Winterthur

Verwirrung um Jihad-Reisenden

Entgegen verschiedener Medienberichte bleibt der Winterthurer Ahmed J. unter der Aufsicht der Kantonspolizei.

Ahmed J. am Bundesstrafgericht in Bellinzona. Er wurde zu 18 Monaten bedingt verurteilt.

Ahmed J. am Bundesstrafgericht in Bellinzona. Er wurde zu 18 Monaten bedingt verurteilt. Bild: Keystone

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Der Winterthurer Ahmed J. wurde im April 2015 am Flughafen Zürich festgenommen, weil er nach Syrien wollte, um als Märtyrer zu sterben. Deshalb verurteilte ihn das Bundesstrafgericht kürzlich zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Weil sein Verteidiger eine schriftliche Begründung des Urteils verlangt, sei Ahmed J. derzeit und erstmals seit seiner Festnahme ohne behördliche Aufsicht, vermeldete die «NZZ» heute. Sie stützte sich dabei auf eine Aussage der Medienstelle des Bundesstrafgerichts, wonach «die Problematik dem Gericht bewusst» sei.

Information stimmt nicht

Die Nachfrage beim Verteidiger und bei der Kantonspolizei zeigt nun aber, dass diese Darstellung falsch ist. «Das bisherige Betreuungsmandat durch die Polizei wird erst mit dem rechtskräftigen Urteil beendet, was zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht der Fall ist», sagt der Verteidiger des 26-Jährigen auf Anfrage. «Die weitere Betreuung ist sichergestellt und funktioniert.»

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt den Sachverhalt. «Mindestens bis zum Beginn der Bewährungshilfe durch das Amt für Justizvollzug (sobald Urteil die Rechtskraft erlangt) begleiten Spezialisten der Kantonspolizei Zürich den Beschuldigten weiter», schreibt eine Kapo-Sprecherin. Über Umfang und Art der Begleitung könne man keine weiteren Angaben machen.

Bewährungshilfe verzögert sich

Ahmed J. unterstand nach seiner Freilassung aus der Untersuchungshaft einer Meldepflicht. Seit deren Aufhebung im Oktober 2015 begleitet ihn ein Kapo-Mitarbeiter der Präventionsabteilung Gewaltschutz. Dieses Betreuungsverhältnis wird erst mit der Bewährungshilfe, welche das Bundesstrafgericht auferlegt hat, aufgehoben - und nicht wie dargestellt mit dem nicht rechtskräftigen Urteil.

Bis die Bewährungshilfe installiert ist, dürften mehrere Monaten vergehen, nachdem der Verteidiger des Winterthurers die schriftliche Urteilsbegründung verlangt hat. Nach Vorliegen des schriftlichen Urteils beginnt die Beschwerdefrist von neuem. Ob er und sein Mandant einen Rekurs einlegen werden, lässt der Verteidiger noch offen.

«Absolut keine Gefahr»

Die NZZ hatte in ihrer Meldung auf das Attentat in der Normandie vom Dienstag verwiesen, bei der ein Hilfspriester getötet wurde. Einer der zwei Attentäter ist gemäss Medienberichten ebenfalls ein verhinderter Jihad-Reisender, der zwei mal erfolglos versuchte, nach Syrien zu reisen. Er wurde am 14. Mai 2015, also einen Monat nach Ahmed J., am Flughafen in Genf verhaftet. Er trug eine elektronische Fussfessel.

Der Verteidiger von Ahmed J. bestreitet, dass es im Fall des Winterthurers zu Parallelen kommen könnte. «Von meinem Mandanten geht absolut keine Gefahr aus», sagt er. «Er war in seinem ganzen Leben nicht gewalttätig und es deutet gar nichts darauf, dass er es werden wird.»

Erstellt: 27.07.2016, 11:37 Uhr

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