Wetter

Zu warm auf der Lägern, zu kalt am Flughafen

Der Winter 2016/2017 war im Flachland kälter als im langjährigen Mittel. Wegen des häufigen Hochdruckwetters sieht die Sache aber in den höheren Lagen ganz anders aus.

Blick von der Lägeren-Hochwacht auf das Nebelmeer im Unterland: So präsentierte sich der vergangene Winter hier oft.

Blick von der Lägeren-Hochwacht auf das Nebelmeer im Unterland: So präsentierte sich der vergangene Winter hier oft. Bild: Archiv ZU / David Baer

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Auf den Bergen ist es im Winter kalt und es liegt Schnee – im Flachland ist es hingegen milder und es bleibt meistens grün. Diese Regel gilt in der kalten Jahreszeit in unseren Breitengraden. Meistens. Denn der kürzlich zu Ende gegangene Winter 2016/2017 tanzt diesbezüglich aus der Reihe.

Wie das aktuelle Klimabulletin von Meteoschweiz zeigt, war es diesmal sogar umgekehrt. Während die Tages-Durchschnittstemperatur von Dezember bis Februar im Flachland unter dem langjährigen Mittel lag, resultierte in den Berglagen ein Temperaturüberschuss. Oder anders formuliert: Auf der Lägern war dieser Winter zu warm – am Flughafen Zürich aber zu kalt (siehe Tabellen).

Wintertemperatur 2016/2017 (Dez-Feb)

Station Temperatur-Ø Abweichung
1. Kloten (426m) 0.3 -0.2
2. Hörnli (1132m) 0.5 1.1
3. Wädenswil (485m) 0.9 -0.2

Besonders ausgeprägt war dieser Zustand im ersten der drei Wintermonate. Die Wetterstation auf der Lägern (845 Meter) verzeichnete im Dezember eine Tages-Durchschnittstemperatur von 1.1 Grad und 152 Sonnenstunden. Das entspricht einem Temperaturüberschuss von 1.3 Grad im Vergleich zur Norm – und dem dreifachen dessen, was normalerweise an Sonnenstunden erwartet werden kann. Noch krasser fällt die Bilanz auf dem Hörnli (1132 Meter) aus. Dort wurde im Dezember sogar ein Temperaturüberschuss von 3 Grad erreicht.

Sonnenscheindauer Winter 2016/2017 (Dez-Feb)

Station Sonnenscheindauer Abweichung
Hörnli (1132m) 339.7 h 145 %
Lägern (845m) 319.9 h 164 %
Wädenswil (485m) 200.2 h 118 %

Einige hundert Höhenmeter weiter unten, am Flughafen Kloten, war der Dezember hingegen deutlich kälter und bewölkter: Hier resultiert eine Durchschnittstemperatur von 0,1 Grad (-1.3 Grad im Vergleich zur langjährigen Norm) und eine Sonnenscheindauer von 70 Stunden. Während Berggänger sich also das Gesicht von der Sonne wärmen lassen konnten, schlotterten die Flachländer gleichzeitig bei Minustemperaturen.

Wie kommt so etwas zu Stande?

«Diese markanten, regionalen Temperaturunterschiede sind typisch für diesen Winter», sagt Stephan Bader, Klimatologe von Meteoschweiz. Der Winter 2016/2017 war mehrheitlich von trockenen und stabilen Wetterlagen geprägt. Tiefdruckgebiete, die im Winter normalerweise Wind und Niederschlag bringen, wurden oftmals vom hartnäckigen Hochdruckwetter fern gehalten oder in ihrer Wirkung abgeschwächt.

Oben mild, unten kalt

Das wiederum führte zu einem im Winter ebenfalls typischen Phänomen: Sogenannten Inversionswetterlagen. Wenn wenig Bewegung in der Atmosphäre herrscht, kühlen die Luftmassen sich in den langen Winternächten in Bodennähe stark aus. So bilden sich mit der Zeit regelrechte Seen aus Kaltluft, die tagsüber von der schwachen Wintersonne nicht erwärmt und «ausgeräumt» werden können. Folge: Die oberen Luftschichten (also zum Beispiel auf der Lägern) sind wärmer als die unteren (also in Kloten).

Wenn dieser Zustand dann über einen längeren Zeitraum anhält – wie es in diesem Winter der Fall war – können die Temperaturen im Flachland am Ende tatsächlich tiefer ausfallen als in den Berglagen bis etwa 1500 Meter über Meer.

Immerhin: Im Januar wurde diese «verkehrte Welt» dann wieder während einiger Wochen korrigiert. Kalte Polarluft liess die Temperaturen standesgemäss in allen Höhenlagen sinken, bevor sich gegen Ende des Monats erneut eine Inversionslage ausbildete. Der Januar war am Ende der kälteste seit 30 Jahren.

Im milden und von Westwind und Föhn geprägten Februar verabschiedete sich der Winter dann bereits frühzeitig aus dem Flachland. (zsz.ch)

Erstellt: 22.03.2017, 15:03 Uhr

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