Zürich

Autokauf stoppt Karriere von ERZ-Direktor Urs Pauli

Urs Pauli, Direktor von ERZ Entsorgung Recycling Zürich (ERZ), wird per sofort freigestellt. Die Stadt hat eine Strafanzeige eingereicht: Neu hat sich der Verdacht auf ungetreue Amtsführung im Zusammenhang mit der Anschaffung eines teuren Dienstfahrzeugs ergeben. Das Auto wurde im Jahr 2012 gekauft.

Knall im Zürcher Entsorgungsamt: Der Direktor des Zürcher Entsorgungsamtes Urs Pauli ist mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern freigestellt worden. Zudem wurde Strafanzeige gegen ihn eingereicht.

Knall im Zürcher Entsorgungsamt: Der Direktor des Zürcher Entsorgungsamtes Urs Pauli ist mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern freigestellt worden. Zudem wurde Strafanzeige gegen ihn eingereicht. Bild: Keystone

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Für Pauli gelte in Sachen Dienstfahrzeuge bis auf Weiteres die Unschuldsvermutung, sagte Paulis oberster Chef, Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP), Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartementes, am Montagvormittag vor den Medien. Pauli selbst nimmt am Nachmittag zu den Vorwürfen Stellung.

Wie Leutenegger weiter ausführte, hatte Pauli Ende 2012 einen BMW der oberen Preisklasse zum Preis von 127'000 Franken als Dienstwagen angeschafft. Gemäss Leutenegger widerrechtlich - denn Pauli habe sich die Genehmigung zur Nutzung als Dienstfahrzeug selbst ausgestellt. Leuteneggers Vorgängerin Ruth Genner (Grüne) habe keine Erlaubnis erteilt. Somit liege ein Straftatbestand vor.

Die entsprechenden Belege hat sich Leutenegger kommen lassen. «Sein Näsli» - sprich sein journalistisches Gespür - sowie Gerüchte hätten ihn zu dieser Autogeschichte geführt. Diese liege nun bei der Staatsanwaltschaft. Sollten noch weitere Belege auftauchen, werde man diese an die Untersuchungsbehörden weiterleiten.

Trennungsgespräche seit Januar

Der 58-jährige Pauli hat dem Stadtrat per Ende Jahr seinen frühzeitigen Altersrücktritt eingereicht. Der Stadtrat hat diesen bestätigt. Auf Antrag von Filippo Leutenegger (FDP), Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartementes, wurde Pauli mit sofortiger Wirkung von allen Ämtern freigestellt. Bereits seit Januar führte Leutenegger Trennungsgespräche, wie er sagte.

Leutenegger hat im Namen des Stadtrates gegen den ERZ-Direktor eine Strafanzeige wegen Verdachts auf ungetreue Amtsführung im Zusammenhang mit Dienstfahrzeugen eingereicht.

Immer wieder in der Kritik

Dies ist nicht das erste Mal, dass Pauli in die Kritik gerät. Ende 2015 wurde bekannt, dass im ERZ-Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz gegen das Submissionsrecht und interne Vorschriften verstossen worden war.

Eine Administrativuntersuchung zeigte ausserdem, dass der Objektkredit für das Logistikzentrum Hagenholz wegen zahlreicher interner Verfehlungen um 14,7 Millionen Franken überschritten wurde. Indizien für strafrechtlich relevante Verstösse wurden damals keine festgestellt, der Stadtrat ermahnte den Direktor von ERZ allerdings.

Auch Lob zum Abgang

Trotz des unschönen Abgangs gibt es von der Stadt auch Lob für Pauli: Er habe erhebliche Verdienste am Wandel des früheren Abfuhrwesens zu einem strategisch und organisatorisch stark aufgestellten Betrieb. Das ERZ sei international gesehen ein Vorzeigebetrieb, insbesondere was Ökologie und Ökonomie anbelange, sagte Leutenegger.

Pauli trat 1997 bei der damaligen Stadtentwässerung als Leiter des Finanz- und Rechnungswesens ein. Später nahm er Einsitz in die Geschäftsleitung von ERZ, 1999 folgte die Ernennung zum Vizedirektor. 2008 wurde er Direktor. Die operative Führung von ERZ wird interimistisch von Peter Wiederkehr, Leiter des Klärwerks Werdhölzli, wahrgenommen. Die Stelle von Pauli wird öffentlich ausgeschrieben. (past/sda)

Erstellt: 22.05.2017, 13:17 Uhr

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