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Jugendliche vom See entwickeln AppUmweltschutz auf spielerische Art und Weise

Zwei Jugendliche aus der Region wollen mit einer Game-App die Umwelt retten. Doch zuerst müssen sie Geldgeber finden.

Rafael Haegi (links) und Johannes Aschoff hoffen, dass bald möglichst viele Leute die App «Envir» auf ihrem Telefon haben.
Rafael Haegi (links) und Johannes Aschoff hoffen, dass bald möglichst viele Leute die App «Envir» auf ihrem Telefon haben.
Moritz Hager

Letztes Jahr haben viele Jugendliche in der Schweiz an den Demonstrationen für die Umwelt teilgenommen. So auch Rafael Haegi aus Erlenbach und Johannes Aschoff aus Herrliberg. Doch demonstrieren war den beiden nicht genug. Sie möchten ganz konkret etwas für die Umwelt tun und, noch viel wichtiger: anderen Jugendlichen helfen, sich für die Umwelt einzusetzen. Während des letzten Jahres haben sie daher eine App namens «Envir» entwickelt. Der Name kommt von «environment», also dem englischen Wort für Umwelt.

In der App geht es darum, die guten Taten für die Umwelt auf spielerische Art und Weise zu animieren. Die Nutzer erhalten innerhalb des Spiels eine eigene Insel, die zu Beginn noch ziemlich eintönig ist. Das Ziel ist, die Insel immer schöner zu gestalten, indem man Pflanzen und Tiere hinzufügt. «Das Ziel ist, die grösstmögliche Biodiversität zu erreichen», erklärt Haegi. Dadurch sammelt man sogenannte Partikel. Wenn man eine bestimmte Menge Partikel eingesammelt hat, spendet die App einen Betrag an eine vom Nutzer ausgewählte Umweltorganisation. Das Geld dazu soll dereinst von Werbeeinnahmen kommen.

Änderungen im Verhalten

Mit der App sollen Nutzer auch zu konkreten Veränderungen im Alltag animiert werden. Dabei werden Aufgaben gestellt wie zum Beispiel, einen Tag vegetarisch zu essen oder das Velo anstelle des Autos zu nehmen. Für erfüllte Aufgaben gibt es wiederum Partikel. Die Ideen für diese Aufgaben haben die Jugendlichen aus ihrem Alltag, denn sie versuchen selbst umweltbewusst zu leben. «Als Ruderer haben wir einen sehr gesunden Lifestyle», meint Aschoff. Zudem versuchen sie möglichst keine abgepackten Produkte zu nutzen und regional einzukaufen. «Ich habe zu Hause vor kurzem die Plastiktrennung eingeführt», erklärt der 19-jährige Haegi.

Sie sind also mit Leidenschaft bei der Sache. So haben sie sich die Zeit genommen, die App neben Schule, Lehre und Rudertraining zu entwickeln. Die beiden sind aktive Mitglieder im Erlenbacher Ruderclub und trainieren pro Woche fünf- bis sechsmal während zweier Stunden. Trainiert werden sie vom Weltmeister Martino Goretti. Der 16-jährige Aschoff erinnert sich an einen Abend ganz besonders: «Nach dem Training musste ich mich wegen der Anstrengung übergeben, und gleich danach haben wir uns hingesetzt und noch bis um Mitternacht an der App gearbeitet.»

Hilfe bei der Fertigstellung

Im Moment existiert «Envir» aber erst als Prototyp. Aus dem Appstore herunterladen kann die App also noch niemand. Die Programmierkünste der beiden Freunde – die so nahe beieinander wohnen, dass sie sich von Balkon zu Balkon unterhalten können – reichen nicht aus dafür, die App fertigzustellen. Haegi hat sich in der Mediamatiklehre zwar Programmierkenntnisse und auch Aschoff im Gymnasium Hohe Promenade einige Informatikkenntnisse angeeignet. Aber mit den Programmiersprachen für Apps kennen sie sich nicht aus. Daher möchten sie nun einen Profi mit der Fertigstellung der App beauftragen. Doch das ist nicht ganz billig. Hinzu kommen die Kosten fürs Marketing und die Steuern, womit sie auf einen Betrag von über 19’000 Franken kommen.

Daher haben sie kurz nach Ostern auf Kickstarter einen Aufruf gestartet, um das Geld durch Spenden zu sammeln. Als Belohnung für die Unterstützung winken verschiedene Dankesgeschenke: sogar ein Findling von einem Schweizer Gletscher ist für Geldgeber ab 9000 Franken zu haben. Doch während der Corona-Krise ist es schwierig, Interessenten zum Spenden zu animieren. «Im Moment haben die Leute keinen Kopf dafür», sagt Aschoff. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Jugendlichen noch kein fertiges Produkt anbieten können und dass die App auch noch gratis sein wird. Das heisst, Rabatte für Unterstützer kann es keine geben.

Das Geld erhalten die beiden nur, wenn der angepeilte Betrag während des Crowdfunding erreicht wird, ansonsten gehen sie leer aus. Doch für diesen Fall haben sie bereits einen Plan B. Sie werden dann versuchen, via soziale Medien das Interesse an ihrer App zu vergrössern, sodass sie danach an potenzielle Investoren herantreten und eine Nutzerbasis vorweisen können. Doch für den Moment hoffen sie, dass es mit Plan A klappt.

Mehr Informationen zur App finden Sie unter www.theenvir.com.