Rapperswil-Jona

Wilder Waschbär soll gefangen werden

Ein Anwohner hat einen Waschbären in seinem Garten gefilmt. Woher das Tier stammt, ist nicht klar. Der Wildhüter versucht nun, das Tier zu fangen. Gelingt dies, bedeutet das für den Waschbären womöglich den Tod.

In Lorenz Vollenweiders Garten tappte nachts ein Waschbär vor die Infrarotkamera.

In Lorenz Vollenweiders Garten tappte nachts ein Waschbär vor die Infrarotkamera. Bild: Lorenz Vollenweider

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Der Rapperswiler Lorenz Vollenweider staunte kürzlich nicht schlecht. In der Nacht hatte er seine Infrarotkamera mal wieder im Garten platziert. «Ich wollte sehen, wie der Marder an den Kompost kommt», sagt er. Die Kamera nahm aber eine Überraschung auf: Gegen 2.45 Uhr tappte ein Waschbär vor die Linse. Er kletterte seitlich am Kompostbehälter hinauf, um daraus zu naschen.

«Wir haben die Kamera vor einigen Jahren gekauft, weil wir sehen wollten, welches Tier sich an unserem Aprikosenbaum bedient», sagt Vollenweider. Das sei ein Marder gewesen. «Bisher waren immer nur Füchse, Katzen oder Marder auf den Videos. Der Waschbär war eine echte Überraschung.» Über die ungewöhnliche Beobachtung informierte Vollenweider am Mittwoch den Wildhüter.

Gleich in der nächsten Nacht liess sich der Waschbär wieder in Vollenweiders Garten, der zwischen Sonnenhof und den Schrebergärten an der Bildaustrasse liegt, blicken. Dieses Mal entfernte er ein Brett an der Seite des Komposts, um besser an den Inhalt zu kommen.

Gebietsfremde Tiere

Dominik Thiel, Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei, ist nicht erfreut über die Entdeckung und fragt sich, wo das Tier herkommen könnte: «Da es in der Schweiz keine Nachweise einer Fortpflanzung wild lebender Waschbären gibt, vermute ich, dass es aus einer Haltung entwichen ist oder illegal ausgewildert wurde.»

Lorenz Vollenweider stellte in seinem Garten eine Infrarotkamera auf. Bild: Christine Schibschid

Thiel unterstreicht, dass die Haltung von Waschbären bewilligungspflichtig sei und ein Ausbrechen gemeldet werden müsse. Waschbären seien gebietsfremde Tiere, die aus Nordamerika stammten. «Sie können einheimische Arten verdrängen.»

Der Waschbär sollte sich in seinem eigenen Interesse jedenfalls lieber nicht mehr in Vollenweiders Garten blicken lassen. Neben dem Kompostbehälter hat Wildhüter Benedikt Jöhl eine Falle aufgestellt. In dem Drahtkäfig liegen Nüsse und ein Brot mit Ovi-Creme. So etwas mag der Waschbär. Vor der Falle hat Jöhl eine Kamera mit Bewegungsmelder installiert. Er kann also mitverfolgen, wenn ein Tier sich nähert.

Vermisst jemand das Tier?

Doch was geschieht, wenn der Waschbär in die Falle geht? «Wir müssen abklären, ob das Tier irgendwo ausgerissen ist», sagt Jöhl. Falls es jemand vermisst, würde mit dem Halter Kontakt aufgenommen. Andernfalls sieht es nicht gut aus für den Waschbären: «Wir würden ihn aus der Wildbahn entnehmen, ihn euthanasieren», sagt Jöhl. Das heisst nichts anderes, als dass der Waschbär getötet würde.

Möglicherweise wird es aber gar nicht so einfach, das nachtaktive Tier zu schnappen, sagt der Wildhüter. «Ein Waschbär ist sehr mobil und aktiv. In Rapperswil-Jona hat er viele Möglichkeiten, sich zu ernähren.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.05.2019, 08:41 Uhr

Ein seltenes Tierin der Schweiz

Nach Angaben der Stiftung Kora (Kompetenzzentrum für Raubtierökologie und Wildtiermanagement) entwickelte sich die Waschbärenpopulation in Europa aus Tieren, die aus Pelztierfarmen entwichen oder zu Jagdzwecken vorsätzlich freigelassen wurden. Demnach entstanden frei lebende Populationen in mehreren Ländern, vor allem in Deutschland. Seit 1976 werden Waschbären auch in der Schweiz festgestellt.

Die Beobachtungen deuten laut Kora auf eine Ausbreitung hin. Über Reproduktion und Populationsgrösse ist aber nichts bekannt. «Sicher ist der Waschbär in der Schweiz nach wie vor ein seltenes Tier», heisst es. Als gebietsfremde Art dürfe er ganzjährig ohne Schonzeit gejagt werden. Waschbären gibt es vor allem im Norden der Schweiz, wie eine Verbreitungskarte des Zentrums für die Kartografie der Fauna zeigt. (sch)

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