört er auf.

War bei den Deutschen nicht besonders beliebt: Richard Grenell  2019 in Genf anlässlich einer Demonstration  gegen den UNO-Menschenrechtsrat.
Auftritt in Genf 
War bei den Deutschen nicht besonders beliebt: Richard Grenell 2019 in Genf anlässlich einer Demonstration gegen den UNO-Menschenrechtsrat.
Foto: Keystone/Salvatore Di Nolfi

Nach gut zwei Jahren im Amt ist Richard Grenell als US-Botschafter in Deutschland zurückgetreten. Seinen Posten hat vorübergehend seine Stellvertreterin Robin Quinville übernommen, wie Botschaftssprecher Joseph Giordono-Scholz am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Grenell hat seinen Rücktritt bereits am Montagabend in Washington bei einem Besuch bei US-Präsident Donald Trump erklärt. Bereits in der vergangenen Woche hatte der 53-Jährige seinen Posten als geschäftsführender Geheimdienstkoordinator der US-Regierung abgegeben, nachdem John Ratcliffe vom Senat für dieses Amt bestätigt worden war.

Nun Wahlkampf für Trump?

Was Grenell nun vorhat, ist unklar. Es wird spekuliert, dass er ins Wahlkampfteam Trumps wechseln könnte. Grenell gilt als extrem loyal zu Trump und rühmt sich immer wieder eines guten Drahtes ins Weisse Haus. Über Twitter schickt er gerne Bilder mit dem Präsidenten in der Air Force One oder teilt mit, dass er gerade mit ihm telefoniert habe.

Als Botschafter in Berlin sah Grenell seine Aufgabe darin, die Politik Trumps in Deutschland und Europa offensiv zu vertreten – auf unkonventionelle, eher undiplomatische Weise.

Im politischen Berlin hat sich der Mann aus Michigan im Mittleren Westen der USA mit seiner rabiaten Art kaum Freunde gemacht. Sein bester Kontakt in die deutsche Regierung ist Gesundheitsminister Jens Spahn. Im Auswärtigen Amt und im Kanzleramt kam seine Amtsführung dagegen nicht besonders gut an. Aus der Opposition kamen sogar vereinzelt Forderungen, ihn zur «unerwünschten Person» zu erklären und damit quasi auszuweisen.

SDA