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Verteidiger bringt «Totschlag» ins Spiel

Vor dem Bezirksgericht Pfäffikon haben die Parteien ihre Plädoyers gehalten. Der Verteidiger des 21-jährigen Beschuldigten hat dabei neu die Tatqualifikation «Totschlag» ins Spiel gebracht. Für den Staatsanwalt handelt es sich um Mord.

Am Mittwoch haben die Parteien vor dem Bezirksgericht Pfäffikon ihre Plädoyers gehalten.
Am Mittwoch haben die Parteien vor dem Bezirksgericht Pfäffikon ihre Plädoyers gehalten.
Keystone

Es sei «unendlich tragisch», dass es so weit gekommen sei, sagte der junge Mann am Ende der Hauptverhandlung. «Nichts auf der Welt rechtfertigt, was ich getan habe«. Seine Schuld werde ihn bis ans Lebensende verfolgen.

Er wünschte, sagte der Beschuldigte, er hätte seinen Vater so kennengelernt, wie seine Freunde ihn kannten: freundlich, hilfsbereit, zuverlässig - ein Vater der sich kümmert.

Der damals 19-jährige Velomechaniker-Lehrling hatte am 31. März 2015 in der gemeinsamen Wohnung seinen 67-jährigen Vater mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet. Die Tat war der Schlusspunkt einer Vater-Sohn-Beziehung, die geprägt war von Desinteresse, Verachtung und Demütigungen seitens des Vaters sowie ebenso permanentem wie erfolglosem Streben nach Anerkennung und Liebe seitens des Sohnes.

Dieser machte den Vater für den Tod der Mutter 2008 verantwortlich: Die Frau hatte sich nach der Scheidung zu Tode getrunken. Der Bub musste ohnmächtig zusehen. Bemühungen, den Vater zum Eingreifen zu veranlassen, liefen ins Leere.

Die Vernachlässigung, Lieblosigkeit und die Wutausbrüche des Vaters zu Hause standen in krassem Gegensatz zum Bild, das er gegen aussen abgab: Stets gut drauf und immer mit einem offenen Ohr für die Anliegen anderer. Dieser «Zweigesichtigkeit» begegne man im gesamten Verfahren, sagte Verteidiger Valentin Landmann.

Resultat anhaltender Verzweiflung

Sein Mandant wünsche, dass er eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung und eine Strafe von zehn Jahren beantrage, sagte Landmann. Er werde dies tun, lege dem Gericht aber nahe zu erwägen, dass die Tat lediglich «im Bereich des Totschlags» liegen könnte. Sie sei in einer entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung erfolgt und Resultat anhaltender Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit gewesen.

In seinem Plädoyer rollte Landmann nochmals die erbärmliche Kindheit und Jugend seines Mandanten auf, der niemals Liebe und Zuwendung erfahren habe. Der Streit und die Beleidigungen an jenem Märztag waren laut Verteidiger «der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte«.

Der Beschuldigte habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als den Vater zu töten. Im Schlafzimmer des Vaters holte er die Pistole und erschoss den im Fernsehsessel liegenden Mann von hinten. Wenig später stellte er sich der Polizei. Er legte ein umfassendes Geständnis ab und befindet sich bereits im vorzeitigen Strafvollzug. Auf eigenen Wunsch absolviert er eine Psychotherapie.

Ausgelöst von «Dutzendstreit«

Von Totschlag wollte Staatsanwalt Markus Oertle nichts wissen: Die Tat sei als Mord zu qualifizieren und mit 14 Jahren Freiheitsentzug zu bestrafen. Der Beschuldigte habe seinen nichts ahnenden Vater «von hinten meuchlings abgeknallt«. Er habe ihm nicht die Chance gegeben, sich zu verteidigen oder auch nur um Gnade und um Verzeihung zu bitten.

Auslöser sei «ein Dutzendstreit» gewesen, üblich zwischen einem Vater und seinem heranwachsenden Sohn. Es sei verständlich, dass der Vater sich aufgeregt habe über den Sohn, der wegen Unwohlseins nicht zur Arbeit ging, sondern «krank feierte und im Bett kiffte«. Das zeige, dass es dem Mann gerade nicht egal gewesen sei, was mit seinem Sohn gehe.

Ankläger als Opferanwalt

Sicher habe der Vater Fehler gemacht - wer mache keine? Sicher habe er den Sohn beleidigt - das sei aber verständlich. Er habe es «alles andere als einfach» gehabt, sagte der Staatsanwalt, der sich nach eigenen Worten «in die Rolle des Verteidigers des Opfers gedrängt» sieht. Er appellierte an das Gericht, sich nicht von Emotionen leiten zu lassen, sondern einzig auf Fakten abzustellen.

Der psychiatrische Gutachter hatte beim Beschuldigten keine schwere Persönlichkeitsstörung erkannt und ihm nur eine leicht verminderte Steuerungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt attestiert. Die Rückfallgefahr sei sehr gering.

Mit den Plädoyers und dem Schlusswort ist am Dienstagmittag die Hauptverhandlung zu Ende gegangen. Die Urteilseröffnung erfolgt voraussichtlich am Freitagnachmittag.

SDA/mst

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