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Zum Lesen in den Jahrhunderten

Die Zürcher Denkmalpflege veröffentlicht seit 1961 alle zwei Jahre einen Bericht. Gestern stellte sie Band 22 mit den Restaurierungen von 2013 und 2014 vor – darunter Helferei und Grossmünsterkapelle.

Blick ins Innere der Grossmünsterkapelle nach der 2014 beendeten Instandstellung. Foto: Kantonale Denkmalpflege
Blick ins Innere der Grossmünsterkapelle nach der 2014 beendeten Instandstellung. Foto: Kantonale Denkmalpflege

Nicht jedes Denkmal wird als solches erbaut. Auch bei der Helferei neben dem Zürcher Grossmünster war das nicht der Fall. Das Gebäude ist eines, dessen Restaurierung 2013 und 2014 von der Zürcher Denkmalpflege begleitet worden ist und somit Aufnahme fand in ihren aktuellen Bericht. Rund 36 ausgewählte Objekte aus dem ganzen Kanton sind darin ausführlich beschrieben.

Die Helferei besteht schon vor dem 13. Jahrhundert als mehrgeschossiger Steinbau. Schon damals ist es vermutlich das Haus ein Leutpriesters. Später wohnt Reformator Huldrych Zwingli darin. Mehrmals werden Teile angebaut und abgebrochen bis zur Aufhebung des Grossmünsterstifts 1832. Die Liegenschaft geht an den Kanton, der sie 20 Jahre später an die Kirchgemeinde Grossmünster verkauft. Es geschieht mit der Auflage, darin einen heizbaren Raum für Gottesdienste zu schaffen als Ersatz für den aufgehobenen Chor im Grossmünster. Womit gleich der nächste grössere Umbau ansteht.

Ineinandergeschoben

Architekt Johann Jakob Breitinger sorgt mit einem Trick für Extra-Platz in der neuen Kapelle. Er schiebt sie sozusagen in das bestehende Helfereigebäude hinein, wie Roger Strub gestern ebendort an der Vernissage für den Bericht ausführte. Er ist Leiter des Ressorts Bauberatung in der Denkmalpflege, die zusammen mit der Kantonsarchäologie eine Abteilung im Amt für Raumentwicklung bildet.

Die Kapelle ist als Vorbau mit dem Helferei verbunden. Ihr Innenraum erstreckt sich ins ursprüngliche Gebäude hinein und nimmt zuhinterst dessen untere zwei Stockwerke fast vollständig ein. Die Kanzel befindet sich somit im historischen Teil der Helferei. Von diesem her lässt sie sich ebenerdig betreten.

Änderungen bis heute

Die Beliebtheit der 1860 eingeweihten Kapelle ist nicht von Dauer. 1960 muss sie wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Die Kirchgemeinde hegt Neubaupläne. Diese stossen auf Widerstand. 1964 untersagt die Stimmbevölkerung den Abriss. Es folgt die Restaurierung nach Plänen des Architekten Manuel Pauli.

Sein Ansatz ist bereits modern, erklärte Strub. Pauli setzt sich stark mit der Geschichte des Hauses auseinander. Dennoch ändert er während des Umbaus 1972 bis 1974 einiges ab. Der Historismus aus der Entstehungszeitszeit der Kapelle gefällt nicht mehr, Pauli tempiert ihn ab. In allem hält er sich aber an zwei Prinzipien: Die Änderungen sollen sichtbar sein, man soll sie rückgängig machen können.

Und mit der nun jüngsten Sanierung wurde auch tatsächlich einiges rückgängig gemacht. Einiges wurde neu interpretiert. So erstrahlt die Kapelle wieder in Farbigkeit. Die Staffelfenster neben der Kanzel präsentieren sich neu künstlerisch verziert, das Foyer wieder ohne Zwischenboden.

Wenn die nächste Sanierung ansteht, wird womöglich wieder einiges geändert. Entscheidend ist, dass die Geschichte des Baus greifbar bleibt. Der Bericht trage dazu bei, sagte Thomas Müller, Leiter Ressort Dokumentation.

Digitale Datenbank

Kirchenbauten bilden einen Schwerpunkt des aktuellen Berichtes, führte Müller aus. Er erwähnte entsprechende Vorhaben in Dättlikon, Hinwil, Pfungen, Wetzikon und Veltheim. Aber auch Projekte der Infrastruktur werden beleuchtet, etwa der erste Kontrollturm auf dem Flugplatz Dübendorf von 1941.

Die Restraurierung eines Denkmals könne sein wie das Lesen der Jahrhunderte in einem Buch, sagte Müller. Künftige Generationen können die Geschichte jedes Zürcher Denkmalobjekts auch digital abrufen. Die entsprechende Datenbank ist 2017 in Betrieb genommen worden.

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