Vergiftungen

Viele Pilzvergiftungen bei Kindern

Trotz des Hitzesommers und der extremen Trockenheit wurden im Kanton Zürich bis Ende August mehr Pilzvergiftungen registriert als im Vorjahreszeitraum. Betroffen sind offenbar vor allem Kinder.

Von harmlos bis tödlich: Bei Rasenpilzen gibt es die ganze Bandbreite.

Von harmlos bis tödlich: Bei Rasenpilzen gibt es die ganze Bandbreite. Bild: Pixabay

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Laut der nationalen Giftberatungsstelle Tox Info Suisse (Notfallnummer 145) verzeichnete man bis Ende August im Kanton Zürich 54 Anrufe wegen Pilzvergiftungen (Vorjahr: 46 Anrufe). Die Fallzahl irritiert. Zumindest mit Blick auf die Witterung der letzten Monate. Wie ist es möglich, dass es trotz der anhaltenden Trockenheit während des diesjährigen Sommers, bis jetzt mehr Vergiftungsfälle mit Pilzen gegeben hat als im gleichen Zeitraum des Rekordjahres 2017? Denn bei solch trockenen Bedingungen wie in diesem Jahr wachsen im Normalfall kaum noch Pilze.

Klar ist: Tox Info Suisse hat die meisten Vergiftungsfälle zwischen Ende April und Mitte Juli verzeichnet. In einem Zeitraum also, in dem vor allem viele Rasenflächen noch genug Restfeuchte aufwiesen – oder bereits bewässert wurden, so dass die Pilze zumindest dort weiterhin gut gedeihen konnten. «In dieser Zeit erhielten wir besonders viele Telefone von besorgten Eltern, weil ihr Kind einen Rasenpilz in den Mund genommen oder gegessen hatte», sagt Katharina Schenk-Jäger, Ärztin und Pilzfachfrau bei Tox Info Suisse.

Tödliche Gefahr

Glücklicherweise habe man jedoch im Kanton Zürich im laufenden Jahr bis jetzt noch keine schweren Pilzvergiftungen zu verzeichnen gehabt. «Gesamtschweizerisch ist uns bis jetzt erst ein Fall von einer Person bekannt, die einen hochgiftigen Knollenblätterpilz gegessen hat», sagt Schenk-Jäger. Diese Person habe jedoch Glück gehabt – und überlebt.

«Auch bei Rasenpilzen gibt es die ganze  Bandbreite von  harmlos bis tödlich.»Katharina Schenk-Jäger, Ärztin bei Tox Info Suisse

Eltern, deren Kinder Rasenpilze gegessen haben, handelten so oder so richtig, wenn sie sich rasch mit Tox Info Suisse in Verbindung setzten, sagt Schenk-Jäger, die neben ihrem Engagement bei der Giftberatungsstelle auch noch als diplomierte Pilzkontrolleurin tätig ist. «Denn auch bei Rasenpilzen gibt es die ganze Bandbreite von harmlos bis tödlich.»

Aktivkohle kann helfen

Am Telefon versuche man mit den Eltern jeweils zu verifizieren, wie gross die Menge ist, die das Kind gegessen hat. «Gegebenenfalls empfehlen wir die Gabe von Aktivkohle und den Beizug eines Pilzkontrolleurs, um die Pilzart zu bestimmen.»

Da die Hochsaison der Pilzler erst jetzt begonnen hat, erwartet Tox Info Suisse in den kommenden Tagen und Wochen eine Zunahme der Anrufe. Denn die Erfahrung zeige: Je mehr Pilze es gibt, desto mehr Vergiftungen werden registriert, sagt Schenk-Jäger. Im Flachland sei die Ausbeute derzeit regional sehr unterschiedlich, insgesamt aber immer noch ziemlich bescheiden. Enorm viele Pilze gebe es hingegen bereits im Voralpengebiet auf einer Höhe zwischen 1000 bis 1200 Meter Höhe, weiss die Pilzfachfrau.

Appell der Ärztin

Schenk-Jäger weist darauf hin, dass sich viele Pilzsammler in Sachen Pilzkunde nach wie vor überschätzten. Vor allem die selbsternannten Pilzexperten. «Wir raten deshalb grundsätzlich allen Pilzsammlern ihre Pilze immer einer Pilzkontrollstelle zu zeigen.» Das Motto laute deshalb: «Lieber zur Pilzkontrolle als ins Spital.»

Erstellt: 05.09.2018, 11:58 Uhr

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