Prozess

Voyeur filmte über Jahre hinweg nackte Teenager

Ein Voyeur hat vor allem in Herrliberg und Zürich nackte Mädchen und Frauen durch ihre Zimmerfenster gefilmt. Das Gericht hat ihn zu einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten verurteilt.

Am Dienstag stand ein Voyeur vor dem Zürcher Bezirksgericht. Ungewöhnlich war die Zahl der Delikte und der lange Zeitraum. Bild: Themenbild: Keystone

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Es sind Szenen, die man aus Horrorfilmen kennt. Es ist dunkel. Die junge Frau befindet sich in ihrem Zimmer und kleidet sich um. Die Musik kündigt Dramatisches an. Da raschelt die Jalousie und plötzlich taucht eine bärtige Fratze hinter dem Fenster auf. Bloss: In diesem Fall ist es die harte Realität.

Zwischen August 2011 und seiner zweiten Festnahme Anfang September 2018 hat Voyeur T.A. an 18 Adressen vorwiegend in Herrliberg und in der Stadt Zürich rund 80 mal zugeschlagen. Sein Vorgehen war dabei immer ähnlich. Ein Fall, der sowohl durch die Dauer, wie durch die Häufigkeit der Delikte ungewöhnlich ist.

Opfer häufig minderjährig

Der Mann schlich sich an die Häuser heran, schob mit seinen Fingern die Storen von Kinderzimmern hoch und filmte häufig minderjährige Mädchen, manchmal junge Frauen, die sich gerade umkleideten oder zur Toilette gingen. Dabei zoomte der heute 43-Jährige in der Regel auf die nackten Brüste und den Genitalbereich seiner Opfer.

Das Filmmaterial speicherte er ab und bewahrte es auf. Am Dienstag musste sich der Mann wegen Pornographie, Nötigung, Hausfriedensbruch und Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte in diversen Fällen vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten.

Der Mann suchte die meisten seiner Opfer über Monate wiederholt auf. Einige der jungen Frauen bemerkten, wie er sich an den Storen zu schaffen machte und in ihr Zimmer starrte. Das versetzte sie in Angst und Schrecken. Sie fühlten sich bedroht, konnten nicht mehr schlafen, mussten die Fenster immer schliessen, verkrochen sich unter der Decke oder trauten sich nicht mehr im Zimmer Licht zu machen.

Die Eltern der betroffenen Mädchen und Teenager schafften blickdichte Vorhänge an, installierten Bewegungsmelder oder Überwachungskameras. An Badezimmerfenstern wurde Milchglasfolie angebracht.

Vier einschlägige Vorstrafen

Zwischen 2010 und 2016 hat der Beschuldigte vier einschlägige Vorstrafen kassiert. 2014 etwa wurde er erwischt, als er in einer S-Bahn unter einem Sitz liegend, einer Frau unter den Jupe filmen wollte. Alle vier Fälle wurden per Strafbefehl erledigt. Es kam nie zu einem gerichtlichen Verfahren.

Im Dezember 2017 überraschte man ihn in flagranti auf einem Gartensitzplatz in der Stadt Zürich. Zwei Tage und eine Hausdurchsuchung später liess man ihn wieder frei. Die Durchsuchung hatte zu wenig belastendes Material ergeben.

115 weitere Opfer?

Anfang September 2018 wurde der Mann erneut auf frischer Tat ertappt. Bei einer zweiten Hausdurchsuchung stiessen die Behörden auf Datenträger mit haufenweise Filmmaterial. So gelang es auch, 21 Opfer zu identifizieren. Die Staatsanwältin sprach von 115 weiteren Opfern, deren Identität man aber nicht herausfinden konnte. Ungeklärt ist zudem, ob der Beschuldigte in diesen Fällen tatsächlich der Täter ist.

Vor Gericht präsentierte sich der weitgehend geständige Beschuldigte – ein Bär von einem Mann mit langen dunklen Haaren und einem Bart – im Schlabberlook. Er trug einen schwarzen Pullover, graue Trainerhosen und Adidas-Turnschuhe.

Laut einem psychiatrischen Gutachten ist der Beschuldigte trotz Borderlinepersönlichkeit, narzisstischer Störung und Voyeurismus voll schuldfähig.

In der Befragung stellte sich der Beschuldigte als Opfer dar. Er, der seinen Job verloren hat und Sozialhilfe bezieht, werde auf dem Sozialamt erniedrigt. «In Haft geht es mir besser als im Terror der Gesellschaft, dem ich draussen ausgesetzt bin», sagte der 43-Jährige.

Delikte trotz Therapie

Er leide selber unter seinem krankhaften Voyeurismus. Dieser komme zum Ausbruch, wenn er besonders unter Stress stehe. Sein Mandant habe sich um eine ambulante Therapie bemüht, damit er lerne mit seiner Veranlagung umzugehen, führte der Verteidiger ins Feld.

Zwischen 2012 und 2015 erhielt der Beschuldigte bereits eine solche Therapie. Von weiteren Delikten im selben Zeitraum liess er sich indes nicht abhalten.

Der Verteidiger forderte für die ältesten Vorfälle Freisprüche wegen Verjährung. Zudem bestritt er sowohl die Nötigung als auch die Hausfriedensbrüche. 21 Monate Freiheitsstrafe seien angemessen.

Das Gericht folgte den Argumenten des Verteidigers nur teilweise und fällte eine unbedingte Freiheitsstrafe von 48 Monaten. Einzig vom Vorwurf der Nötigung sprach es den Beschuldigten frei. Einem Voyeur sei ja gerade daran gelegen, dass seine Opfer ihr Verhalten nicht ändern würden. Andernfalls könne er seinen Voyeurismus nicht mehr befriedigen.

Ein paar der Vorfälle sind tatsächlich verjährt. Die Hausfriedensbrüche wurden weitgehend, die übrigen Vorwürfe durchs Band bestätigt. Einige der Opfer erhalten Genugtuungen von 4000 oder 5000 Franken. Der Verteidiger kündigte noch im Gerichtssaal Berufung an.

Erstellt: 28.01.2020, 21:23 Uhr

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