Zürich

Keine Liebe auf den ersten Blick

Zu den beiden männlichen Koalas im Zoo Zürich zogen vor Kurzem zwei Weibchen. Seither ist es vorbei mit der entspannten Partnerschaft der Junggesellen.

Noch wehrt das Koala-Weibchen Maisy (oben) die Annäherungsversuche von Mikey ab.

Noch wehrt das Koala-Weibchen Maisy (oben) die Annäherungsversuche von Mikey ab. Bild: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister

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Fressen, gähnen schlafen. Vielmehr haben die beiden Koala-Männchen Mikey und Milo im Australienhaus des Zoos Zürich nicht gemacht, seit sie vor 16 Monaten nach Zürich gekommen sind. Doch seit dem 8. Juli ist es vorbei mit der Beschaulichkeit. Dann zogen zwei Koala-Weibchen in die Junggesellen-WG ein – und nichts ist mehr wie zuvor.

Mikey und Milo werden seither in getrennten Bereichen gehalten, denn sind Weibchen da, werden aus den Kollegen trotz koalatypischer Sanftmütigkeit erbitterte Rivalen. Im den Besuchern zugängigen Innenbereich wohnen derzeit Mikey mit seiner neuen Partnerin Maisy. Während Maisy einen Ast umarmend tief schläft, döst Mikey in einer anderen Astgabel. Er hat den Besuchern den Rücken zugekehrt und Maisy das Gesicht – um reagieren zu können, falls sie sich regt.

Keine Partnerwahl

Die beiden kennen sich vielleicht schon aus Kindertagen. Denn wie Mikey und Milo stammen auch Maisy und das zweite Weibchen Pippa aus dem Australian Reptile Park nördlich von Sydney. Weil sie zum Teil aus den gleichen Familien kommen, konnten die Männchen ihre Partnerinnen nicht wählen. Das internationale Zuchtprogramm gab die beiden Paare vor, damit keine Inzucht entsteht.

Freudig war das Zusammentreffen von Mikey und Maisy in Zürich allerdings nicht. Lange haben sie sich ignoriert, bis er ihren Kot gerochen hat. Darauf brach er in Brunftrufe aus, was «kein Balsam für die Ohren» sei, wie Zoo-Kurator Robert Zingg gestern sagte. Das grunzende Brüllen klingt ähnlich wie das Wiehern eines Esels. Maisy krächzte zwar zurück, wehrte aber erste Annäherungsversuche von Mikey mit ihren scharfen Krallen ab. Einmal sei er sogar vom Baum gefallen, erzählt Zingg.

Erst Langeweile, dann Action: Das Zusammentreffen von Maisy und Mikey. Video: Zoo Zürich, Nicole Schnyder

Als eine Zoomitarbeiterin für die Besucher Mikeys Brunftrufe vom Handy abspielt, ist dieser in seiner Astgabel plötzlich hellwach, hebt den Kopf und spitzt die runden, flauschigen Ohren. Es könnte sich ja um einen Konkurrenten handeln, der ihm sein Weibchen streitig machen will.

Zweites Paar noch getrennt

Diese Angst ist unbegründet. Kollege Milo hält sich im Hintergrund auf und wird künftig in einem der beiden Aussenanlagen zu sehen sein – vorläufig alleine. Das zweite Weibchen Pippa sei noch nicht richtig angekommen, auch nachdem es die dreissigtägige Quarantäne verlassen habe, sagt Zingg. Während dieser Zeit gewöhnten sich die Weibchen an den Zürcher Dialekt und den Zürcher Eukalyptus.

Dieser sagt Pippa noch nicht so richtig zu. Ihr Gewicht sei nicht stabil, obwohl sie stetig zunehmen sollte. Sie wiegt auch erst halb so viel wie Maisy, die es als Brummer unter den vier Koalas auf 7,8 Kilos bringt. Pippa ist allerdings auch einiges jünger als ihre Kollegin. Sie wurde Ende 2017 geboren, während Mikey, Milo und Maisy alle 2016 zur Welt kamen. Deshalb ist Pippa auch noch nicht geschlechtsreif.

Sie wird einzeln gehalten, regelmässig gewogen und einmal täglich vom Tierpfleger auf den Arm genommen. Dieser kontrolliert Nacken, Nasenlöcher, Ohren und Pfoten, um zu erkennen, ob sie krank wird, da man dies den Tieren kaum ansieht. Koalas seien zwar selten krank, falls doch könne es aber schnell gefährlich werden, sagt Zoodirektor Alex Rübel.

Pippa und Maisy beziehen die Australienanlage. Video: Zoo Zürich, Nicole Schnyder

Als der Tierpfleger das jüngere Weibchen ins Gehege trägt, um es den Besuchern zu zeigen, blickt Pippa zwar ruhig in die Runde. Ihre Unsicherheit zeigt sich aber, indem sie dem Pfleger die Krallen ins T-Shirt gräbt.

Beobachtete Zweisamkeit

Auch wenn Mikeys Annäherungsversuche bisher gescheitert seien, signalisiere Maisy durchaus Interesse, sagt Zingg. Um über allfällige Paarungsaktivitäten im Bilde zu sein, lässt der Zoo die Zweisamkeit der beiden Koalas auch nachts mit Kameras überwachen. Gibt Maisy ihre Zurückhaltung auf, würde es dennoch einige Zeit dauern, bis junge Koalas in Zürich zu sehen sind. Nach rund 30 Tagen Tragzeit schlüpft das bohnengrosse Jungtier in den Beutel, wo es bis sieben Monate bleibt. Sobald es zu gross wird, kraxelt es auf den Rücken der Mutter.

Wie ihre männlichen Kollegen bleiben Maisy und Pippa in australischem Besitz. Sie sind in Zürich nicht nur knuffige Publikumsmagnete, sondern auch Botschafter für das Engagement des Zoos Zürich für die Organisation Australian Ark. Diese setzt sich für die Wiederansiedlung von stark bedrohten und auf dem australischen Festland ausgerotteten Beuteltieren wie dem Tüpfelbeutelmarder und dem Tasmanischen Teufel ein.

Die «Arche Noah für Beuteltiere», wie Rübel das Projekt nennt, zeigt bereits Erfolge. Dieses Jahr wurden dreissig Tüpfelbeutelmarder in einem eingezäunten Gebiet ausgewildert, wo sie vor Füchsen, verwilderten Hunden und Katzen geschützt sind. Alleine Katzen erlegen in Australien sechs bis sieben Millionen Wildtiere pro Tag.

Erstellt: 17.07.2019, 14:27 Uhr

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