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Vor der Ruder-SM auf dem RotseeUnd wenn Corona wieder einen Strich durch die Rechnung macht?

Erstmals seit der Pandemie bestreiten die Schweizer Spitzenruderer wieder einen Wettkampf. In drei Wochen soll dann die EM folgen.

Nach langen Monaten der Corona-Pause kehren am Wochenende auch Jeannine Gmelin und die übrigen Mitglieder des Nationalkaders wettkampfmässig aufs Wasser zurück.
Nach langen Monaten der Corona-Pause kehren am Wochenende auch Jeannine Gmelin und die übrigen Mitglieder des Nationalkaders wettkampfmässig aufs Wasser zurück.
Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Schweizer Meisterschaften sind für Topruderer normalerweise vorab eine Möglichkeit, sich wettkampfmässig zu bedanken. Ihrem Stammclub etwas zurückzugeben, der sie über viele Jahre unterstützt hat, und zwar in Form eines Meister-Wimpels. So ist es für praktisch alle Nationalkadermitglieder und natürlich erst recht für Jeannine Gmelin. Die Ustermerin ist seit vielen Jahren eine Klasse für sich im Frauen-Einer der offenen Kategorie.

Dies wird auch diesen Sonntag nicht anders sein, wenn Gmelin zusammen mit vier Konkurrentinnen auf dem Rotsee an der Startlinie steht. Alles andere als ein diskussionsloser Sieg der 30-Jährigen wäre eine Sensation, ihre Gegnerinnen rudern einzig um Silber. Für Gmelin ist die Bedeutung des Anlasses aber grösser als in anderen Jahren: «Es geht darum, wieder einmal alle Abläufe eines Wettkampfs durchzugehen.»

Endlich wieder ein Wettkampf

Dieses Gefühl fehlt in diesem Jahr noch völlig. Im Januar war sie zwar vielversprechend gestartet, bei den Swiss Rowing Indoors, den nationalen Ergometermeisterschaften in Zug, verbesserte sie sogleich ihren eigenen Rekord. Doch dann, unmittelbar nach den Ausscheidungsrennen des Nationalteams in München und mitten in der vermeintlichen Olympiavorbereitung, kam der Lockdown, den sie zusammen mit ihrem Privattrainer Robin Dowell in Slowenien verbrachte. In einem Nationalpark konnte sie dort fokussiert arbeiten, seit einiger Zeit trainiert sie nun auf dem Rotsee. «Ich freue mich nun sehr, wieder einmal einen Wettkampf bestreiten zu können», sagt sie. Swiss Rowing darf mit dem Meldeergebnis sehr zufrieden sein: 590 Boote aus 53 Clubs werden sich von Freitag bis Sonntag in den unterschiedlichsten Kategorien messen.

Der Wettkampf auf dem «Göttersee» soll für Gmelin und 15 andere Athletinnen und Athleten gleichzeitig die Hauptprobe für die EM sein, die in diesem Jahr völlig unerwartet zum Hauptereignis wird. Swiss Rowing hat sieben Boote für den Wettkampf im polnischen Poznan selektioniert, der im Juni verschoben werden musste und neu auf den 9. bis 11. Oktober angesetzt wurde. Aufgrund der aktuellen Pandemie-Lage, speziell der europaweit unterschiedlichen Einreisemodalitäten und der in einigen Ländern zuletzt wieder deutlich gestiegenen Fallzahlen, scheint das letzte Wort bezüglich der endgültigen Durchführung noch nicht gesprochen.

An der Vorbereitung von Gmelin ändert dies aber nichts: «Ich bereite mich so vor, wie wenn die EM stattfinden wird. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.» Es ist eine Einstellung, die sie vielleicht auch im nächsten Sommer bezüglich der Olympischen Spiele in Tokio benötigen wird.