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Angst vor Personalausfall Unternehmen drängen Mitarbeiter: Fahrt nicht in die Risikogebiete!

Serbien, Kosovo oder Schweden: Wer seine Ferien dort verbringt, muss anschliessend zehn Tage in Quarantäne. Um Engpässe bei ihren Angestellten zu vermeiden, wenden sich Unternehmen nun an ihre Mitarbeiter.

Der Baumeisterverband rät Beschäftigten «dringend davon ab», in Risikogebiete zu reisen. Wer trotzdem wegen einer Risikoländer-Quarantäne nicht zur Arbeit kann, muss für die Zeit Ferien nehmen oder Überzeit kompensieren,
Der Baumeisterverband rät Beschäftigten «dringend davon ab», in Risikogebiete zu reisen. Wer trotzdem wegen einer Risikoländer-Quarantäne nicht zur Arbeit kann, muss für die Zeit Ferien nehmen oder Überzeit kompensieren,
KEYSTONE

Die Schwarze Liste der Corona-Risikogebiete hat kurz vor der Feriensaison die Personalplaner aufgescheucht. Viele Unternehmen raten den Beschäftigten dringend davon ab, ihren Urlaub in einem der 29 Länder zu verbringen. Dabei sind sie nicht nur um die Gesundheit ihrer Angestellten besorgt, vielmehr könnten in einigen Branchen empfindliche Ausfälle drohen, wenn nach der Rückkehr aus den Ferien viele Mitarbeiter in Quarantäne müssen. Das wollen die Unternehmen tunlichst vermeiden.

Betroffen sind all jene Firmen, in denen Homeoffice nicht ohne weiteres möglich ist – wie der Bau, die Gastwirtschaft oder das Gesundheitswesen. Rechtlich allerdings dürfen Arbeitgeber ihren Beschäftigten keine Vorschriften machen, wo sie ihre Ferien verbringen.

Der Baumeisterverband rate Beschäftigten «dringend davon ab», in Risikoländer zu reisen, erklärt ein Sprecher. Das dürfte zumindest einen Teil der Bauarbeiter bei ihrer Ferienplanung einschränken: Denn in der Schweiz stammen etwa 3000 Beschäftigte im Bauhauptgewerbe aus Serbien und Kosovo. Zwar dürften viele von ihnen ihre Ferien nicht unbedingt über die Sommermonate planen, wenn am Bau sehr viel zu tun ist. Im Herbst und Winter dürfte das aber zu einem grossen Thema werden.

Ferien oder Überzeit für Quarantäne nehmen

Wer dennoch reist und nach der Rückkehr wegen einer Quarantäne nicht zur Arbeit kann, muss für die Zeit Ferien nehmen oder Überzeit kompensieren, wie ein Sprecher des Baukonzerns Implenia erklärt. Denn die Beschäftigten hätten keinen Anspruch darauf, dass ihr Arbeitgeber den Lohn während der Quarantäne weiterhin bezahlt. «Ausnahmen bestehen, falls das Land während der Reise zum Risikoland erklärt wird, oder bei zwingenden beruflichen oder privaten Gründen», sagt Sprecher Daniel Furger. Mit Personalengpässen durch die Quarantäneregelung rechne das Unternehmen derzeit nicht.

Brisant ist die Situation auch in der Pflege: Am Universitätsspital Zürich (USZ) gibt es zwar keinen expliziten Ferienstopp. Mitarbeiter, die in eines der Risikoländer reisen, müssten jedoch vorab ihre Vorgesetzte oder ihren Vorgesetzten informieren, erklärt eine Sprecherin. Mit dieser Anordnung will das USZ nicht nur die Patienten schützen, sondern auch den Betrieb des Spitals sicherstellen und Personalengpässe vermeiden.

Darüber hinaus gibt es für Pflegefachleute noch eine weitere Besonderheit, denn laut der Verordnung vom Bund sind Personengruppen von der Quarantänepflicht ausgenommen, wenn ihre Arbeit zwingend notwendig ist für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder auch für die Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens. Wenn das Personal knapp würde, könnte es zu einer solchen Ausnahme kommen, erklärt das USZ. Darüber entscheiden dann Vorgesetzte und die Personalabteilung. Und selbstverständlich würde nur dann medizinisches Personal von der Quarantäne ausgenommen, wenn dieses bei der Rückkehr keinerlei Symptome zeige, versichert die Sprecherin.

Am Universitätsspital Basel arbeiten 24 Mitarbeitende aus den vom Bund genannten Ländern in der Pflege. Ein konkretes Reiseverbot gibt es auch hier nicht – wohl aber die dringende Empfehlung, nicht in die Risikogebiete zu reisen, sagt ein Sprecher. Mit Personalengpässen rechnen die Spitäler aktuell nicht.

«Die Hotels organisieren sich der Situation entsprechend und planen weitsichtig.»

Sprecher von Hotelleriesuisse

Inwieweit die Quarantäneregelung zu Problemen in der Hotellerie führen könnte, liess der Branchenverband Hotelleriesuisse offen. «Die Hotels organisieren sich der Situation entsprechend und planen weitsichtig», erklärt ein Sprecher. Im Schweizer Gastgewerbe arbeiten überdurchschnittlich viele Ausländer: Im Vorjahr lag ihr Anteil dem Verband zufolge bei 44 Prozent. Wie viele davon aus den Risikoländern stammen, ist jedoch unklar.