Obergericht

Statt den Ehemann zu töten, ging der Unbekannte zur Polizei

Eine Frau begegnet auf einem Parkplatz einem ihr unbekannten Asylsuchenden. Sie bietet ihm 1000 Franken, wenn er ihren Mann umbringt. Dafür muss sie nun ins Gefängnis.

Das Zürcher Obergericht bestätigte im Fall einer versuchten vorsätzlichen Tötung die Strafe des Dielsdorfer Bezirksgerichts.

Das Zürcher Obergericht bestätigte im Fall einer versuchten vorsätzlichen Tötung die Strafe des Dielsdorfer Bezirksgerichts. Bild: Doris Fanconi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist zwei Tage nach Heiligabend und bereits dunkel, als die Beschuldigte und ein Asylsuchender auf einem Parkplatz im Bezirk Dielsdorf aufeinandertreffen. Es kommt zum Gespräch.

Dabei bietet die 52-Jährige dem Eritreer 1000 Franken, wenn er ihren Ehemann schwer verletzt oder tötet.«Einen solchen Fall haben wir nicht jeden Tag,» fand selbst der erfahrene Richter am Zürcher Obergericht, wo der Fall gestern verhandelt wurde.

Selber Opfer von Gewalt

Eigentlich wisse sie überhaupt nicht mehr, was im Dezember 2016 geschehen sei, sagte die Schweizerin philippinischer Herkunft in gebrochenem Deutsch. «Ich erinnere mich nur noch, dass ich sehr aufgeregt und wütend auf meinem Mann war.» Mit ihrem aus dem Libanon stammenden Ehemann war sie damals acht Jahre verheiratet.

Ihr erster Mann, ein Schweizer, war ein gewalttätiger Alkoholiker, weshalb sich die Mutter zweier mittlerweile erwachsener Kinder von ihm scheiden liess. Auch ihr libanesischer Gatte wird ihr gegenüber gewalttätig, und sie muss sich nach eigenen Angaben wiederholt als Hure beschimpfen lassen.

«Einen solchen Fall haben wir nicht jeden Tag.»Vorsitzender Richter  
Obergericht Zürich

Ausserdem pflegte der 18 Jahre jüngere Gatte offensichtlich eine Fremdbeziehung. Den Parkplatz direkt neben der Asylunterkunft, auf dem er jeweils sein Taxi parkierte, habe sie aus Misstrauen aufgesucht:«Ich wollte ihn nachhause holen.»

Dann sei der Eritreer aufgetaucht und habe ihr Gesäss berührt. Erst habe sie die Polizei rufen wollen. Doch dann zeigte die Beschuldigte ihm ein Bild ihres Mannes und forderte den 20-Jährigen auf, diesen mit einem grossen Messer zu verletzen. Dafür sollten er, oder ein zur Tat bereiter Kollege, 1000 Franken erhalten.

Sie gab die Anweisung, die Tat maskiert und mit Handschuhen zu begehen. Der junge Mann hielt das zwölfminütige Gespräch heimlich mit seinem Mobiltelefon fest. Die Videoaufzeichnungen übergab er am gleichen Abend der Polizei.

Der Staatsanwalt sprach von einer zwar dilettantisch, aber doch sehr minutiös geplanten Tat. Es handle sich ganz klar um eine Anstiftung zur vorsätzlichen Tötung. Es gebe keinen Grund, die vorgesehene Untergrenze von fünf Jahren Freiheitsstrafe zu unterschreiten.

Die Beschuldigte sei zwar von ihrem Mann nicht aufs Beste behandelt worden:«Richtig wäre aber eine Anzeige bei der Polizei und nicht der Schritt in die Selbstjustiz gewesen,» sagte er und forderte eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren.

«Grenzwertig begabt»

Seine Mandatin sei freizusprechen, so hingegen ihr Anwalt. Sie habe das Wort töten im Gespräch nie verwendet, sondern einzig die Frage ihres Gegenübers, ob sie ihren Mann tot sehen möchte, bejaht. Es sei aber angesichts ihrer mangelhaften Englischkenntnisse und dem Umgebungslärm möglich, dass sie statt «Do you want death?»(willst du Tod) «do you whant that?»(willst du das – also die Verletzung) verstanden und deshalb mit Ja geantwortet habe.

Seine Mandantin sei intellektuell grenzwertig begabt und emotional äusserst angespannt gewesen: «Beides reduzierte ihre Fähigkeit klar zu denken.» Bei einer wirklichen Tötungsabsicht hätte sie eine weit höhere Belohnung angesetzt, so der Verteidiger. Auch die Frau beteuerte, sie habe ihren Mann niemals töten lassen wollen.

Der Richter wertete die Aussagen des Asylbewerbers als plausibel: «Sie werden durch die Aufnahmen gestützt.» Die Schilderungen der Frau würden nicht aufgehen. «Wir bezweifeln, dass es zur sexuellen Belästigung kam.»

Weil das Gericht das Verschulden der Frau als sehr leicht wertete, blieb es bei einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren. Davon muss die Frau sechs Monate in Haft verbringen, für den Rest wurde eine Probezeit von zwei Jahren angesetzt. Das Obergericht bestätigte damit das Urteil des Dielsdorfer Bezirksgerichts, gegen das beide Parteien Berufung eingelegt hatten.

Die Frau, die bis zur Tat in einem Vollpensum als Kassierin angestellt war, verlor ihre Stelle. Heute arbeitet sie stundenweise bei einem Schnellimbiss. Gemäss ärztlichem Gutachten wird sie nicht mehr über 70 Prozent arbeiten können. Von ihrem Mann – die beiden leben mittlerweile getrennt – erhält sie 1600 Franken Alimente pro Monat. Sie trifft ihn heute fast täglich.

Erstellt: 20.08.2019, 17:40 Uhr

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben