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Kolumne «Heute vor»Und plötzlich war alles für die Katz!

Zwei kuriose und haarsträubende Geschichten fanden sich im Januar 1911 in der «Zürichsee-Zeitung».

Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Aus dem Archiv der «Zürichsee-Zeitung».
Illustration: Olivier Samter

Man tratscht ja gerne über die anderen. Und erzählt sich, wer nun gerade mit wem neu liiert ist. Ein Phänomen der Neuzeit? Mitnichten. Solche «Neuigkeiten» wurden schon vor 110 Jahren geteilt, und das durchaus auch in der Zeitung, wie ein Blick ins Archiv des «Anzeigers des Bezirkes Horgen» aus dem Jahre 1911 zeigt. So wird von einem Volkszählungs-Kuriosum im Bezirkshauptort berichtet: «In unserer Gemeinde hält sich ein Ehepaar auf, dessen Zivilstandsverhältnisse erwähnt zu werden verdienen. Er und sie sind noch nicht 20 Jahre alt, er muss dieses Jahr seinen Rekrutendienst absolvieren. Trotz ihrer Jugend sind sie bereits einmal voneinander geschieden und nun schon zum zweiten Mal miteinander verheiratet.» Als «Gegenstück» erwähnt die Zeitung auch einen noch nicht 20-jährigen Rekruten, der zu Hause eine Frau und drei Kinder besass.

Durchaus zu Tuscheleien Anlass gegeben haben dürfte auch ein Beitrag in der rechtsufrigen «Zürichsee-Zeitung». «Seit dem Eintritt der strengeren Jahreszeit hört man hier öfters die Klage über das Abhandenkommen von Katzen.» Es seien «bezeichnenderweise» – wegen der Fleischkalamität – meist wohlgenährte Tiere, die vermisst würden. Die Zeitung berichtet auch über den aktuellen Fall eines hiesigen Einwohners, der «dieser Tage ein solch wohlgenährtes und hübsches ‹Büsi› an sich genommen und zweifelsohne zur Bereitung eines Bratens abgemurkst» habe. Das Fell dieses «Dachhasen», wie man eine Hauskatze damals auch nannte, habe der Mann einem anderen zum Kaufe angeboten. «Während nun die beiden über den Wert des Felles sich stritten, entdeckte der Käufer bei näherer Besichtigung, dass es das Fell seines geliebten ‹Büsi› war, und erstattete Anzeige wegen Diebstahls.» Der Dachhasenbratenliebhaber sei bereits in die «väterliche Behandlung und Obhut» des Statthalteramts genommen worden. «Wohl bekomm’s!», schreibt die «Zürichsee-Zeitung» dazu.