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Schulleiterin aus WinterthurUnterricht trotz Corona-Verdacht: «Müssen uns solche Fragen stellen»

Die oberste Schulleiterin schlägt vor, die Corona-Regeln für Lehrpersonen zu überprüfen. Sie befürchtet Personalengpässe in Herbst und Winter.

Die Schulleiterin Sarah Knüsel geht davon aus, dass im Herbst viele Lehrpersonen ausfallen: Schule in Basel.
Die Schulleiterin Sarah Knüsel geht davon aus, dass im Herbst viele Lehrpersonen ausfallen: Schule in Basel.
Foto: Nicole Pont

In der Grippesaison werden deutlich mehr Lehrpersonen ausfallen als in der bisherigen Corona-Zeit: Damit rechnet Sarah Knüsel, Präsidentin des Zürcher Schulleiterverbands und Schulleiterin im Schulhaus Laubegg in Winterthur. Sie wirft deshalb eine Frage auf, die polarisiert: Sollen Lehrpersonen trotz Corona-Symptomen unterrichten dürfen?

Die Lehrerinnen und Lehrer müssten eine Maske tragen und weitere Schutzvorkehrungen treffen, sagte Knüsel als Wochengast im SRF-«Regionaljournal». Sie wisse, dass Ärzte mit Symptomen arbeiten dürften, daher könne man die Frage auch für die Schule stellen.

Gesundheit geht vor

«Das war eine Idee, die andere Leute hatten, und entspricht nicht meiner Meinung», präzisiert die Verbandspräsidentin auf Nachfrage des «Landboten». Es stehe ausser Frage, dass die Gesundheit vorgehe.

«Aber es ist wichtig, dass solche Fragen gestellt werden, weil wir im Herbst sonst hauptsächlich mit Ausfällen und Vertretungen beschäftigt sein werden.» Früher seien Lehrpersonen mit etwas Halsweh oder Husten vielleicht trotzdem in die Schule gegangen. Jetzt bleibe man zur Sicherheit zu Hause und lasse sich auf das Coronavirus testen, was auch der Empfehlung des Schulleiterverbands entspricht.

Fällt eine Klassenlehrerin oder ein Klassenlehrer aus, ist der Aufwand für die Schule vergleichsweise hoch: Zunächst muss das Kollegium die Schulkinder betreuen, bis eine Vertretung organisiert ist und diese dann übernimmt. Für kleinere Kinder sei die ständige Wechslerei ungünstig, sagt Knüsel.

Bisher seien die Schulen unterschiedlich von Ausfällen betroffen, weiss Knüsel aus ihrer Verbandsarbeit. An einigen Zürcher Schulen sei es häufiger vorgekommen, dass Lehrpersonen auf Testresultate warten mussten und deshalb ausfielen. «Es ist erst Anfang Herbst. Es ist völlig klar, dass solche Ausfälle die Schulen zunehmend beschäftigen werden.»

«Vorgaben sind eindeutig»

Das Zürcher Volksschulamt kann dem Vorschlag nichts abgewinnen. «Wir halten uns an die Vorgaben des BAG, die für alle gelten, und diese geben eindeutig vor, dass man die Testergebnisse zu Hause in Isolation abwarten muss», sagt der stellvertretende Amtschef Matthias Schweizer. «Das Volksschulamt hat nicht die Kompetenz, das zu ändern, und ist auch nicht zuständig dafür.»

Im Hinblick auf die Grippesaison und die tieferen Temperaturen sagt Schweizer: «Für Laien sind Krankheitssymptome nicht immer leicht einzuordnen. Ein einfacher Schnupfen ist nach Ansicht des Volksschulamts kein Grund, um zu Hause zu bleiben – das gilt für Lehrpersonen wie für Schulkinder.» Wer Fieber hat oder andere Leitsymptome einer Corona-Infektion aufweist, solle sich an einen Arzt wenden.

Volksschulamt hat andere Sorgen

Schweizer sieht es als kein grosses Problem an, dass Lehrpersonen auf Testresultate warten müssen und ausfallen. Natürlich sei man froh, wenn die Resultate möglichst schnell da seien.

«Unser grösste Sorge gilt dem bereits mehrfach eingetroffenen Szenario, dass mehrere Lehrpersonen eines Teams in Quarantäne müssen, weil ein Corona-Fall vorliegt und die Lehrpersonen in engem Kontakt miteinander standen. Das sorgt für Probleme.» Um dies zu verhindern, müssten in den Lehrerteams die Schutzmassnahmen immer eingehalten werden.