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Never Mind the Markets: ZinsschockUnd wenn die Zinsen steigen?

Oder: Warum unsere öffentliche und private Verschuldung zu einem gigantischen Problem werden könnte.

Wäre nicht der Einzige, der bei einem scharfen Zinswandel Probleme bekommen würde: SNB-Präsident Thomas Jordan.
Wäre nicht der Einzige, der bei einem scharfen Zinswandel Probleme bekommen würde: SNB-Präsident Thomas Jordan.
Foto: Peter Schneider (Keystone)

Die Corona-Krise lässt weltweit die Verschuldung weiter steigen. Das ist für die meisten entwickelten Länder mit eigener Währung kein Problem, weil sie sich zu einem sehr tiefen bis negativen Zins verschulden können. Jetzt knausrig zu sein, wäre eine schlechte Politik. Dennoch gibt es gute Gründe zur Sorge, dass die schon seit längerem gestiegene öffentliche und private Verschuldung in Zukunft zu einem gigantischen Problem wird. Nämlich dann, wenn die Zinsen wieder steigen.

Die weltweit gesunkenen Nominalzinssätze haben im Kern zwei Ursachen: erstens immer tiefere Inflationsraten über die letzten Jahrzehnte und zweitens ein starker Rückgang der Investitionen im Verhältnis zur gesamtwirtschaftlichen Ersparnis. Die Notenbanken sind mit ihren Leitzinssenkungen diesen Entwicklungen mehr gefolgt, als dass sie sie ausgelöst haben.

Nach Jahrzehnten mit Zinssenkungen droht ein Schock, weil viele Schuldner nicht auf eine solche Entwicklung vorbereitet sein dürften.

Wie die beiden Ökonomen Charles Goodhart und Manoj Pradhan in ihrem ausgezeichneten neuen Buch «The Great Demographic Reversal» aufzeigen, ist die Inflation in den letzten Jahrzehnten vor allem wegen der Globalisierung und des Einflusses Chinas gesunken. Der wachsende internationale Wettbewerbsdruck hat es Unternehmen erschwert, höhere Preise durchzusetzen. Hunderte von Millionen durch den Eintritt Chinas neu auf die globalen Märkten strömenden Beschäftigten haben weltweit für Lohndruck gesorgt, was eine Inflation über höhere Arbeitskosten ebenfalls verhindert hat.

Das dürfte vorbei sein. China will sich auf seinen Binnenmarkt konzentrieren, und eine Tendenz zur lokalen Produktion und Abkehr von der Globalisierung ist auch überall sonst zu beobachten. Die Corona-Krise befeuert diese Entwicklung. Und in den reichen Ländern verringert der demografische Wandel das Arbeitskräftepotenzial weiter. Die gewachsene Macht grosser Konzerne resultiert überdies in einem geringeren Wettbewerbsdruck weltweit. Das alles lässt künftig höhere Preise, Löhne und eine stärkere Inflation erwarten.

Wenn dies geschieht, sind die meisten Notenbanken zu einer Schubumkehr mit höheren Leitzinsen verpflichtet. Nach Jahrzehnten mit Zinssenkungen droht dann ein Schock, weil viele private und öffentliche Schuldner nicht auf eine solche Entwicklung vorbereitet sein dürften. Aktuell zeigen die Zins- und Inflationsdaten noch nach unten. Wie auch die Geschichte zeigt, bieten gewohnte Umstände keine Sicherheit gegen einen scharfen Wandel. Das ist keine Prognose, nur eine Ermahnung.

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13 Kommentare
    Josef Marti

    Schuldenabbau ist nur realistisch mit einem allgemeinen Schuldenschnitt resp Guthaben cut welcher die PK Vermögen des Mittelstandes entwertet. Somit stellt sich die Gretchenfrage und anspruchsvolle Kommunikations Aufgabe an die Politiker: Wie erkläre und überzeuge ich meine lieben Wähler (insbes. die noch nicht pensionierten) dass sie doch bitte länger arbeiten sollen um danach keine Rente zu bekommen; da sollte man doch eigentlich aus Gründen der Nachhaltigkeit wirklich Verständnis dafür aufbringen müssen, wie auch dafür dass sich Kantonsparlamentarier während der Pandemie rückwirkend selbst den Lohn erhöhen.