Zoos

Tierischer Preisdschungel

Gerade in der ruhigeren Jahreszeit sind Zoos und Tierparks im Kanton Zürich und den angrenzenden Regionen ein besonders lohnendes Ausflugsziel. Dabei kann man nicht nur auf exotische Tiere stossen – sondern auch auf eine ebensolche Preispolitik.

Der Zoo – hier die Masoala-Halle – wird gemäss einer Umfrage «als die lohnendste Sehenswürdigkeit in der Stadt Zürich» taxiert.

Der Zoo – hier die Masoala-Halle – wird gemäss einer Umfrage «als die lohnendste Sehenswürdigkeit in der Stadt Zürich» taxiert. Bild: Keystone

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Zoos und Tierparks sind in der Regel immer einen Ausflug wert. Doch besonders jetzt, wenn der Herbst die Landschaften in leuchtende Farben taucht und sinnliche Ruhe verströmt, ist ein Spaziergang durch die Lebenswelten heimischer und exotischer Tiere ein besonders eindrückliches Erlebnis. Aber gratis ist heute fast nichts mehr zu haben. Das merkt man spätestens an den Kassen der jeweiligen Zoos und Tierparks. Keinen Eintritt verlangen derzeit nur noch der Wildpark Bruderhaus in Winterthur und der Wildnispark Zürich Langenberg in Langnau am Albis. Beide haben das ganze Jahr über geöffnet. Für das Parkieren wird im Wildnispark jedoch eine pauschale Gebühr für jeweils 24 Stunden erhoben (CHF 10.– im Langenberg, CHF 5.– im Sihlwald).

Teuerster Zoo der Schweiz

Alles andere als gratis ist hingegen der Eintritt in den Zoo Zürich. Der Tiergarten wird zwar über die Landesgrenzen hinaus für seine vorbildliche Tierhaltung gelobt. Und von rund 1000 befragten Personen – in einer nicht repräsentativen Umfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet – bezeichneten im letzten Jahr eine klare Mehrheit den Zoo «als die lohnendste Sehenswürdigkeit in der Stadt Zürich». Gleichzeitig erachteten jedoch über 70 Prozent die Eintrittspreise als zu hoch. Die Befragten waren lediglich bereit, einen Preis unter 15 Franken zu bezahlen.

Der tatsächliche Eintrittspreis in den Zoo Zürich ist mit 26 Franken (Erwachsene) fast doppelt so hoch wie gewünscht. (Zoo Basel: 21 Franken; Walter Zoo in Gossau: 20 Franken; Plättlizoo in Frauenfeld: 14 Franken; Tierpark Dählhölzli in Bern: 10 Franken). Der Zürcher Zoo ist damit mit Abstand der teuerste Zoo der Schweiz.

«Im krassen Widerspruch»

Die Bezeichnung «lohnendste Sehenswürdigkeit der Stadt Zürich», schmeichelt zwar Zoo-Kurator Robert Zingg. Dass jedoch offenbar gleichzeitig so viele Menschen der Ansicht sind, die Eintrittspreise seien zu hoch, steht seiner Ansicht nach «im krassen Widerspruch zu den Besucherzahlen und der hohen Akzeptanz, die wir erfahren».

Zingg räumt zwar ein, dass der Zoo Zürich «als meistbesuchte Kulturinstitution der Schweiz» für sein Betriebsbudget Subventionen von Stadt und Kanton erhalte. «Der Selbstfinanzierungsgrad des Zoos liegt aber bei gegen 80 Prozent, und darum spielen eben die Einnahmen aus den Eintritten eine wichtige Rolle.» Verminderte Einnahmen aus den Eintritten würden das Angebot einschränken «und auch dessen Qualität tangieren», ist Zingg überzeugt.

«Wir sind ein privates Unternehmen und damit klar gewinnorientiert.»Benjamin Sinniger, Direktor Knies Kinderzoo

Der Kurator des Zoo Zürich versucht auch die Tatsache zu rechtfertigen, dass man – im Unterschied zum Zoo Basel oder zum Tierpark Dählhölzli – keine Ermässigungen für Menschen im AHV-Alter vorsieht. Es gebe eine Reihe von Möglichkeiten (unter anderem RailAway-Kombiangebote, Aktionen der Hauptsponsoren und Jahreskarten) den Zoo Zürich zu vergünstigten Konditionen besuchen zu können, sagt Zingg. «Aus diesem Grund wurde bereits vor rund 15 Jahren entschieden, auf spezifische Vergünstigungen für Menschen im AHV-Alter zu verzichten.»

Erfreulich ist hingegen, dass man im Zoo Zürich erst ab 25 Jahren erwachsen ist. Und dass deshalb Jugendliche von 16-24 einen ermässigten Eintrittspreis zahlen (19 statt 26 Franken).

Kritik an Kinderzoo-Preisen

Ganz anders verhält es sich in Knies Kinderzoo in Rapperswil. Obschon man laut Gesetz eigentlich erst mit dem 18. Geburtstag als erwachsen und mündig gilt, zahlt man im Ostschweizer Zoo bereits ab dem 16. Geburtstag den vollen Preis für Erwachsene (19 Franken). Allerdings gibt es in der Schweiz auch noch andere Zoos und Tierparks, die 16-Jährige in Sachen Eintritt bereits als Erwachsene «anerkennen».

Wirklich unzufrieden sind einzelne Kundinnen und Kunden aber offenbar vor allem mit der Preispolitik. Auf Bewertungsportalen wie «Tripadvisor» machen sie ihrem Ärger Luft. «Seit der Kinderzoo das neue Elefantengehege eingeweiht hat, sind die Eintrittspreise für Erwachsene um fünf Franken erhöht worden», monierte beispielsweise eine Frau im Juli diesen Jahres. Und: «Vor der Eintrittserhöhung war ich mit den Kindern jeweils einmal im Monat dort. Jetzt leisten wir es uns noch einmal im Jahr.» Andere kritisieren wiederum, dass man an der Zoo-Hauptkasse noch nicht einmal bargeldlos bezahlen könne.

Neuerung in Rapperswil

Benjamin Sinniger, Direktor von Knies Kinderzoo, nimmt die geäusserte Kritik ernst. Es sei richtig, dass man an der Hauptkasse bis jetzt nicht mit Karten bezahlen könne, räumt er ein. Allerdings sei es bereits heute möglich, die Tickets zuhause auszudrucken. Zudem gebe es ganz in der Nähe beim Zooeingang einen Bancomaten.

Dennoch verspricht Sinniger Besserung: «Ab der kommenden Saison wird man auch an der Hauptkasse mit EC- und Kreditkarten den Eintritt bezahlen können.» Zudem werde man dann schon bei den Parkplatz-Ticketautomaten die Eintritte für den Zoo mitlösen können. Was die Höhe der Eintrittspreise angeht, so verweist der Direktor des Kinderzoos auf den Umstand, dass der Kinderzoo kein staatlich subventionierter Zoo sei. «Wir sind ein privates Unternehmen und damit klar gewinnorientiert.» Sinniger bestätigt, dass die Eintrittspreise vor zwei Jahren angehoben worden sind. «Dabei vergisst man aber, dass die Preise über lange Zeit hinweg unangetastet geblieben sind.» Andererseits habe man in den letzten Jahren hohe Investitionen getätigt und nicht weniger als 15 neue Anlagen eröffnet.

«50 Franken für eine vierköpfige Familie ist nach wie vor ein fairer Preis», ist Sinniger überzeugt. Zudem erinnert er daran, «wie viel man heute bereit ist fürs Kino und Skifahren auszugeben».

Tierpark Goldau – was gilt?

Auch der bei den Zürcherinnen und Zürchern sehr beliebte Natur- und Tierpark in Arth Goldau lockt nicht gerade mit speziell günstigen Eintrittspreisen (Erwachsene zahlen 20 Franken). Was dort aber eher irritiert sind die Altersangaben zu den jeweiligen Einzeleintrittspreisen. So ist beispielsweise zu lesen, dass «Kinder (6-16 Jahre)» 10 Franken pro Eintritt bezahlen müssen.

Während mehrere andere Attraktionen in der Schweiz ebenfalls mit «6-16 Jahre» werben, aber dies mit «bis und mit 16 Jahre» übersetzen, will dies der Tierpark Goldau anders verstanden wissen. «6-16 Jahre heisst bei uns ab sechs Jahre bis und mit dem 15. Altersjahr», sagt Direktorin Anna Baumann. Da es beim Tierpark allerdings keine generelle Ausweispflicht gibt, bleibt derzeit offen, inwieweit der Park in den vergangenen Jahren aufgrund dieser Unklarheit Mindereinnahmen hatte. Baumann ist jedoch überzeugt, dass die Besucherinnen und Besucher den Altershinweis bisher nicht falsch verstanden haben. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 06.10.2017, 14:53 Uhr

Eintrittspreise und Öffnungszeiten im Überblick

Zoo Zürich
Erwachsene (ab 25 Jahren): CHF 26.–
Jugendliche (16–24 Jahre): CHF 19.–
Kinder (6–15 Jahre): CHF 13.–
Kinder unter 6 Jahren gratis
IV-Bezüger mit gültigem Ausweis: CHF 13.–
Familientageskarte (Lebenspartner mit eigenen Kindern, 6–15 Jahre): CHF 71.–
Preise der Jahreskarten: 70 bis 210 CHF.
Der Zoo Zürich hat 365 Tage im Jahr geöffnet. Von März bis Ende Oktober: 9–18 Uhr. Von November bis Ende Februar: 9–17 Uhr.

Knies Kinderzoo, Rapperswil
Erwachsene ab 16 Jahren: CHF 19.–
Erwachsene ab 16 Jahren mit gültigem IV-Ausweis: CHF 12.–
Kinder ab 4 Jahren: CHF 6.–
Geburtstagskinder bis 15: Gratis-Eintritt (bitte Ausweis mitbringen)
Die Saisonkarten variieren zwischen 70 und 140 Franken. Der Zoo hat von März bis Ende Oktober von 9–18 Uhr geöffnet.

Natur- und Tierpark Goldau
Erwachsene CHF 20.–
Schüler, Lehrlinge, Studenten (16–25 Jahre) «–25 Jahre» bedeutet bis und mit 24. Altersjahr. Ab dem 25. Geburtstag zahlt man den Preis für Erwachsene.
Kinder (6-16 Jahre) CHF 10.– (auch hier stehen die «16 Jahre» für bis und mit 15. Altersjahr)
Familienkarte CHF 55.–
Preise für Jahreskarten: Zwischen 95 und 135 Franken. Der Tierpark hat täglich ab 9 Uhr geöffnet. Werktags bis Ende Oktober noch bis 18 Uhr, am Wochenende bis 19 Uhr. Ab November bis Ende März bis 17 Uhr.

Der Eintritt in den Wildpark Bruderhaus in Winterthur (365 Tage/24 h) und den Wildnispark in Langnau am Albis (365 Tage/24 h) ist gratis. (tm)

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