Terroranschlag

Stadtpolizeien erhöhen Präsenz – Kerzen für die Opfer

Der Anschlag in Berlin beschäftigt die hiesigen Veranstalter von Weihnachtsmärkten. Die Polizei verstärkt ihre Patrouillen. Auf dem Zürcher Sechseläuten-Platz wurde am Dienstagabend mit Kerzen den Opfern des Terroranschlages gedacht.

Uniformierte und bewaffnete Polizisten sind nach dem Anschlag von Berlin auch auf Schweizer Weihnachtsmärkten vermehrt anzutreffen.

Uniformierte und bewaffnete Polizisten sind nach dem Anschlag von Berlin auch auf Schweizer Weihnachtsmärkten vermehrt anzutreffen. Bild: Marc Dahinden

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Auf dem Winterthurer Weihnachtsmarkt sind seit gestern uniformierte und bewaffnete Polizisten gut sichtbar postiert. «Aufgrund der jüngsten Ereignisse haben wir die Patrouillen am Weihnachtsmarkt verstärkt», sagt Polizeisprecherin Bianca Liechti. Man prüfe derzeit weitere Massnahmen.Die Stadtpolizei beraumte nach der Amokfahrt von Montagabend bereits heute Vormittag eine Sitzung mit den Winterthurer Veranstaltern an. OK-Präsident Norbert Albl sagt, man nehme die Situation sehr ernst. Unter den Besuchern und Standbetreibern des Weihnachtmarktes sei gestern aber keine Verunsicherung zu spüren gewesen.

Präsident war noch in Berlin

Die Terrortat von Montagabend trifft Albl nicht nur als Mensch, sondern auch als Weihnachtsmarktmacher. Er selbst war noch vor einer Woche in Berlin gewesen – auch auf dem Breitscheidplatz. «Berlin hat über 50 Weihnachtsmärkte, und jener auf dem Breitscheidplatz ist der erste und älteste von allen», sagt Albl. Eine zusätzliche tragische Note: Der Markt steht am Fusse der Gedächtniskirche; die Turmruine der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche ist ein Mahnmal für den Frieden.

«Weihnachten als Ereignis ist stärker als Terror»André Kofmehl,
Präsident Verein Weihnachten in Zürich

Während viele kleine Weihnachtsmärkte im Kanton Zürich schon vorbei sind, sind sie in der Stadt Zürich noch im vollem Gange. «Klar rüttelt es einen auf. Die Lust am Flanieren ist erst mal reduziert», sagt André Kofmehl, Präsident des Vereins Weihnachten in Zürich, in dem die Veranstalter der Stadtzürcher Weihnachtsmärkte zusammengeschlossen sind. «Aber das wird sich wieder legen, da Weihnachten als Ereignis stärker ist.»

Grundsätzlich bestehe die Gefahr eines Anschlags nicht nur an Weihnachtsmärkten, sondern überall, wo es grosse Ansammlungen von Menschen gebe, zum Beispiel auch an der Zürcher Bahnhofstrasse. Die Frage, ob jetzt zusätzliche Sicherheitsmassnahmen nötig seien, lässt Kofmehl offen. Das Weihnachtsdorf am Sechseläutenplatz habe ohnehin schon einen privaten Sicherheitsdienst engagiert. Am Weihnachtsmarkt «Singing Christmas Tree» am Werdmühleplatz, den Kofmehl veranstaltet, kümmerten die Veranstalter sich selbst um die Sicherheit. Dabei steht für Kofmehl aber nicht Terrorgefahr, sondern Vandalismus im Vordergrund.

Lichterlöschen zum Gedenken

Die Stadtpolizei Zürich beurteilt die Sicherheitslage fortlaufend, wie ihr Sprecher Roland Stämpfli auf Anfrage sagt. Ob und welche Massnahmen zu ergreifen seien, werde zurzeit aber nicht über die Medien kommuniziert. «Nach bisherigen Erkenntnissen ändert sich die erhöhte Bedrohungslage auch nach den jüngsten Ereignissen für die Schweiz und für Zürich nicht», so Stämpfli.

Am gutbesuchten Weihnachtsmarkt auf dem Zürcher Sechseläuten-Platz gingen am Dienstagabend für ein paar Minuten die Lichter aus. Mit Kerzen und einer Schweigeminute wurde den Opfern des Terroranschlages in Berlin gedacht.Video: Keystone.

Aufgrund der laufenden Lagebeurteilung und im Hinblick auf die bevorstehenden Festtage seien in Zürich Sicherheitsmassnahmen wie erhöhte Polizeipräsenz eingeleitet worden.

Die Veranstalter des Wienachtsdorfs am Sechseläutenplatz löschen heute zum Gedenken an die Opfer von Berlin um 20 Uhr für eine Minute die Lichter. «Wir werden uns nicht von den schrecklichen Taten abschrecken lassen, sondern die Weihnachtstage umso mehr vor Ort verbringen», halten sie in einer schriftlichen Stellungnahme fest. Und weiter: «Über sinkende Besucherzahlen machen wir uns keine Gedanken. Unsere Gedanken sind vielmehr bei den Betroffenen in Berlin.»

Ähnlich klingt es bei den Kollegen in Winterthur. «Es ist nicht normal, in was für einer Welt wir heute leben», sagt OK-Präsident Albl. «Die Frage ist jetzt: Machen wir weiter oder schliessen wir den Markt? Wir sind unisono der Meinung: Wir beugen uns dem Terror nicht. Damit würden wir in der Konsequenz auf die sämtliche Freuden im Leben und auf die Lebensfreude selbst verzichten.»

Erstellt: 20.12.2016, 18:03 Uhr

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